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Europäischer Fischfang : „Die Hälfte der Fangflotte muss stillgelegt werden“

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Mehr als 90 Prozent des Nordsee-Kabeljaus wird gefischt, bevor er sich fortpflanzen kann Bild: ddp

Bei der europäischen Fischfangflotte gibt es nach EU-Angaben Überkapazitäten von bis zu 40 Prozent. Bleibt das so, sei einer Studie zufolge ab dem Jahr 2050 keine kommerzielle Meeresfischerei mehr möglich, warnt das Umweltbundesamt.

          Damit sich die Fischbestände wieder erholen können, müsste aus Sicht des Umweltbundesamtes ein Großteil der europäischen Fangflotte stillgelegt werden. Nach EU-Angaben gebe es bei der europäischen Flotte eine Überkapazität von mehr als 40 Prozent, sagte der Präsident des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth am Dienstag bei einem Meeresumwelt-Symposium in Hamburg. „Daraus ist aus meiner Sicht die Konsequenz zu ziehen, dass die Hälfte der Fischereifahrzeuge stillgelegt werden müsste.“

          Bei den derzeitigen Fangmengen sei einer Studie zufolge vom Jahr 2050 an keine kommerzielle Meeresfischerei mehr möglich, sagte Flasbarth - „weil sie sich dann nicht mehr lohnt“. Der Fischereibiologe Rainer Froese vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel betonte: „Der Aufwand für eine bestimmte Fangmenge ist heute im Durchschnitt 17 Mal höher als gegen Ende des 19. Jahrhunderts.“ Bei gesunden Beständen dagegen gäbe es deutlich höhere Fänge bei deutlich geringeren Kosten. Der Dorsch in der östlichen Ostsee sei ein Beispiel dafür, dass sich ein Bestand erholen könne - „wenn man ihn lässt“.

          Mancher Fisch auf dem Teller 100 Jahre alt

          Die jetzigen Fangmengen ließen sich nur dadurch halten, dass ständig neue Fanggründe erschlossen und neue Arten gefangen würden, sagte Flasbarth. „Es ist derzeit kein Problem mehr, in bis zu 2000 Metern Tiefe zu fischen.“ Allerdings seien Fische, die in dieser Tiefe leben, meist erst mit etwa 30 Jahren geschlechtsreif. „In der Regel sind sie 100 Jahre alt, wenn sie auf unseren Tellern landen“, erklärte Flasbarth. „Vielen würde der Appetit vergehen, wenn sie wüssten, was sie auf ihrem Teller haben.“

          Wird in Europa weitergefischt wie bisher, lohnt sich in 40 Jahren kommerzieller Fischfang nicht mehr

          Flasbarth kritisierte auch die großen Mengen an sogenanntem Beifang. „Allein für die Nordsee wird geschätzt, dass jährlich mehrere hunderttausend Tonnen wieder über Bord gehen.“ Und mehr als 90 Prozent des Nordsee-Kabeljaus werde gefischt, bevor er sich fortpflanzen konnte.

          Der Präsident des Umweltbundesamtes warnte zudem davor, Meere als Müllkippen zu missbrauchen. Beim Reinigen eines fast sieben Kilometer langen Badestrandes auf der Insel Sylt fielen jeden Tag bis zu zwei Tonnen Müll an. „Das entspricht jährlich circa 23 000 Müllsäcken.“ In Ostholstein entstünden durch die Müllentsorgung an den Stränden jährlich Kosten von etwa 750 000 bis 1,2 Millionen Euro. Bis etwa Plastikmüll abgebaut wird, könnten bis zu 450 Jahre vergehen, sagte Flasbarth. „Selbst wenn wir sofort zu einem Nulleintrag kämen, werden wir noch über lange Zeiträume mit dem derzeitigen Müll als Altlast konfrontiert sein.“

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