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Erneuerbare Energien : Sauber, aber teuer

In Reykjavík ist die erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle der Welt eröffnet worden.

          4 Min.

          An warmem Wasser herrscht auf Island kein Mangel. Sogar Bürgersteige werden damit geheizt. Wasser sprudelt überall aus der Erde oder es wird aus einem der vielen Bohrlöcher herausgeblasen und durch Pipelines über und unter Land weitergeleitet. Genutzt wird Wasser aber nicht nur zum Heizen. Auch Islands Strom stammt aus Kraftwerken, deren Turbinen mit Wasser oder Wasserdampf angetrieben werden. Und zwar zu einhundert Prozent, was kein anderes Land ernsthaft von sich behaupten kann. Trotzdem zählt die Insel im hohen Norden noch zu den Kohlendioxydproduzenten. Die 180 000 Fahrzeuge der etwa 280 000 Einwohner und vor allem die Boote der Fischer verbrennen in ihren Motoren nach wie vor Diesel und Benzin. Dabei hatte schon vor 25 Jahren der isländische Professor Bragi Arnason festgestellt, daß sein Heimatland auf die teuer eingeführten fossilen Brennstoffe vollkommen verzichten könnte. Wasserstoff, so glaubte er, sei Islands Kraftstoff im 21. Jahrhundert.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vergangene Woche wurde die erste, wirklich öffentliche Wasserstoff-Tankstelle der Welt in Reykjavík eröffnet. Von August an werden drei Brennstoffzellen-Busse aus dem Hause Daimler-Chrysler zwei Jahre lang auf den Straßen der isländischen Hauptstadt verkehren. Allerdings nicht nur in Reykjavík, sondern auch in neun weiteren europäischen Großstädten kommen bald schon je drei der sogenannten Citaro-Stadtbusse zum Einsatz: in Amsterdam, Barcelona, Hamburg, London, Madrid, Luxemburg, Porto, Stockholm und Stuttgart. "Cute" (Clean Urban Transport for Europe) nennt sich das von der EU mit 20 Millionen Euro geförderte Vorhaben. Wie hoch die Kosten insgesamt sind, läßt sich höchstens schätzen. Ein Citaro soll rund 1,25 Millionen Euro kosten - etwa fünfmal soviel wie ein herkömmlicher Dieselbus. Seit einigen Dekaden schon interessiert sich Daimler-Chrysler für den Kraftstoff Wasserstoff. Längst sind wasserstoffbetriebene Fahrzeuge unterschiedlicher Automobilhersteller auf Straßen fast aller Kontinente unterwegs. Allerdings fast ausschließlich zu Versuchszwecken, nicht zuletzt auch deshalb, weil die nötige Infrastruktur - zum Beispiel Wasserstoff-Tankstellen - nicht zur Verfügung steht. Nun aber soll eine neue Testphase beginnen - unter besonderer Berücksichtigung des isländischen Projekts "Ectos" (Ecological City Transport System). "Ectos" wird dabei ebenfalls von der Europäischen Union unterstützt (mit 2,8 Millionen Euro), obwohl Island kein Mitglied der EU ist. Doch, wie Eric Ponthieu von der Europäischen Kommission sagt, sind die Bedingungen auf der Insel einfach ideal: "Island ist klein, unabhängig und industriell hochentwickelt. Die Gesellschaft ist überschaubar und steht Wasserstoff besonders positiv gegenüber. Zudem besitzt kaum ein anderes Land der Welt soviel Erfahrung mit erneuerbaren Energiequellen." Und die sind nötig, um "sauberen" Wasserstoff herzustellen.

          Der englische Physiker Sir William Grove entdeckte bereits 1839 das Prinzip der Brennstoffzelle, mit der aus Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie gewonnen werden kann. Zuvor aber muß Wasser mittels Elektrolyse in seine Bestandteile zerlegt werden. Auch dafür ist elektrische Energie nötig. In Reykjavík wird der Wasserstoff direkt in der Tankstelle hergestellt, das Gas wird komprimiert und in Flaschen gefüllt. In der Brennstoffzelle werden dann Wasserstoff und Sauerstoff wieder zusammengeführt, was zu einer chemischen Reaktion führt, bei der Strom, Wärme und - als Abfallprodukt - Wasser entstehen. Da die Ausgangsspannung einer einzelnen Zelle bei weniger als einem Volt liegt, werden Hunderte der rund zwei Millimeter dünnen Brennstoffzellen zu Stapeln, sogenannten Stacks, verbunden. Mit der gewonnenen Energie wird ein Elektromotor angetrieben.

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