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Erdbeben im Pazifik : Tsunami überflutet Samoa: Mehr als 120 Tote

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Ein Tsunami hat nach dem heftigen Erdbeben vor den Samoa-Inseln im Südwestpazifik über 100 Menschenleben gefordert. Augenzeugen berichteten von vier Meter hohen Flutwellen, die mit großer Wucht auf das Land trafen.

          Bei einer Serie von Tsunamis im Pazifik sind auf der Samoa-Inselgruppe nach Behördenangaben möglicherweise mehr als 120 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden. Die Flutwellen nach einem Seebeben der Stärke 8,0 richteten demnach schwere Schäden in vielen Städten und Dörfern an. Eine zunächst ausgegebene Tsunami-Warnung für den gesamten Pazifik wurde später aufgehoben. Der amerikanische Präsident Barack Obama erklärte Samoa zum Katastrophengebiet.

          Das auf dem Ostteil der Inselgruppe liegende amerikanische Territorium Amerikanisch-Samoa meldete mindestens 24 Tote und 50 Verletzte. Am schwersten sei die Südseite der Hauptinsel Upolu betroffen, sagte der Vizechef des Katastrophenschutzamts, Auseglia Mulipola. Schwer getroffen war auch die Schwester-Insel Amerikanisch-Samoa rund 80 Kilometer weiter östlich.

          Augenzeugen und Überlebende berichteten von der großen Wucht, mit der die Flutwellen an Land kamen. Auf der Hauptinsel Upolu soll das Wasser bis zu 800 Meter ins Landesinnere gereicht haben, hieß es im neuseeländischen Rundfunk. Wendy Booth betrieb die Touristen- Anlage „Sea Breeze“ an der Südküste, die nach ihren Angaben völlig zerstört wurde. „Die zweite Welle traf uns durch den Fußboden. Das Wasser rauschte zur Hintertür hinaus und riss uns mit“, berichtete sie dem australischen Radiosender Fairfax Radio Network. „Wir konnten uns an einem Geländer festhalten, mein Mann und ich klammerten uns aneinander. Der Sog zurück Richtung Meer nach der Welle war gigantisch. Die Kraft des Wassers riss unsere Einrichtung durch das Dach.“

          Die genaue Zahl der Opfer steht noch nicht fest

          „Vier seiner Passagiere wurden fortgerissen“

          Eine Australierin erlebte das Erdbeben und den Tsunami in der Hauptstadt Pago-Pago auf Amerikanisch-Samoa. Die Erde habe drei Minuten lang heftig gebebt, berichtete sie dem australischen Sender ABC. Von ihrem Balkon aus sah sie jede Menge überflutete Häuser und Geschäfte. Nach ihren Angaben war die Flutwelle vier Meter hoch. Der Strom sei ausgefallen, der Flughafen geschlossen und das örtliche Krankenhaus überflutet. Ein Bekannter sei mit einem Bus unterwegs gewesen, als der Tsunami kam. „Das Wasser drang in seinen Bus ein“, berichtete Whitby. „Er blieb schließlich in einem Mangobaum hängen, aber vier seiner Passagiere wurden fortgerissen.“

          Auf ersten Fotos waren überflutete Straßen zu sehen. Autos, die von den Wassermassen mitgerissen wurden, lagen in Trümmerhaufen. An einer Stelle war ein mächtiges Boot auf dem Trockenen zu sehen. Lokalsender berichteten, dass einige Dörfer völlig überschwemmt seien. „Zwei oder drei Ortschaften wurden schwer zerstört“, sagte der Leiter des Gesundheitsdienstes von Amerikanisch-Samoa, Salamo Laumoli, dem amerikanischen Sender CNN.

          Regelmäßige Tsunami-Übungen auf den Inseln

          Die Behörden lösten innerhalb von Minuten nach dem Beben Tsunami-Alarm aus, berichtete der Lokalsender Radio Polynesia. Auf den Inseln wurden regelmäßig Tsunami-Übungen durchgeführt. Viele der Einwohner der tiefliegenden Küstenregion hätten sich deshalb rechtzeitig auf höheres Terrain retten können, sagte Reporter Pipi Autagavaia in einem Gespräch mit der BBC. Auf den Inseln leben insgesamt rund 220.000 Menschen. Darunter sind nach Angaben des deutschen Honorarkonsuls Arne Schreiber 25 Deutsche. Der einzige, der in dem betroffenen Gebiet wohne, sei wohlauf, sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa.

          Die neuseeländische Regierung äußerte sich sehr besorgt über die Situation im benachbarten Inselstaat Tonga, dessen Nordküste von einer vier Meter hohen Welle getroffen worden sei. Behördenvertreter in Tonga sagten, sie rechneten mit fünf Toten.

          Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind zwei Deutsche aus Berlin verletzt worden. Beide seien auf Samoa ärztlich versorgt worden und würden nun konsularisch betreut, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin. Der Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Arne Schreiber, sagte in Interviews des WDR-Radios, ein Ehepaar sei in einem Ferienanlagen von der Welle erfasst worden. Der Ehemann erlitt demnach eine Kopfverletzung und wurde im Krankenhaus behandelt.

          Tsunami-Warnungen wieder aufgehoben

          Das Beben ereignete sich am Dienstag um 19.48 MESZ. Ortszeit war das 06.48 Uhr am Dienstagmorgen. Zunächst verhängte Tsunami-Warnungen für Südseestaaten wie Tonga, Tuvalu, Kiribati, die Salomonen-Inseln und für Neuseeland wurden um kurz vor Mitternacht europäischer Zeit wieder aufgehoben.

          Am 26. Dezember 2004 hatte ein Tsunami nach einem schweren Beben vor der indonesischen Insel Sumatra 230.000 Menschenleben gefordert. Die bis zu fünf Meter hohe Flutwelle breitete sich über tausende Kilometer im Indischen Ozean aus und zerstörte Küstenregionen in Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand und auf den Malediven.

          Tsunamis sind Riesenwellen. Sie können entstehen, Erdbeben oder Vulkanausbrüche den Meeresboden erschüttern. Im Gegensatz zu normalen Wellen, bei denen nur das Wasser an der Meeresoberfläche wogt, geraten bei einem Tsunami (japanisch: große Welle im Hafen) auch die tiefen Wasserschichten in Bewegung. Auf hoher See ist diese Welle gewöhnlich nicht höher als zwei oder drei Meter und wird wegen ihrer großen Wellenlänge von Schiffen oft gar nicht bemerkt. In flachen Küstengewässern und engen Buchten läuft sie dann aber zu enormen Höhen von bis zu 40 Metern auf und kann ganze Landstriche verwüsten. Tsunamis breiten sich mit bis zu 900 Kilometern pro Stunde aus und können so binnen kurzer Zeit ganzeOzeane durchqueren. Das höchste Tsunami-Risiko besteht wegen der großen Aktivität der Erdkruste rings um den Pazifik. Frühwarndienste versuchen mit Sensorbojen, Computern und Satelliten, betroffene Gebiete rechtzeitig vor möglichen Riesenwellen zu warnen. Bei der Tsunami-Katastrophe am 26. Dezember 2004 in Südostasien waren mehr als 230.000 Menschen ums Leben gekommen

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