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Eiskalt ins Grab : Der ökologische Tod

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Wer in seinem Leben stets ökologisch bewusst gehandelt hat, muss den Tod nicht fürchten. Ein schwedisches Unternehmen hat das Prinzip der Kryotechnik entdeckt. Der Leichnam wird eiskalt unter die Erde gebracht, die sterblichen Überreste bleiben sauber, trocken und geruchsfrei.

          Aus rein biologischer Sicht braucht der Mensch lediglich zwei elementare Dinge zum Leben: Essen und Trinken, am besten genuss-, sinn- und segensreich gestaltet. Aber selbst damit ist irgendwann Schluss. Ist das genetische Programm einmal abgelaufen, steht der Sensenmann vor der Tür, und der letzte Hauch ist schnell getan. Traurige Realität, es gibt kein Entrinnen. Für die Hinterbliebenen auch nicht vor den Pflichten, denn die sterblichen Überreste müssen rasch entsorgt werden. Immer häufiger wird der Wunsch nach einer ökologisch korrekten Bestattung geäußert, die sich mit Würde und angemessenem Totenkult vereinbaren lassen muss.

          Mit wachsender Verantwortung für das Klima gerät selbst die gegenwärtig häufig gewählte Methode des Verbrennens mehr und mehr ins Hintertreffen. Die Körper unserer Toten sind eben auch nur organisches Material, und nach deren Karbonisierung verbleiben Asche mit komplexer chemischer Zusammensetzung, flüchtige Verbrennungsoxide und natürlich das als Treibhausgas in Verruf gekommene Kohlendioxid. Selbst bei idealen Bedingungen, sprich hohen Temperaturen und optimal eingestellter Sauerstoffzufuhr, wie sie die modernsten Krematorien gewährleisten, lässt sich dies kaum unterbinden, ganz abgesehen von dem dabei erforderlichen hohen Verbrauch an fossilen Brennstoffen für die Befeuerung.

          Christliches Fundamentalprinzip

          Schon werden neue, zukunftsträchtige Techniken angeboten, die natürlich an der sach- und zeitgemäßen Umsetzung des christlichen Fundamentalprinzips der Genesis (Kapitel 3,19) festhalten: „Gedenke, o Mensch, dass du aus Staub bist und zu Staub wieder zurückkehrst.“ Nüchtern betrachtet bietet sich jetzt ein Hightech-Verfahren eines schwedischen Bestattungsunternehmens an, das die Frostverfahren modernster Kryotechnik mit Vakuumtrocknungsmethoden kombiniert. Kaum überraschend, denn solche Ideen finden schon beim Umgang mit vielen organischen Materialien Zuspruch, etwa beim lebensnotwendigen Essen, in der Lebensmitteltechnologie und sogar in der molekularen Küche.

          Die Kryobestattung vollzieht sich in mehreren Stufen. Die erste folgt dem herkömmlichen Schema. Der Leichnam wird in einen Sarg gelegt. Sofort danach allerdings befasst sich die neue Methode mit dem eigentlichen Problem des Verstorbenen, seinem körpereigenen Wasser, das etwa 70 Prozent seines Körpergewichts ausmacht. Dieser Treibstoff, der erst alles Leben ermöglicht, wird nach dem Dahinscheiden zum großen Problem. Denn Wasser in Kombination mit Sauerstoff und hohen Temperaturen ist die Grundlage des Verderbens, der Fäulnis. Bei unsachgemäßer Lagerung verdirbt jedes tote Fleisch. Daher kann etwa der frisch gekaufte Sonntagsbraten zur späteren Verwendung bei minus 18 Grad Celsius für eine gewisse Zeit eingefroren werden.

          Wasser friert zu Eiskristallen

          Das körpereigene Wasser friert dabei zu Eiskristallen. Chemische Reaktionen und biologische, enzymatische Verfallsprozesse verlangsamen sich dramatisch. Jede Kühltruhe macht davon Gebrauch. Nüchtern betrachtet lässt sich dasselbe Prinzip bei Leichen ebenfalls anwenden: Die Körper werden also eingefroren, bis ein Platz in einem Stickstoffbad frei wird. Herkömmliche Vorsichtsmaßnahmen für die unmittelbare Zeit nach dem Ableben oder gar Balsamierungsmethoden sind daher nicht notwendig.

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