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Davi Kopenawa im Interview : „Der Himmel wird herunterfallen“

  • Aktualisiert am

Mit Federschmuck: Davi, der „Dalai Lama des Regenwaldes”, vor einem Baum in München Bild: Marie Katharina Wager / F.A.Z.

Die Yanomami gelten als äußerst isoliert lebendes Volk. Doch weil sie um ihren Lebensraum fürchten, suchen sie den Kontakt zum Rest der Welt. Davi Kopenawa über das Leben der Yanomami, die Versuchung des Internets und den Gestank der Städte.

          3 Min.

          Davi, Sie kommen aus Watoriki, einem winzigen Dorf im brasilianischen Urwald, nun sind Sie in München. Wie gefällt es Ihnen hier?

          Städte sehen für mich alle gleich aus, ob So Paulo oder Rio oder München.

          Schauen Sie sich trotzdem um?

          Ja, ich gehe spazieren, um mir die Bäume anzugucken, die wenigen, die es gibt. Denn immerhin sind sie anders als bei uns im Wald, sie haben andere Blätter und Stämme, und es macht mir Spaß, sie zu vergleichen.

          Die Zukunft eines Volkes: Davi mit jungen Yanomami im brasilianischen Amazonasgebiet
          Die Zukunft eines Volkes: Davi mit jungen Yanomami im brasilianischen Amazonasgebiet : Bild: Fiona Watson / www.survivalinternational.de

          Sie sind gekommen, um auf die Probleme der Yanomami mit den Goldgräbern aufmerksam zu machen. Wie nahe kommen sie Ihnen?

          Sie haben sich flussaufwärts niedergelassen und verseuchen dort das Wasser mit ihrem Quecksilber. Wir haben kein Trinkwasser mehr und können auch den Fisch nicht mehr essen. Sie arbeiten mit großen Maschinen, die so laut sind, dass sie alle Tiere verscheuchen. Wir haben schon mit vielen Politikern darüber gesprochen, weil es illegal ist, dass sie auf unser Gebiet kommen, aber die hören uns gar nicht. In unserem Bundesstaat Roraima gibt es viele Politiker, die Freunde der Goldgräber sind. Deshalb tun sie nichts.

          In Peru hat es bei Kämpfen zwischen Polizisten und Indigenen, die ihr Land verteidigen wollten, vor einiger Zeit Tote gegeben. Könnte so etwas auch bei Ihnen passieren?

          Ja. Wenn die Weißen so weitermachen und wenn die Goldgräber mehr werden, dann wird es bei uns auch Gewalt geben. Aber wir haben nur Pfeil und Bogen, und die haben alle möglichen Waffen. Also werden wir dann wahrscheinlich sterben.

          Ende der achtziger Jahre gab es schon einmal viele Goldgräber auf Ihrem Gebiet, damals starben 13 Prozent Ihres Stamms an Malaria und anderen Krankheiten, die es vorher nicht gab. Ist die Situation heute anders?

          Heute gibt es bei uns Schulen, viele von uns sprechen die Sprache der Weißen. Wir können jetzt verstehen, was sie von uns wollen. Und die jungen Yanomami gehen mit Digitalkameras in den Wald, fotografieren die Goldgräber und geben die Bilder an Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Die stellen die Fotos ins Internet, und die Regierung muss zugeben, dass es eine neue Invasion gibt.

          Gibt es Internet in Ihrem Dorf?

          Nein, nur in der Stadt, in Boa Vista, die ist 300 Kilometer entfernt. Da hat unsere NGO ein Haus gebaut. Dort gibt es ein Funkgerät, über das wir mit anderen Yanomami-Dörfern sprechen können. Und da gibt es Internet: Das ist unsere neue politische Waffe. Die jungen Yanomami schicken alle Neuigkeiten aus dem Wald an NGOs und Politiker. So fliegen alle diese Wörter, ohne dass man es sieht, schnell auf die Tische der Weißen.

          Wie sorgen Sie dafür, dass die jungen Yanomami vom Internet nicht verdorben werden?

          Im Internet gibt es alles: Wahrheit und Schweinereien. Und das Böse könnte natürlich die Erinnerungen der jungen Leute zerstören. Aber ich kann sie nur warnen, nicht kontrollieren. Ich sage immer, sie sollen nur Nachrichten verschicken und sich keine nackten Frauen angucken. Aber sie machen, was sie wollen.

          In Ihrem Dorf tragen die Kinder Shorts und Flip-Flops und benutzen Zahnbürsten. Ändert sich dadurch etwas an Ihrer Kultur?

          Wo haben Sie das gesehen?

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