https://www.faz.net/-gum-70vqc

Das Ende einer Spezies : Der einsame George ist tot

  • -Aktualisiert am

Einzelgänger: Als Letzter seiner Spezies wollte sich George im Schildkröten-Zuchtzentrum nicht mit Weibchen anderer Arten einlassen. Nun verstarb er im Alter von etwa 100 Jahren. Bild: AFP

Mit ihm ist wohl eine ganze Art ausgestorben: Die Galápagos-Schildkröte „Lonesome George“ ist tot. Er war rund hundert Jahre alt und galt als letzter Vertreter der Spezies „Geochelone nigra abingdoni“.

          1 Min.

          „Sein Lebenslauf hat sich vollendet.“ Mit diesen Worten informierte der Chef des Galápagos-Parks, Edwin Naula, die Welt über das Ableben seiner wohl prominentesten Schildkröte: George, der wahrscheinlich letzte seiner Art, starb am Sonntag im geschätzten Alter von hundert Jahren. Mit George verlässt eines der wichtigsten Symboltiere von Galápagos den blauen Planeten: 1972 auf der Insel Pinta entdeckt, machte der letzte Stammhalter der „Geochelone nigra abingdoni“ Furore – galt seine Art doch als ausgestorben.

          Nun sollen Fachleute das verfrühte Ableben der Riesenschildkröte klären, denn Wirbeltieren ihres Kalibers ist normalerweise eine etwa doppelt so lange Lebenszeit vergönnt. Vor gut zwei Jahrhunderten gab es auf den Inseln vor der Küste Ecuadors noch eine beträchtliche Schildkröten-Population. Dann kam der homo sapiens. Er hatte es auf das nahrhafte Fleisch der Wirbeltiere abgesehen. Da Schildkröten monatelang ohne Nahrung auskommen können, galten sie als beliebter Proviant und landeten zu Zehntausenden als lebende Konserven an Bord. Es sei daher auch „gut möglich, dass die Urgroßeltern von George im Magen eines Matrosen endeten“, sagt Volker Homes von WWF Deutschland.

          Doch es war nicht allein menschlicher Hunger, der George und den Seinen das Leben schwermachte: Mit den ersten Siedlern kamen Nutztiere auf die Inseln, die später Charles Darwin auf die Evolutionstheorie brachten. Sie hatten dort eigentlich nichts verloren und begnügten sich nicht damit, den Testunidata, so der lateinische Überbegriff, ihre Nahrung streitig zu machen. Sie machten auch noch Jagd auf deren Nachwuchs. An Nachwuchs mangelte es auch bei George, was ihm den Spitznamen „Der Einsame“ eintrug.

          Erst im März 2010 war versucht worden, George seine Fortpflanzungspflichten schmackhaft zu machen. Die Zweckliaison mit Weibchen Nummer 107, aus der immerhin sechs Eier resultierten, musste allerdings nach 120 Tagen Befruchtungszeit für erfolglos erklärt werden, da sich keine Embryonen entwickelt hatten. Der Galápagos-Park will George zu Ehren nun im Juli ein Seminar zur Erhaltung von Schildkröten veranstalten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.