https://www.faz.net/-gum-4a6o

China : In dem Stausee versinkt die Heimat von Millionen

  • Aktualisiert am

Das Wasser des Jangtse wird seit Sonntag aufgehalten Bild: dpa/dpaweb

Die ersten Schleusentore des Drei-Schluchten-Dammes in China wurden geschlossen, der Jangtse soll einen riesigen Stausee bilden. Damit geht der Bau des größten Wasserkraftwerkes der Welt in die letzte Phase.

          Die Heimat von mehr als einer Million Menschen versinkt seit Sonntag in den Fluten des Jangtse-Stromes: Die ersten Schleusentore des Drei-Schluchten-Dammes wurden geschlossen, damit Chinas mächtigster Strom einen riesigen Stausee bilden kann. Mit der Stauung des Jangtse in Zentralchina begann die Schlußphase des Baus des größten Wasserkraftwerkes der Welt, das zu 70 Prozent fertig ist und im Jahr 2009 vollendet sein soll. Der erste Strom soll im August aus dem Werk fließen. Das gigantische Projekt ist wegen der Umsiedlung, aber auch wegen der hohen Kosten, der befürchteten Umweltschäden und Wasserverschmutzung heftig umstritten. Sorge bereitet zudem eine mögliche Verschlickung des Reservoirs.

          Neun Jahre nach dem Baubeginn des Staudamms wurden am Sonntag 19 der 22 Durchflußröhren an der Unterseite des Dammes geschlossen. Der Wasserpegel stieg danach zunächst um 28 Meter. Bis Mitte Juni soll er auf 135 Meter über dem Meeresspiegel ansteigen. Der Damm hat derzeit eine Höhe von 140 Metern, nach seiner Fertigstellung soll er 185 Meter hoch sein und sich das Wasser bis auf 175 Meter Höhe aufstauen.

          660 Kilometer langer künstlicher See

          Das gigantische Wasserreservoir bildet einen 660 Kilometer langen künstlichen See zwischen Sandouping in der Provinz Hubei und der Metropole Chongqing. Mehr als 720.000 Menschen mußten ihre Heimat verlassen und sind aus den tiefer liegenden Gebieten umgesiedelt worden. Weitere 400.000 Menschen müssen noch folgen.

          Das ambitionierte Projekt beginnt am Sonntag - ein riesiger Stausee entsteht

          Kopfzerbrechen bereitet Ingenieuren die mögliche Verschlickung des Reservoirs. „Das Problem mit dem Schlamm wird nicht so schnell gelöst werden“, sagte Prof. Zhang Ren, der früher an der Qinghua-Universität in Peking lehrte. Schätzungsweise 530.000 Tonnen Schlamm führt der Jangtse-Strom jährlich. Um die Erosion zu verringern, werden am Oberlauf Bäume gepflanzt. Auch ist der Bau mehrerer Stauseen geplant, wo sich der Schlamm absetzen soll, bevor er die drei Schluchten erreicht. Doch brauchen diese Programme noch bis zu zehn Jahre. „Wir sind zuversichtlich, das Problem der Verschlickung durch umfassende Maßnahmen zu lösen, aber es wird einige Zeit dauern und könnte sich sogar als dauerhafter Prozeß erweisen“, sagte der Chefingenieur des Drei-Schluchten-Projektes, Zheng Shouren, der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Bis zu einer Lösung des Problems muß der Schlamm direkt am Damm immer wieder durch die 22 Abflusskanäle abgelassen werden.

          Wenigher Kohle verbrauchen durch Wasserkraft

          Im August sollen die ersten Turbinen Strom produzieren. Wenn im Oktober zwei weitere Turbinen folgen, können dieses Jahr schon 5,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Bei seiner Fertigstellung im Jahr 2009 wird das Kraftwerk 26 Turbinen mit einer Kapazität von 18,2 Millionen Kilowatt haben. Das soll nach Angaben von Befürwortern des Projekts die Verbrennung von 50 Millionen Tonnen Kohle im Jahr unnötig machen.

          Neben der Stromproduktion soll der Damm auch die Hochwassergefahr verringern und die Navigation der Schiffe verbessern. Mitte Juni beginnt der Probebetrieb in der 6,4 Kilometer langen Schiffsschleuse, mit der die Schiffe den Höhenunterschied bewältigen.

          Der mehr als 20 Milliarden Euro teure und 185 Meter hohe Damm war 1993 nur mit deutlichem Widerstand im Volkskongreß gebilligt worden.

          Da nach der Stauung des Jangtse-Stromes 632 Quadratkilometer überflutet werden, gehen auch viele archäologisch wertvolle Stätten verloren. Mehr als 7.000 Experten und Mitarbeiter versuchen in einem Rennen gegen die Zeit, die Kulturschätze zu retten. In dem Gebiet liegen Ausgrabungsstätten von der Steinzeit bis hin zu Kulturstätten der Qing Dynastie (1644-1911).

          Weitere Themen

          Ansturm auf Area 51 wird zur Party Video-Seite öffnen

          Keine Aliens gesichtet : Ansturm auf Area 51 wird zur Party

          Auf Facebook wurde zum Sturm auf die Area 51 aufgerufen. „They can’t stop all of us“ – Sie können uns nicht alle aufhalten, das war dabei der Plan. Millionen hatten das Event angeklickt. Passiert ist jedoch wenig. Die „Naruto-Runner“ und Alien-Befreier wollten sich dann wohl doch nicht auf eine Auseinandersetzung mit den Sicherheitsleuten der Militärbasis einlassen.

          „Man kann nicht jung bleiben“

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Pendler auf der London Bridge

          Mobilität : Wie London die Verkehrsflut meistert

          Die größte Stadt Europas baut ihr Bahnnetz aus und nutzt Big-Data-Analysen, um die U-Bahn zu verbessern. Ein anderes Verkehrsmittel soll hingegen aus der City verbannt werden – und das schon diesen Sonntag.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          „Je suis climate“: Eine junge Frau protestiert fürs Klima.

          Bei Klimaprotesten : Ausschreitungen und Festnahmen in Paris

          Zerschlagene Fensterscheiben, brennende E-Scooter, geplünderte Geschäfte: In Paris haben sich Gewaltbereite unter Klimademonstranten gemischt und sich Gefechte mit der Polizei geliefert. Auch etliche „Gelbwesten“ zogen durch die Stadt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.