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Britische Gartenkunst : Gärtnern mit Mut und Verstand

  • -Aktualisiert am

Beeindruckend: Mit ihrem Kiesgarten hat Beht Chatto gezeigt, was auch an einem trockenen Standort möglich ist Bild: Ina Sperl

Ihre Art der Gartengestaltung prägte eine ganze Generation, an seinem extravaganten Stil schieden sich die Geister. Die beiden Briten Beth Chatto und Christopher Lloyd haben eine eigene Philosophie des Gärtnern kreiert.

          Die hohen Eichen sind viele Jahrzehnte alt und bilden ein lichtes Laubdach. Unten am Boden wachsen Waldlilien und zarte Elfenblumen, Sterndolden und Purpurglöckchen. Im Frühling leuchten die Kaiserkronen, im Herbst heben sich die schlanken Rispen der Silberkerzen vor dem umgebenden Dickicht ab. Im „Waldgarten“ von Beth Chatto blüht trotz des dichten Schattens das ganze Jahr über etwas. Im „Wassergarten“, einer Reihe von Teichen, auf die die Gärtnerin von ihrem Wohnzimmerfenster aus blickt, entfaltet das Mammutblatt sein riesiges Laub. Dort blüht violetter Wasserdost neben dem Schilf, und Sumpfzypressen heben ihre holzigen Knie aus dem Erdreich. Am spektakulärsten ist jedoch der Kiesgarten: Bizarre Elfenbeindisteln buhlen um Aufmerksamkeit neben kräftigen Yucca, robuste Bergenien stehen neben feinblütigem Meerkohl, gelbe Königskerzen leuchten vor tiefblauen Schmucklilien.

          Was hier wächst, kommt mit Trockenheit zurecht. Denn bewässert wird nicht, obwohl der Garten im Dorf Elmstead Market, in der Grafschaft Essex, liegt - einer der trockensten Regionen Großbritanniens. Hier fallen weniger als 50 Zentimeter Regen im Jahr. Was 1991 als Experiment auf einer problematischen, verdichteten Fläche begann, hat sich über die Jahre zum ökologischen Vorzeigeobjekt entwickelt. Denn der Kiesgarten beweist: An jedem Standort kann etwas wachsen - solange die richtigen Pflanzen ausgewählt werden. „Right plant, right place“, ist Beth Chattos Philosophie.

          Richtige Pflanzenverwendung als neue Art zu gärtnern

          Die Engländerin, die im Juni 90 Jahre alt wird, gilt als Grande Dame der Gartenkunst. In Zeiten, als dreifach gefüllte Rosen und hochgezüchtete Dahlien in den Hausgärten wuchsen, suchte sie Wildformen und setzte sie an die passenden, der Natur entsprechenden Standorte. Die Idee war nicht neu, schon der Ire William Robinson forderte im 19. Jahrhundert Ähnliches, und auch in Deutschland machte man sich Gedanken über die richtige Pflanzenverwendung. Nirgends aber wurde diese Art zu gärtnern so beachtet wie bei Beth Chatto, die mit ihrer Leidenschaft so viele Menschen ansteckte. Fast alle jungen britischen Gärtner und Gartendesigner sehen sich heute in ihrer Tradition.

          Ihr Wissen bezog Chatto, die ihren Garten in den 1960er Jahren anlegte, aus den Studien ihres Mannes Andrew. Er war Obstfarmer, seine Leidenschaft galt jedoch der Botanik, er erforschte die Herkunft von Pflanzen. Als Autodidaktin und Frau der Tat setzte sie die Kenntnisse auf ihrem Grundstück um. Sie öffnete auch eine Gärtnerei für „ungewöhnliche Pflanzen“, und in den 1970er Jahren brachten ihr Ausstellungen bei der Chelsea Flower Show in London Goldmedaillen ein. Beth Chatto erhielt eine Ehrendoktorwürde, Prince Charles verlieh ihr den Verdienstorden „Order of the British Empire“ (OBE).

          Wiesen voller Leidenschaft und Farbe

          Zwei Stunden dauert eine Autofahrt von Elmstead Market nach Northiam. Dort, in East Sussex, liegt Great Dixter, ein mittelalterliches Herrenhaus mit umgebendem Garten. Schon am Eingangstor fällt auf, dass hier etwas anders ist als in anderen englischen Gärten: Neben dem Plattenweg, wo feinster Rasen zu erwarten wäre, ist: Wiese. Bunt gesprenkelt mit violettem Knabenkraut, blauen Hasenglöckchen und Butterblumen.

          Wiesen waren eine der großen Leidenschaften Christopher Lloyds, des Pflanzenkenners, Kolumnisten und Buchautors, der hier gegärtnert hat. Wo möglich, ersetzte er Rasen durch eine bunte Artenvielfalt. Auch seine Rabatten, am bekanntesten die 90 Meter lange „Long Border“, strotzten vor Farben.

          Lloyd pflanzte, wie es ihm gefiel, und scherte sich nicht um Konventionen. Orangefarbene Tulpen neben grüner Wolfsmilch, gelbe Königskerzen vor einer lila Clematis - warum nicht? Er gab leuchtenden Kontrasten den Vorzug, als noch zarte Pastelltöne en vogue waren. Einen Aufschrei der Empörung provozierte er in der internationalen Gartenszene, als er seinen 80 Jahre alten Rosengarten umgrub und in einen Exotischen Garten mit feurigen Dahlien, Bananenstauden und dunkelrotem Rizinus verwandelte.

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