https://www.faz.net/-gum-zs9g

Braunes Fell, graue Schnauze : Wenn es doch bloß ein Bär wär'

  • -Aktualisiert am

Keine Gefahr: Braunbär im Freigehege Bild: ddp

Hat Deutschland erneut einen Problembären? Wieder wollen Waldbesucher im hessischen Lahn-Dill-Kreis am Wochenende einen Bären gesichtet haben. „Der Bär hat mir direkt in die Augen gesehen“, berichtet ein Jogger. Die Polizei hat die Spurensuche aufgenommen.

          3 Min.

          Ist in Hessen der Bär los? Zwei Zeugen, die nach Angaben der Polizei glaubwürdig sind, wollen am Sonntag im Dillenburger Stadtteil Nanzenbach einen Bären gesehen haben. Schon vor zwei Wochen hatten verschiedene Zeugen im Lahn-Dill-Kreis berichtet, einen Bären wahrgenommen zu haben.

          Indes war der Thüringer Bärenfachmann Uwe Lagemann aus einem Bärenwohnheim bei Worbis im Eichsfeld nach Mittelhessen gereist, um dort Klarheit zu schaffen. Lagemann untersuchte Losung (Tierkot), welche am Aufenthaltsort des angeblichen Bären gefunden worden war. Er stellte fest, dass es sich zweifelsfrei um die Losung von Schwarzwild und nicht um die Hinterlassenschaft eines Bären handelte. Tatzenspuren, die Lagemann ebenfalls inspizieren wollte, waren als Folge der Witterung nicht mehr zu erkennen.

          Pelztier oder Hirngespinst?

          Nun ist die Polizei so ratlos wie zuvor: Sie schenke den Zeugen Glauben, dass sie tatsächlich gesehen haben, was sie beschrieben haben, aber es gebe bisher keinen greifbaren Hinweis auf die Existenz eines Bären.

          Problembär - präpariert im Münchener Museum
          Problembär - präpariert im Münchener Museum : Bild: dpa

          Die Polizei in Dillenburg teilte auf Anfrage mit, dass sich am vergangenen Sonntag gegen 17 Uhr ein Jogger gemeldet habe. Er wolle während seines Laufs einen Bären gesehen haben, der in der Wiese unter Obstbäumen gelegen habe. Als der Jogger den Bären in etwa 20 Meter Entfernung passierte, sei das Tier laut brummend aufgesprungen und habe sich entfernt.

          Braunes Fell, graue Schnauze

          Es sei etwas größer gewesen als ein Schäferhund. Sein Fell sei braun und seine Schnauze grau gewesen. Dem Hessischen Rundfunk sagte der Jogger, Jochen Walter, er habe dem Tier direkt in die Augen gesehen. „Das ist der Bär, das gibt es gar nicht“ sei sein erster Gedanke gewesen, sagte der Jogger der Radiostation. Er habe Angst bekommen und sei schnell weggelaufen. Dann habe er die Polizei alarmiert.

          Die Polizei stellte am Ruheplatz des aufgescheuchten Tieres fest, dass das Gras niedergetrampelt war. Es sei erkennbar von einem Tier niedergetreten worden. Menschen, die auf der Wiese zum Beispiel Obst pflückten, hinterließen andere Spuren. Auf der Wiese lagen abgebrochene Äste unter Apfelbäumen. Im Erdreich fanden sich „Tatzeneindrücke“ und Losung. Ein Förster, den die Polizei hinzugerufen hatte, konnte diese Spuren keinem heimischen Tier zuordnen.

          Viele Kontakte - kein Beweis

          Am selben Tag um 21.26 Uhr sei es zu einem „neuen Kontakt“ eines Menschen mit dem Tier gekommen. Eine Frau meldete der Polizei, sie habe in etwa 600 Meter Entfernung von der ersten Beobachtungsstelle einen Bären gesehen. Das Tier habe sich in der Nähe einer Baumgrenze aufgehalten. Die Zeugin sagte, sie habe das Tier aus etwa 120 Meter Entfernung gesehen.

          Schon am 5. Juli hatte ein Kind in Dietzhölztal-Mandeln gesagt, einen Bären gesehen zu haben. Die Mutter des Kindes berichtete später von auffälligen Kratzspuren an einer Fichte. Am 6. Juli - es war ebenfalls ein Sonntag - war die Polizei im Lahn-Dill-Kreis zu einem großen Einsatz ausgerückt, weil ein Bär in Eschenburg im Norden des Kreises gesehen worden sein soll. Eine Spaziergängerin hatte das Tier gesehen und die Polizei verständigt. Auch diese Zeugin, die ihre Hunde ausführte, galt als glaubwürdig. Die Polizisten und Jäger suchten das Tier selbst mit Hilfe eines Hubschraubers vergebens.

          Ein „bäriges Knurren“

          Am 11. Juli berichtete ein 73 Jahre alter Mann der Polizei, er habe in Dillenburg-Nanzenbach den Bären gehört. Er sei morgens gegen 3:45 Uhr am Ende der Goldbachstraße zu Fuß unterwegs gewesen, als er in etwa 20 Meter Entfernung ein „bäriges Knurren“ und dann ein Fauchen wahrgenommen habe. Die Polizei suchte das Areal mehrfach vergebens nach dem Tier ab.

          Sollte es sich tatsächlich um einen Bären handeln, ist noch nicht klar, was mit diesem geschehen würde. Als „Bruno“ durch Bayern streifte, bis er erlegt wurde, hatte Hessens Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel (CDU) gesagt, in Hessen wäre Bruno wohl nicht geschossen worden. Dass es sich bei dem Tier im Lahn-Dill-Kreis um einen Wildbären handeln sollte, wie es einst Bruno einer war, gilt unter Fachleuten als weitgehend ausgeschlossen, denn der Bär hätte seinen Weg aus dem Süden - über die Alpen - oder weit aus dem Osten bis in die Mitte Deutschlands nehmen müssen.

          Kein Bär vermisst

          Es ist unwahrscheinlich, dass er auf diesem langen Marsch nicht von Menschen bemerkt worden wäre. Es ist aber auch nicht bekannt, dass in der Nähe des mutmaßlichen Bären Beutetiere von diesem gerissen worden wären. Schließlich ergaben die Nachfragen bei Wildgehegen und Schaustellern, dass keine Tiere vermisst wurden. Sollte das Tier aber illegal gehalten worden sein, war seine Existenz den Behörden zuvor also nicht bekannt. Dann dürfte der Halter auch kein Interesse daran haben, das Fehlen des Tieres den Behörden zu melden. Wildbären, sagen Fachleute, haben eine natürliche Scheu vor dem Menschen und nehmen Reißauß. Sollte das Tier aber an Menschen gewöhnt sein und nicht das Weite suchen, wenn diese sich nähern, dann könnte es gefährlich werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          
              Die Zeit am Rebstock ist vorbei:   Ein Erntehelfer erntet reife Trauben von einer Weinrebe.

          Neues Weingesetz : Krach im Weinberg

          Das neue Weingesetz ist beschlossen, der Streit unter den Winzern geht weiter. Die Genossenschaften treten aus dem Deutschen Weinbauverband aus. Es geht auch um die Frage: Was definiert die Qualität?

          Besuch in Flutgebieten : Laschet erlebt die Wut

          Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen besucht Orte, die hart von der Flut getroffen wurden. Da entlädt sich der Ärger von Betroffenen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.