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Brasilianischer Regenwald : Fabriken anpflanzen

  • -Aktualisiert am

Der Regenwald fällt Feuer und Rodung zum Opfer Bild: AP

Industrie und Natur sind nicht unvereinbar: Eine Fabrik in Brasilien kämpft erbittert um die Überreste des Regenwaldes und bietet mit sozialen Projekten Kindern eine Zukunft.

          5 Min.

          Auf einer weiten Fläche ragen verkohlte Baumstämme in den Himmel. Über das ausgedorrte Terrain verstreut stehen ein paar Häuser, zwischen denen Rinder Nahrung suchen. Rauchfahnen weisen den Weg zu Köhler-öfen, die still vor sich hin schmauchen.

          Eine gespenstische Landschaft, aber das Schlimmste hat sie hinter sich. Die wertvollsten Bäume sind schon vor langem gefällt und in den Sägewerken verarbeitet worden. Dann kam das Feuer. Die Gegend bei Tucurui im brasilianischen Bundesstaat Para war einmal von üppig wucherndem tropischen Regenwald bedeckt.

          Der Mensch hat das Ökosystem in der Region radikal verändert. In dem Gebiet 350 Kilometer südlich von Belem, der Hauptstadt von Para, wurde nicht nur Regenwald in großem Umfang vernichtet. Durch vielfältige andere Eingriffe ist die Landschaft bis zur Unkenntlichkeit umgestaltet worden.

          Kahle Landschaft am Wasserkraftwerk von Tucuruí

          Industrie in großem Ausmaß

          Das 1984 in Betrieb genommene Wasserkraftwerk von Tucurui, eine Anlage pharaonischen Ausmaßes, geplant in den Zeiten der Militärdiktatur, hat weite Gebiete überschwemmt. Mit der in Tucurui erzeugten elektrischen Energie werden Hunderte von Orten in drei brasilianischen Bundesstaaten versorgt.

          Das Elektrizitätswerk zog Industrie an, die große Mengen an elektrischer Energie verbraucht. In der Nachbarschaft hat sich eine große Fabrik etabliert, die einen in der Gegend reichlich vorhandenen Rohstoff verarbeitet: Sie gewinnt aus Flußquartz Siliziummetall.

          Die Siliziumschmelze des Unternehmens Camargo Correa Metais (CCM) ist ein fauchendes Ungetüm, in dessen Innerem die Hochöfen Tag für Tag überdies tonnenweise Holzkohle verschlingen. Der Betrieb produziert Siliziumgrundstoffe, aus denen Komponenten für die Elektronikindustrie, Silikonwerkstoffe bis hin zu medizinischen Transplantaten und Aluminiumprodukte hergestellt werden. Die deutsche Industrie ist einer der wichtigsten Abnehmer.

          Industrie nimmt Naturschutz ernst

          Der Bedarf an Holz für die Holzkohle in der Siliziumschmelze ist so groß, daß bei unbekümmertem Kahlschlag der Wald in der gesamten Gegend buchstäblich verfeuert worden wäre. Das Unternehmen kam jedoch erst nach dem Sündenfall der Zerstörung des Primärwaldes in das Gebiet.

          Inzwischen hat es sich sogar zu einem der erbittertsten Verteidiger der wenigen Reste des Regenwaldes in der Region entwickelt und ist überdies zu einem sozialen Auffangnetz für viele Bewohner der Region geworden.

          In dem Schmelzwerk von Breu Branco wird der Rauch mit einem aufwendigen Verfahren gefiltert. Solche Sensibilität der Umwelt gegenüber ist in Brasilien schon ungewöhnlich genug.

          Vor allem wurde jedoch ein originelles System eingeführt, um das Holz für die Hochöfen ohne Belastung für den noch bestehenden Regenwaldbestand zu produzieren: Auf Flächen, die schon gerodet und verödet waren, werden rasch wachsende Eukalyptusbäume angepflanzt und nach einem Wachstumszyklus von etwa sechs Jahren abgeholzt, zu Holzkohle verarbeitet und in den Hochöfen verbraucht.

          Die 39.000 Hektar Primärwald, die auf den mittlerweile dem Unternehmen gehörenden Flächen noch vorhanden waren, stehen unter strenger Kontrolle. Die Firma nimmt den Naturschutz auf diesen Arealen ernster als die Regierung, sie beschäftigt Fachleute, die Gendatenbanken mit Proben der im Regenwald heimischen Pflanzen betreuen und Forschungen anstellen.

          Nordosten größte Problemzone

          „Der Druck auf den Amazonas-Urwald kommt von Nordosten“, erklärt der Finanzverwaltungsdirektor des Unternehmens, Elstor Paulo Frey, und zeigt auf eine Karte, auf der die größten Lücken im Amazonas-Regenwald in der nordöstlichen Ecke der gewaltigsten zusammenhängenden tropischen Urwaldregion der Erde zu erkennen sind. Das Gebiet ist deckungsgleich mit großen Teilen des Bundesstaates Para.

          Der „Nordeste“ Brasiliens leidet periodisch unter großer Trockenheit, viele Einwohner des zu den ärmsten Zonen des Landes zählenden Landstrichs wandern entweder in die Megastädte und tragen zur Übervölkerung der Elendsquartiere, der Favelas in Rio de Janeiro oder Sao Paulo bei, oder sie ziehen in die Amazonas-Urwaldgebiete.

          Als bei Tucurui der zentrale Teil des Staudamms gebaut wurde, fanden bis zu 50.000 Arbeiter, meist aus dem Nordosten Brasiliens, eine Zeitlang ein gutes Auskommen. Derzeit, während einer neuen Ausbauphase, sind nur noch etwa 6.000 beschäftigt.

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