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Botanische Gärten in Singapur : Die Bäume der Welt für den Garten am Meer

Der Eintritt in den Garten ist frei. Die Planer rechnen mit rund fünf Millionen Besuchern im Jahr - das sind so viele, wie die Stadt Einwohner hat. Sie bekommen Außergewöhnliches geboten. Die Planer sind rund um die Erde geflogen, um sich inspirieren zu lassen. "Auch der Palmengarten in Frankfurt hat uns Anstöße gegeben", sagt Tan. Für gut 30.000 Dollar hat er in China unter anderem eine 500 Jahre alte Kamelie eingekauft, die vor Jahrhunderten aus Japan importiert worden war. "Wenn solch eine Pflanze zum Verkauf steht, erfahren Sie davon nur über ein Netzwerk, über jahrelange Beziehungen." Auch die Steine, die den Garten schmücken und für Chinesen großen symbolischen Wert haben, stammen aus China: "Wir haben sie nach den Olympischen Spielen 2008 preiswert in Peking bekommen."

260.000 Pflanzen unter Glas

Aus Senegal stammt ein 34-Tonnen-Baum, der in eines der beiden Gewächshäuser gepflanzt wurde: Für die ist allerdings Eintrittsgeld fällig. Die Besucher erleben dann aber eine neue Atmosphäre in der Äquatorstadt: Die Glashäuser werden heruntergekühlt auf 20 Grad, Blüteperioden sollen künstlich durch Temperaturschwankungen eingeleitet werden, und die Tropenluft wird entfeuchtet. So können die Gäste die gut 260.000 Pflanzen unter Glas bestaunen - und die Jahreszeiten kennenlernen, die es am Äquator nicht gibt.

Dafür zeichnet unter anderem Christian Oberdorf verantwortlich. Er ist Projektleiter des Ingenieurbüros Transsolar in München, das sich auf Klimakonzepte konzentriert und Prototypen in Singapur baute. "Gewächshäuser in den Tropen zu bauen, die das ganze Jahr gekühlt werden müssen, ist schon eine ungewöhnliche Aufgabe", sagt Oberdorf. "So etwas gab es auf der Welt noch nicht. Immerhin überspannen die Glasdächer der Gewächshäuser eine Fläche von zwei Hektar. Sie sollten energieeffizient sein, Licht für die Pflanzen zulassen und zugleich den Besuchern ein angenehmes Klima bieten."

Deshalb bauten die Münchner in einem anderen Park zunächst sechs kleinere Gewächshäuser, um Glassysteme und Lüftungen auszuprobieren. Das jetzt verwendete Glas lässt 66 Prozent der Tropensonne durch, aber nur 33 Prozent der Hitze. Zugleich wollten die Gartenbauer neue Standards für nachhaltige Energieversorgung setzen. Das passt politisch ins Bild, weil Singapur zu einer grünen Metropole werden will.  

Eröffnung im Juni 2012 

Die riesigen Glashäuser werden dank einer Biomasse-Anlage im Untergeschoss gekühlt, die mit dem organischen Abfall des Gartens gespeist wird. Rohre mit gekühltem Wasser laufen unter den Beeten und sorgen für eine niedrige Temperatur. Zugleich wird der Tropenluft unter den Glasdächern die Feuchtigkeit entzogen. "Unsere Biomasse-Anlage ist so kraftvoll, dass wir gar nicht alle von ihr gelieferte Energie nutzen", sagt Andrew Grant von Grant Associates, die als Landschaftsarchitekten den südlichen Garten konzipiert haben.

Die Besucher werden von den Anlagen im Keller nichts zu sehen bekommen. Dafür bestaunen sie den 35 Meter hohen Wasserfall, der in einem der beiden Häuser entspringt. Vor der Tür fallen bis zu 50 Meter hohe künstliche Bäume auf. An den 18 Stahlriesen wachsen 163.000 Hängepflanzen, die aus mehr als 200 Arten ausgewählt wurden. Ihr wahrer Zweck aber bleibt verborgen: In den "Supertrees" befinden sich unter anderem die Abluftkamine der Gewächshäuser, sie bieten den Gartenfreunden aber auch Schatten vor der Tropensonne auf den mehr als sieben Kilometern durch den Hauptgarten.

Noch arbeiten gut 10.000 Menschen auf der Baustelle. Eröffnen werden die Gärten im Juni 2012. Doch schon in diesem Monat, zum Internationalen Orchideenfestival, wird eines der großen Gewächshäuser geöffnet. "Wir sind vorbereitet, hier ist alles angewachsen", sagt Dalzell. Als wollte er seine Standfestigkeit prüfen, legt er die Hand dabei auf einen Olivenbaum. "Der ist mehr als 1000 Jahre alt. Wir haben ihn aus Italien."

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