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Bewässerung der Felder : Mit der Motorpumpe statt mit dem Eimer

In Indien übernehmen bereits bei 50 Prozent der Bauern Wasserpumpen die Arbeit der Bewässerung der Felder Bild: AFP

Hunderte Millionen Bauern bewässern ihre Felder noch von Hand. Eine Studie zeigt, dass ein wenig Technik die Ernten deutlich verbessern könnte.

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          Wasser ist in vielen Regionen knapp. Und selbst dort, wo es vorhanden ist, haben Bauern oft nicht die Möglichkeiten, ihre Feldern damit gewinnbringend zu bewässern. Dadurch wird die Lage von Hunderten Millionen Menschen besonders im Süden Asiens und im Süden Afrikas unnötig verschlimmert.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum Thema Wasser und Ernährungssicherheit („Water for wealth and food security“) vom „AgWater Solutions Project“, an der unter anderem das International Water Management Institute aus Colombo in Sri Lanka beteiligt war. Die Untersuchung, an der vier Jahre lang gearbeitet wurde, ist von der Bill & Melinda Gates Stiftung finanziert worden. Angesichts der ständig steigenden Lebensmittelpreise, des Klimawandels und einer Dürreperiode in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten plädieren die Autoren dafür, vor allem Kleinbauern beim Wassermanagement zu unterstützen und zum Beispiel in Motorpumpen zur Felderbewässerung zu investieren. Dadurch könnten die Ernten um bis zu 300 Prozent größer ausfallen.

          Mangel an Wasser schafft geringe Produktivität

          Die meisten Ärmsten der Armen leben im Süden Asiens und im Süden Afrikas. Die Ernährung von etwa der Hälfte dieser 1,7 Milliarden Menschen gilt als nicht gesichert. Das bedeutet, dass sie nicht ausreichend Nahrung zur Verfügung haben, um ein gesundes Leben führen zu können. Ihre Zahl hat sich zum Beispiel im Süden Afrikas zwischen 1980 und 2010 von 125auf 240Millionen nahezu verdoppelt. Da rund 70 Prozent der Ärmsten in ländlichen Regionen leben, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in der Landwirtschaft zu arbeiten. Die Produktivität aber ist besonders gering, was vor allem mit einem Mangel an Wasser zu tun hat, sei es, weil die Bauern einen schlechten Zugang zu Wasser haben oder nicht wissen, das wenige Wasser gut einzusetzen.

          Der Bericht führt aus, dass noch immer mehr als 80Prozent der Bauern im Süden Afrikas ihre Felder mit Eimern und Kannen bewässern. Das Wasser schöpfen sie meist aus Flüssen und Brunnen. In Ghana sind es 70Prozent, in Äthiopien, Sambia und Burkina Faso rund 85Prozent, in Tansania sogar 91Prozent. Allerdings werden inzwischen in Tansania auch 70000 Motorpumpen verwendet, ihre Zahl steigt derzeit jährlich um 7000. In Äthiopien wurden alleine in den vergangenen zehn Jahren 400000 Pumpen ins Land gebracht. So schätzen die Autoren der Studie, dass im Süden Afrikas mittlerweile mehr als fünf Millionen bäuerliche Kleinbetriebe Wassermanagement betreiben.

          Enorme Entwicklungsmöglichkeiten

          In Indien übernehmen Motorpumpen, die Kleinbauern gehören, schon 50 Prozent der Feldbewässerung. Eine Motorpumpe, mit der ein bis zwei Hektar Land bewässert werden können, kostet im Süden Afrikas weniger als 250 Dollar. Von Hand betriebene Pumpen für die Bewässerung von 0,2 Hektar kosten zwischen 50 und 100 Dollar.

          Die Entwicklungsmöglichkeiten im Süden Afrikas sind enorm. Alleine vom Anlegen einer Vielzahl zusätzlicher Wasserreservoire - etwa durch Dämme oder Regenwasserteiche auf den Farmen - könnten 369 Millionen Menschen profitieren. Dieser Fortschritt würde Erlöse von 20Milliarden Dollar jährlich bringen. Besonders gute Erfahrungen mit Regenwasserteichen haben Bauern im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh gemacht. Unterstützt vom „AgWater Solutions Project“ haben dort inzwischen mehr als 5000 Kleinbauern einen 1780 Quadratmeter großen und 2,20 Meter tiefen Teich angelegt, der für die Bewässerung eines zwei Hektar großen Feldes ausreicht. Die Kosten von 2600 Dollar für solch ein Wasserreservoir auf ihrer Farm hätten die Bauern allerdings alleine nicht aufbringen können.

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