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Baumpflege : In der Krone der Schöpfung

  • -Aktualisiert am

Vor der Behandlung betrachtet Frank den Baum und sein Umfeld ganz genau Bild: Frank Röth

Was früher Gärtner erledigten, übernimmt heute der „European Tree Worker“. Er analysiert den Zustand eines kranken Baumes und behandelt ihn anschließend professionell. Mit Motorsäge, Kletterseil und physikalischen Berechnungen.

          Fast 300 Jahre alt sind die Kenneleichen am Rande von Kaiserslautern und nun im besten Rentenalter: nicht mehr ganz vital, aber auch noch kein Pflegefall. Eine der Eichen, direkt an der Straße, kränkelt jedoch, viele Äste sind abgestorben. Das sieht zwar romantisch aus. Aber was, wenn das Holz eines Tages herunterfällt? Unter dem Baum ist ein Biergarten, da hat die Stadt als Eigentümer des Naturdenkmals eine Sicherungspflicht.

          „Wenn ein Baum in der Natur steht, darf er einfach Baum sein“, sagt Baumpfleger Fabian Frank. „Der braucht uns nicht, der schneidet sich selbst. Der einzige Grund, warum es Baumpfleger gibt: weil aufgrund der räumlichen Enge ziemlich viele Bäume und ziemlich viele Menschen aufeinandertreffen.“ Sobald jemandem etwas auf den Kopf fallen könnte, besteht rechtlich gesehen Handlungsbedarf.

          Visual Tree Assessment oder die Körpersprache des Baumes

          Kurz war sogar im Gespräch, den Baum zu fällen. Aber das muss nicht sein, findet Frank, der Standfestigkeit und Gesundheit der Eiche prüfen und schauen soll, was zu tun ist. Zuerst sieht er sich die Körpersprache des Baumes an – „Visual Tree Assessment“ oder Baumansprache heißt das fachlich korrekt. Fabian Frank geht um den Baum herum und sucht nach Merkmalen, die Hinweise auf Gesundheit und Stabilität geben.

          Fabian Frank begutachtet den Gesundheitszustand einer Eiche

          Wie viel Zuwachs wo gebildet wird, verrät die Borke: In den Furchen sieht man frische, noch nicht bemooste Rinde, oder auch nicht, wenn der Baum sich kaum entwickelt. Bäume spüren Zug und Druck und reagieren mit ihrem Wachstum. Fäulnis erkennt man an Stauchungen: Wenn die Stabilität nachlässt und der Ast zu schwer zum Tragen wird, bilden sich Falten und Wellen in der Achsel.

          Viel verrät auch schon das Umfeld. Der Grund für den schlechten Zustand des Baums sind vor allem Straßenbauarbeiten, die Verletzungen an den Wurzeln verursacht haben. Baumaschinen sorgen für unsaubere Schnitte, durch die Pilzsporen eindringen können und die Holzzellen zersetzen. Der Baum kann sich dagegen schützen: „Die Eiche hat einen eingebauten Holzschutz, nämlich Gerbsäure. Daher ist das Holz so beständig.“ Und deshalb spürt man die Auswirkungen solcher Verletzungen oft erst Jahrzehnte später.

          Nährstoffmangel und Vitalitätsverlust

          Das Totholz in der Krone geht auf Schädigungen in den sechziger oder siebziger Jahren zurück. „Und es kann sein, dass an einer daumendicken Wurzel die Bodenfläche einer Doppelgarage hängt.“ Wenn dann der Schadpilz arbeitet, fällt eine Fläche nach der nächsten aus, und die Blätter werden nicht ausreichend mit Wasser versorgt. Fallen die Blätter ab, bildet der Baum nicht mehr genug Nährstoffe. „Er kann weniger gut Holz anbauen“, erklärt Frank. „Er kann aber auch weniger gut Wunden verschließen, verliert also an Vitalität.“

          Auch frühere Rückschnitte in der Krone sind der Eiche nicht bekommen. An den schlecht verheilten Schnittstellen kam es zu Weißfäule, die das Holz aufweicht. Um sich zu schützen, baut der Baum im Holz eine „barrier zone“ auf. Durch die festen Ablagerungen kann die Fäule nicht weiter wachsen. „Das Kernholz ist zwar verloren, aber für den Baum ist das egal“, sagt Frank. „Weder für seine direkte biologische Funktion, also Wassertransport in die Krone und Nährstofftransport in die Wurzel, braucht er den inneren Holzbereich, noch für seine Standsicherheit.“

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