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Baumpflege : In der Krone der Schöpfung

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Stattdessen ging es zurück zu den Bäumen und auf die Walz: im Auto schlafen, durch Europa fahren, Klettern lernen, Bäume schneiden. „Für mich ist die Vermittlung wichtig. Ich bin manchmal eine halbe Stunde beim Kunden. Die müssen wissen, warum ich das mache. Die müssen ihren Baum verstehen.“ Und warum er zum Beispiel den Baum nicht einfach irgendwo kappen möchte. Die Kunden, die Bäume, das Klettern – das macht für Frank den Reiz an seiner Arbeit aus. „Ich liebe meinen Job. Aber ich habe in meiner Wohnung keine Grünpflanze, weil ich zu Hause kein Grün mehr sehen kann.“

Die Ausbildung zum Tree Worker ist noch recht jung, aber Baumpflege gab es schon immer. „Die Dorflinden wurden immer von ihren Bewohnern gehegt und gepflegt“, sagt Frank. Erst in der Zeit der Industrialisierung war plötzlich alles im Weg, viele alte Bäume wurden gefällt. In den Weltkriegen war es nicht besser, Bäume wurden weggebombt oder zu Brennholz verarbeitet. Naturdenkmäler haben sich vor allem abseits der Städte erhalten, in Dörfern oder auf freiem Feld.

Radikale Maßnahmen zur Baumsanierung

In den sechziger und siebziger Jahren waren Bäume vor allem Schmuckwerk und wurden oft auf zu kleine Pflanzflächen gesetzt. Straßen wurden repariert, dabei Wurzeln beschädigt. Oder es wurde zu viel des Guten getan, etwa mit der Baumchirurgie, die mit radikalen Maßnahmen Bäume sanierte: Wundstellen wurden großflächig ausgefräst, verplombt oder sogar ausgegossen und mit wachsartigem Holzschutz eingepinselt. Dadurch entsteht vor allem ein Biotop für Pilze und Bakterien. Mit den Folgen kämpfen die Baumpfleger bis heute.

Erst Anfang der achtziger Jahre kam man mit der „Neuen Baumpflege“ zu der Erkenntnis, dass Bäume sich selbst helfen können und sich mit den Barrier Zones gegen Fäulnis abschotten. „Man soll einfach die Finger weglassen und den Baum nur in seiner Statik unterstützen“, sagt Frank. Und vernünftig schneiden.

Die Klimabedingungen für Schädlinge wie Pilze sind gut

Die Kenneleichen in Kaiserslautern haben zwei Weltkriege, Industrialisierung, bayerische und französische Herrschaft, Napoleonische Kriege und den Spanischen Erbfolgekrieg durchgestanden und dabei einen Stamm ausgebildet, den zwei Menschen nicht umfassen können. Unter optimalen Bedingungen können einige Baumarten, Linden oder Eichen, älter als tausend Jahre werden.

In Deutschland ist das eher schwierig, denn die Klimabedingungen für Schädlinge wie Pilze sind zu gut. Jeder Baum hat einen Lebenszyklus, der ist nicht unendlich. „Wir Baumpfleger sind da zerstritten. Wir sind, obwohl ich den Vergleich nicht mag, darin wie Ärzte“, sagt Frank. „Man sollte einen Baum auch in Würde sterben lassen. Oder, wenn er eine Gefahr ist, irgendwann einmal fällen, und nicht ständig intensivmedizinisch betreuen und um jeden Preis erhalten.“

Die Kenneleiche kann in Würde altern

Die Kenneleiche bekommt einen normalen Rückschnitt, das sind sechs Stunden Arbeit, und sie kann in Würde altern. „Das ist wie ein älterer Herr, der hat zwar ein paar Schmerzen, er ist vielleicht am Krückstock unterwegs, aber er kann noch rausgehen und hat noch ein lebenswertes Leben. Das ist für mich wichtig. Man kann viel machen, aber man sollte nie alle Möglichkeiten ausreizen.“

Es gibt aber auch Sonderfälle, etwa die über die 600 Jahre alte Bartek-Eiche, ein Naturdenkmal in Polen. Da sei es berechtigt, den Baum so lange wie möglich zu erhalten, meint Frank – und eine Bogenkonstruktion zu bauen, an denen die Äste wie Marionetten hängen, um den Stamm zu entlasten.

Gegen zwei Uhr sind die Arbeiten fast abgeschlossen. Der Häcksler wird von einem weiteren Kollegen Franks mit kleineren Ästen gefüttert, die Schnitzel fliegen seitlich ins Gebüsch. Die großen Stücke werden als Brennholz verwendet und aufgeschichtet. Die Kenneleiche sieht gerupft aus, aber sie wird die kahlen Bereiche bald schließen. Sie hat jetzt beste Voraussetzungen, sich zu erholen und den Biergarten noch lange zu beschatten – ohne dass jemandem etwas auf den Kopf fällt.

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