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Baumpflege : In der Krone der Schöpfung

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Wichtig ist eine dünne Wachstumsschicht direkt unter der Rinde, das Kambium: Nach außen bildet es Bast, nach innen Holz. Darunter befindet sich das Splintholz, darin laufen die Leitungsbahnen wie ein Bündel Strohhalme. Oben verdunstet die Feuchtigkeit und saugt dadurch das Wasser nach. Das Kernholz hat dagegen keine unmittelbar lebensnotwendige Funktion. „Dort können überschüssige Nährstoffe für schlechte Zeiten eingelagert werden.“

Die Spezialisten sind sich uneinig

Was früher Gärtner erledigten, übernehmen heute immer häufiger Spezialisten wie Fabian Frank. Etwa 500 „European Tree Worker“ gibt es in Deutschland. Die Spezialisten sind sich nicht immer einig, wie Bäume richtig untersucht werden. „Es gibt die Bohrer und die Zieher“, sagt Frank. Die eine Gruppe bohrt den Baum an und prüft seine Statik nur anhand der Fäulnis in seinem Inneren, der Restwandstärke. „Nach diesen Regeln würde ich wetten, dass ich den Baum fällen müsste“, sagt Frank. Die Zieher meinen, das sei egal, es zähle nur, wie sich der Baum unter Last verhält: Kronenfläche, c/w-Wert, Neigung und Dehnung werden gemessen und berechnet. Anhand eines Katalogs lässt sich daraus die Standfestigkeit bestimmen.

Die Kenneleiche hat also Glück, nicht an einen Bohrer geraten zu sein, sondern an Fabian Frank, der noch einige Pläne für ihre Zukunft hat. „Jetzt holen wir das tote Holz heraus und reduzieren den Baum gleichzeitig etwas, weil er die dünnen Äste nicht versorgen kann.“ Das würde der Baum früher oder später selbst tun, aber der Baumpfleger macht’s schonender: „Einen kleinen Schnitt kann der Baum besser verheilen als einen riesigen Ausriss im Stamm.“

Er hat schon Baumbesetzer von Robin Wood ausgebildet

Es muss also so viel wie nötig weggeschnitten werden, um die Standfestigkeit zu gewährleisten, gleichzeitig so wenig wie möglich, damit der Baum sich mit seiner grünen Blattmasse noch gut versorgen kann. Wasserschosse, die quer durch die Krone schießen, werden ebenso herausgenommen wie einzelne sehr dichte Äste. Dann werden die Spitzen eingekürzt, um die Äste zu entlasten, damit nichts bricht.

Fabian Franks Kollege fühlt sich am wohlsten, wenn er oben im Korb des Hubsteigers steht. Er bearbeitet die Stämmlinge, bis zu 30 Zentimeter dick, die dumpf auf dem Boden aufschlagen. Oben in der Krone wiederum ist Frank gefragt: Er wirft Seile über Astgabeln, schnallt sich einen Gürtel mit Arbeitsgerät um, auch eine Kettensäge hängt daran, und begibt sich selbst in den Baum. So erreicht er, halb schwingend, halb kletternd, auch dichte Kronen direkt am Stamm. Viele Baumpfleger können Seilklettern, Frank bietet selbst Kurse an. Er hat schon Baumbesetzer von Robin Wood ausgebildet – und in der Woche darauf dann Polizisten, um Baumbesetzer wieder herunterzuholen.

„Ich bin gar nicht so doof mit der Motorsäge“

Im Jahr 2002, mit 20 Jahren, hat Frank sein Gewerbe angemeldet. „Ich wurde schon ganz früh angefixt.“ Als Zwölfjähriger verdiente er sich sein erstes Taschengeld damit, einem Baumschneider beim Häckseln zu helfen. „Dann war mal ein kleinerer Baum zu schneiden, und es stellte sich heraus, dass ich gar nicht so doof bin mit der Motorsäge.“ Es folgte eine Lehre als Forstwirt und die Einsicht, doch lieber nicht Förster werden zu wollen.

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