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Artenschutz : Ist der Mensch beschlagen, freut sich der Elefant

  • -Aktualisiert am

In Südafrika gibt es viele seiner Art - auch dank eines relativ guten Bildungssystems. Bild: dpa

Wer Elefanten helfen möchte, sollte in das Bildungssystem und die Wirtschaft der afrikanischen Staaten investieren, in denen sie leben. Das zeigt eine aktuelle Studie zum Zusammenhang von Bildung und Artenschutz.

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          Im Dorf Kawaza im Norden Sambias drücken die Kinder die Schulbank - und wenige Kilometer weiter im South-Luangwa-Nationalpark baden unmittelbar am Nsefu Camp einige Elefanten in einem Wasserloch, das eher einem Schlammbad gleicht. Auf den ersten Blick gibt es zwischen den beiden Szenen keinen Zusammenhang. Aber Wissenschaftler haben nun eine enge Verbindung zwischen den Schulen in Afrika und dem Wohlergehen der Elefanten ausgemacht.

          Fred de Boer von der Universität im niederländischen Wageningen, Iain Douglas Hamilton vom „Save the Elephant Trust“ in Nairobi und ihre Kollegen haben für ihre Studie (“Biological Conservation“, Band 159, Seite 468) Daten zusammengetragen, die das Leben der Elefanten heute beeinflussen. Dazu gehören neben natürlichen Zusammenhängen auch die Menschen und ihre Welt. Die Wissenschaftler fütterten ihre Computerprogramme also nicht nur mit Informationen darüber, wie viel Nahrung und Wasser Elefanten finden - sondern auch mit Zahlen zur Bevölkerungsdichte der Menschen, zur Lebenserwartung, dem Pro-Kopf-Einkommen, der Größe der Viehherden, der Korruption und dem Bildungssystem.

          Bildung tut Elefanten gut

          Am Ende spuckten die Rechner das kaum überraschende Ergebnis aus, dass in Regionen mit vielen Menschen nur wenige Elefanten leben, in dünnbesiedelten Gegenden dagegen viel mehr. Außerdem sind eine gute Bildung, eine solide Wirtschaft und wenig Korruption nicht nur für menschliche Gesellschaften gut - sie helfen langfristig auch Elefanten, die besonders dort leben, wo die Entwicklung Afrikas gute Fortschritte macht.

          Wer die Lage der Elefanten in Afrika verbessern will, sollte also die wirtschaftliche und soziale Situation der Menschen im Auge behalten und in das Bildungssystem investieren, schließen die Forscher aus ihren Ergebnissen. Genau das haben Robin und Jo Pope in Sambia getan. Das Ehepaar hat mit einem Teil seiner Gewinne aus dem Safari-Tourismus im South-Luangwa-Nationalpark die staatliche Schule in Kawaza unterstützt und ausgebaut. Safari-Gäste werden um Spenden für die Dorfschule gebeten.

          „Zwar benötigen Elefanten weitere Voraussetzungen wie natürliche Korridore, über die sie in andere Regionen mit mehr Vegetation wandern können, wenn in ihrer Heimat das Futter knapp wird, weil es zum Beispiel seit Monaten nicht mehr geregnet hat“, sagt Christof Schenck, der Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). „Die Zusammenhänge zwischen sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung sowie dem Bildungssystem mit der Zahl der Elefanten scheinen aber plausibel“, meint der Biologe.

          In vielen afrikanischen Ländern blüht die Wilderei

          Das zeigt sich in Ländern wie Namibia, Botswana und Südafrika, in denen Wirtschaft, Gesellschaft und Bildungswesen besser als in etlichen anderen Staaten Afrikas funktionieren, während die Korruption ziemlich gering ist. Dort gibt es viele Elefanten und andere große Tiere. Ganz anders sieht die Situation in den Krisenländern des Kontinents aus, in denen die gesellschaftlichen Strukturen zusammenbrechen, die Korruption blüht und Wilderei im großen Stil ermöglicht. Dadurch brechen nicht nur die Elefantenbestände zusammen, sondern verschwinden auch Nashörner und andere Arten.

          Christof Schenck warnt aber davor, sich nur auf ein gutes Bildungssystem und eine florierende Wirtschaft zum Schutz der Elefanten zu verlassen. „Das wirkt nur langfristig“, meint er. „Nashörner und Elefanten sind aber aktuell massiv unter Druck.“ Hintergrund ist die Wirtschaftsblüte in Asien, die vielen Menschen in China, Thailand und Vietnam einen gewissen Wohlstand gebracht hat. Sie stecken ihn unter anderem in Luxusgüter in Form von Elfenbein oder Nashornpulver. So steigt die Nachfrage. In vielen Ländern Afrikas wird daher gewildert wie selten zuvor, weil sich mit geschmuggeltem Elfenbein viel Geld verdienen lässt. „Nur wenn wir massiv gegen den Schmuggel von Elfenbein und Nashörnern vorgehen und die Wilderei mit allen Mitteln bekämpfen“, sagt Schenck, „können Bildungswesen und positive gesellschaftliche Entwicklungen langfristig zu hohen Elefantenzahlen führen.“

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