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Artenschutz : Island führt kommerziellen Walfang wieder ein

  • Aktualisiert am

Umweltschützer werfen Island „Rechtsbruch” vor Bild: AP

Weil die Zwergwal-Population im Nordatlantik wächst und angeblich Fischbestände bedroht, will Island wieder Wale jagen - zu kommerziellen Zwecken. Artenschutzexperten halten die Begründung für „wissenschaftlich nicht belegbar“.

          Island hat mit der Entscheidung für eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs internationale Kritik ausgelöst. „Die Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht der internationalen Gemeinschaft und steht im Gegensatz zu den intensiven Anstrengungen, Wale zu schützen“, sagte der wissenschaftliche Leiter der internationalen Gesellschaft für Wal- und Delphinschutz (WDCS), Mark Simmonds, am Mittwoch. „Es ist traurig, daß nun auch Finnwale im Nordatlantik wieder bejagt werden.“

          Island hatte am Dienstag angekündigt, zusätzlich zum als wissenschaftlich deklarierten Walfang die kommerzielle Jagd auf Zwerg- und Finnwale wieder aufzunehmen. Wie Nachbar Norwegen argumentiert Island, wachsende Zwergwal-Populationen bedrohten die Fischbestände im Nordatlantik.

          WWF wirft Island „Rechtsbruch“ vor

          Neuseelands Umweltminister Chris Carter stellte die isländische Begründung in Frage. „Aber selbst wenn das so wäre, sind die Methoden zur Tötung der Finnwale erschreckend grausam.“ Es sei äußerst bedauerlich, daß Island sich weigere zu sagen, wie lange es vom Abschuß der Harpune bis zum Tod des Tieres dauere.

          Die Umweltstiftung WWF warf Island einen „Rechtsbruch“ vor. Das isländische Argument, Zwergwale bedrohten die Fischbestände im Nordatlantik, wies der WWF-Artenschutzexperte Volker Homes zurück: „Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich nicht belegbar.“

          Island sieht sich nicht an das Verbot gebunden

          Der Finnwal gehöre zu den stark gefährdeten Arten, sagte Homes. Nur Japan mache bisher noch Jagd auf bedrohte Arten. Homes betonte, daß die Verwertung des Walfleischs ungeklärt sei: „Man weiß nicht, wohin mit dem ganzen Fleisch.“ Das meiste werde wieder zurück ins Meer gekippt.

          Auch der Internationale Tierschutzfonds IFAW kritisierte die Entscheidung. „Unbegreiflich, daß die kleine Inselrepublik den Protest fast der gesamten Welt ignoriert“, sagte der Leiter des deutschen Büros, Ralf Sonntag. „Nur wenige Isländer essen überhaupt Walfleisch ­ nach einer Gallup-Umfrage des IFAW sind es gerade 1,1 Prozent der Bevölkerung von 300.000.“

          Ein Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) aus dem Jahr 1986 verbietet die kommerzielle Jagd, erlaubt aber Walfang für die Wissenschaft. Island war jedoch nur unter Vorbehalten der IWC beigetreten und sieht sich daher wie Norwegen nicht an das Verbot gebunden. Das IWC-Sekretariat in Cambridge lehnte eine Stellungnahme „wegen mangelnder Hintergrundinformationen“ ab.

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