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Amazonas : Dürre im Regenwald

  • -Aktualisiert am

Trockenheit im Amazonasgebiet: Selten war es so schlimm Bild: AP

Die Abholzung der brasilianischen Regenwälder hat Rekordniveau erreicht - und das Amazonasgebiet leidet unter den verheerenden Folgen: Es herrscht die schwerste Trockenheitsperiode seit vierzig Jahren.

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          Das brasilianische Amazonasgebiet hat die schwerste Trockenheitsperiode seit vierzig Jahren hinter sich. Die Flüsse Solimoes und Rio Negro, die in Manaus zum Amazonas werden, steigen allmählich wieder auf ihr gewöhnliches Niveau. Während des regenarmen Sommers war ein Tiefstwasserstand von nur 1,32 Metern registriert worden, an manchen Stellen zehn bis zwölf Meter unter dem mittleren Niveau. Die jahreszeitlichen Schwankungen des Wasserstandes folgen einem normalen und natürlichen Zyklus. Doch diesmal war die Trockenzeit extrem: Zuflüsse und Seen trockneten aus; Orte blieben ohne Trinkwasser; Einwohner, die sich auf den Wasserstraßen des Amazonas im Boot fortbewegen, waren von der Außenwelt abgeschnitten; teils mußten die Streitkräfte die Bevölkerung mit Trinkwasser, Lebensmitteln und Medikamenten versorgen. Nach Regierungsangaben waren von der Katastrophe 167.000 Personen direkt in Mitleidenschaft gezogen, 32.000 Familien in 914 Gemeinden, in denen der Notstand ausgerufen worden war. Indirekt hat vermutlich eine halbe Million Menschen unter den Folgen der Dürre zu leiden.

          Zum dritten Mal innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist es damit zu einer derart verheerenden Dürreperiode im regenreichsten Gebiet der Erde gekommen. Im Jahr 1995 waren 1,70 Wassertiefststand gemessen worden, 1997 sogar nur 1,43 Meter. Zum ersten Mal werden nun die extremen Trockenperioden mit globalen Klima-Erscheinungen in unmittelbare Beziehung gebracht. Bei einem Kongreß in Lima brachte die französische Klimaforscherin Josyane Ronchail den Mangel an Regen vor kurzem in Zusammenhang mit der seit Jahren zu beobachtenden stetigen Erwärmung des Wassers im Nordatlantik und folglich mit der in diesem Jahr ungewöhnlichen Häufung extrem kräftiger tropischer Wirbelstürme. Es gebe, so meinte die Forscherin, eine gewisse "Kohärenz" zwischen dem, was in der Karibik und am Amazonas geschah.

          Viele Seen sind fast vollständig ausgetrocknet

          Während sich an den Flußläufen des Amazonas die Lage allmählich wieder normalisiert, sind die Folgen der Trockenheit an den Seen, die keine natürlichen Zuflüsse haben, erst jetzt richtig zu spüren. Einige dieser Seen, vor allem im Gebiet nördlich von Manaus, sind fast vollständig ausgetrocknet. Für die Bevölkerung ist das verheerend, weil der Fischreichtum der Gewässer ihre Lebensgrundlage darstellt. Zahllose Fische seien verendet, und deshalb sei auch die natürliche Vermehrung der Fische gestört, berichtet Marcelo Crossa, Fischereifachmann vom Amazonas-Umweltforschungsinstitut (Ipam) in Santarem. Es werde mehrere Jahre dauern, bis sich die Bestände erholt haben.

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          Amazonas : Dürre im Regenwald

          Die Nationalregierung habe den Ernst der Lage erkannt und Hilfe versprochen, bekräftigt Crossa. Mit dem Bau von Brunnen soll die Wasserversorgung verbessert werden. Um künftig das Trockenfallen von Seen zu verhindern, sollen bestimmte Kanäle geschlossen und andere geöffnet werden, damit sich die Seen wieder rascher mit Wasser füllen können. Crossa befürchtet allerdings, daß sich die Dürreperioden in den nächsten Jahren in rascherer Folge wiederholen und jeweils noch verheerender ausfallen könnten, denn zu den Einflüssen des globalen Klimas tritt die hausgemachte Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes, die unaufhaltsam voranschreitet.

          Abholzung der Wälder auf Rekordniveau

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