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„Agrarcomputertage 2008“ : Der digitalisierte Bauernhof

  • -Aktualisiert am

Kühe werden schon lange nicht mehr vom Bauern gemolken, sondern von einem Melkroboter Bild: dpa

Mit GPS-Traktoren und Melk-Robotern zeigen die Agrar-Computertage in Alsfeld, wie moderne Landwirtschaft aussieht. Städter wundern sich über den Fortschritt im Kuhstall. Doch der Bauer blickt schon längst durch sein „elektronisches Stallfenster“.

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          Auch Tiere lieben Technik. Immer mehr Kühe vertrauen sich einem Melkroboter an, und der geht auf ihre Wünsche ein. Er melkt, wenn es im Euter drückt. Geht die Kuh zum Melkstand, läuft das Reinigungsprogramm an. Rotierende Bürsten putzen die Zitzen. Die Massage stimuliert den Milchfluss. Der Laserstrahl ermittelt, wo die Zitze wartet, dann werden die Zitzenbecher automatisch übergefahren. Schon bei 60 Kühen im Stall lohnt sich die Anschaffung des Roboters. Samt Computer kostet er zwar mehr als 100.000 Euro, aber er erspart die Melker - und damit höhere Kosten.

          Der Bauernhof ist keine heile Welt mehr aus einer technikfernen Zeit, sondern längst ein digitalisiertes Hightechunternehmen. Das offenbarten die „Agrarcomputertage 2008“ am Wochenende in Alsfeld. Etwa 3000 Besucher kamen an die Stände der 62 Aussteller auf der einzigen Computermesse für die Landwirtschaft in Deutschland. Um die Kosten zu senken, nutzen die Landwirte nicht nur Melkroboter, sondern auch Elektronik, die mit Energie, Pflanzenschutzmitteln oder Dünger sparsam umgeht. Von der Ökonomie profitiert auch die Ökologie.

          GPS ist selbstverständlich

          Für Landwirte ist selbstverständlich, was Städter noch staunen lässt. Sie versorgen ihre Felder längst GPS-gesteuert. Wenn der Landwirt auf seinem Schlag möglichst gleichmäßig Saat ausbringen will, umfährt er ihn einmal mit dem Traktor, damit das Computersystem die Konturen erfasst. Ein weiteres Mal fährt er nur eine Längskante der Fläche ab. Wenn er dann noch die Arbeitsbreite des Geräts eingibt, errechnet der Computer die optimale Route. Der Traktor lenkt sich mit Hilfe der Satellitennavigation selbst und hält die Idealspur auf zwei Zentimeter genau ein. Der Fahrer kann sich in der klimatisierten Kabine ganz auf die Sämaschine, die Pflanzenschutzspritze oder den Düngerstreuer konzentrieren. So wird nur so viel Saatgut, Dünge- oder Pflanzenschutzmittel ausgebracht, wie es notwendig ist.

          Bei der Stickstoffdüngung messen optische Sensoren an der Vorderseite des Traktors den Ernährungszustand der Pflanzen. Um Kalium und Phosphat in der richtigen Dosis zu düngen, gibt der Landwirt das Ergebnis seiner Bodenproben in den Rechner ein, und ein EDV-Programm erstellt eine Düngekarte, die der Traktor wiederum GPS-gesteuert abfährt. Der Einsatz dieser Lenksysteme spart etwa fünf Prozent der Kosten von 700 Euro je Hektar, die der Landwirt für Pflanzenschutz, Düngung, Kraftstoff, Maschinenverschleiß und Arbeitszeit rechnen muss. Die Technik mindert die Ausgaben also um etwa 35 Euro je Hektar.

          Das „elektronische Stallfenster“

          Wann das ideale Wetter herrscht, um zu säen oder zu düngen - das erfährt der Landwirt über Wetterinformationen für die Landwirtschaft im Internet. Da DSL-Datenleitungen oft nicht aufs Land hinausreichen, errichten die Bauern ihre W-Lan-Netze mit Richtfunkanlagen, oder sie nutzen die Satellitentechnik. So können sie ihre Neuzugänge im Tierbestand an die zentrale Tierdatenbank melden, oder sie erhalten die aktuellen Marktdaten, um ihren Brokern an den Handelsplätzen die richtige Order geben zu können.

          Oft genug bauen die Landwirte ihre neuen Stallungen nicht mehr auf ihrem Hof mitten im Dorf, denn dort wohnen immer Städter und Nichtbauern, die kein Verständnis für das natürliche Odeur der Tiere oder deren Quieken und Brüllen haben. Aber selbst wenn die Ställe weit vor dem Dorf stehen - der Landwirt ist per Videokamera bei seinen Tieren. Er blickt zu ihnen durch das „elektronische Stallfenster“. Der alte Hof indes wird zum Postkartenidyll umgebaut und via Internet angeboten. In Alsfeld findet die Landfrau das Tool für das passende Marketing und die Gestaltung ihrer Website für „Ferien am Bauernhof“. Die Möglichkeit zur Onlinebuchung ist das Mindeste, was die Gäste von der heilen Welt am Dorf erwarten.

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