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Umwelt : Mühevolle Bergungsarbeiten vor den Galapagos-Inseln

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Die Bergung des Tankers „Jessica” gestaltet sich schwierig. Bild: dpa

Die Rettungskräfte haben Mühe, den vor den Galapagos-Inseln gestrandeten Tanker „Jessica“ zu bergen. Hunderte von Helfern setzen unterdessen die Reinigung ölverschmierter Tiere und der Strände fort.

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          Der vor den Galapagos-Inseln havarierte Öltanker „Jessica“ lässt sich nur mühevoll bergen. Starker Seegang verhinderte am Donnerstag (Ortszeit) die Bemühungen der Bergungskräfte, das Wrack des Tankers abzuschleppen, der vor der Insel San Cristóbal gestrandet war. Am Vortag waren sechs Seeleute verletzt worden, als eine besonders hohe Welle gegen den Rumpf des bereits halb gesunkenen Schiffes brandete.

          Der größte Teil der ursprünglich 900 000 Liter Diesel und schweren Heizöls an Bord waren in den vergangenen Tagen durch mehrere Lecks ins Meer gelangt. Nur wegen günstiger Winde war ein größere Katastrophe ausgeblieben. Dennoch wurde Öl an die Strände von vier Inseln gespült. Ein kleinerer Öl-Teppich bedroht die Insel Espanola, schrieb die Zeitung „Comercio“ (Quito). Das Öl habe die Sandbank „Banco Ruso“ zwischen den Inseln Espanola und Floreana erreicht, teilte Washington Tapia vom Nationalpark mit. Dort solle die klebrige Masse von Hand eingesammelt werden, um Espanola und Floreana zu schützen.

          Auf der Insel leben Albatrosse, Seelöwen, Meeresechsen und auch Pinguine. Zuvor war Öl an den Strand der Bahia Tortuga auf der Insel Santa Cruz gespült worden. Dort gibt es Leguane, Seelöwen, Albatrosse, Pelikane und andere Seevögel. Freiwillige sammelten die klebrige Masse ein und bisher seien dort noch keine ölverschmierten Tiere gesichtet worden, berichtete der World Wide Fund for Nature (WWF).

          Ein ölverschmierter Pelikan wird von Helfern sauber gemacht.

          Erste Haftbefehle verhängt

          Ein Richter verhängte unterdessen Haftbefehl gegen einen ranghohen Vertreter der Ölgesellschaft, in deren Auftrag die „Jessica“ Heiz- und Dieselöl transportierte. Das mit 900.000 Litern Öl beladene Schiff war am Dienstag vor einer Woche auf Grund gelaufen und leckgeschlagen. Nun treibt ein 1200 Quadratkilometer großer Ölteppich im Meer um die Inselgruppe, die für ihre einzigartige Tier- und Pflanzenwelt weltberühmt ist. Der Richter Washington Ortega verhängte wegen mutmaßlichen „Umweltdeliktes“ und des dadurch entstandenen ökologischen Schadens Haftbefehl gegen einen führenden Vertreter der Ölgesellschaft Petrocomercial sowie gegen den Kapitän des Schiffs, Tarquino Arévalo. Zudem hätten Arévalo und seine Mannschaft mit der Ölverseuchung der Gewässer gegen Umweltschutzvorschriften verstoßen.

          Der 58-jährige Arevalo gestand seine Schuld an dem Unglück „ohne jede Einschränkung“ ein. Er habe eine Untiefenboje mit einem Leuchtfeuer verwechselt und sein Schiff deshalb außerhalb der Fahrrinne gesteuert. Er war am Mittwoch mit den 13 anderen Besatzungsmitgliedern festgenommen worden. Kurz darauf hatte er einen Schwächeanfall erlitten und musste auf der Krankenstation der Marinebasis behandelt werden. Die rund 2.000 Fischer der Galapagos-Inseln kündigten Schadensersatzforderungen in Höhe von insgesamt knapp 43 Millionen Mark an.

          Hunderte von Rettungshelfern reinigen ölverschmierte Tiere

          Hunderte von Rettungshelfern aus aller Welt beseitigten rund acht Tonnen Ölschlamm von den Stränden der südöstlichen Insel Santa Cruz. Mit Öl verklebt sind vor allem Robben und Seevögel wie Möwen, Albatrosse, Blaufuß-Tölpel und Pelikane. Die ecuadorianische Regierung hatte am Mittwoch erklärt, die Gefahr einer dauerhaften Schädigung des empfindlichen Ökosystems sei gebannt. Die etwa tausend Kilometer westlich der Küste von Ecuador gelegenen Galapagos-Inseln sind wegen ihrer einmaligen Pflanzen- und Tierwelt berühmt. Rund 90 Prozent der dort lebenden Reptilien, 46 Prozent der Insekten und etwa die Hälfte der Vogelarten sind nirgendwo anders in der Welt zu finden. 1978 erklärte die UNESCO das Archipel zum Weltnaturerbe.

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