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Umwelt : Jangtse-Tal droht zur Jauchegrube zu werden

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Müllkippen und Friedhöfe machen die Flutung des Yangtse-Tals zu einem unkalkulierbaren Risiko Bild: dpa

Leichen und Müllkippen pflastern den Lauf des Jangtse - eine Gefahr für das ehrgeizige Projekt des Drei-Schluchten-Damms.

          Chinas Drei-Schluchten-Staudamm droht zum Jahrhundertpfuhl zu werden. Doch diesmal sind nicht Korruption oder Schlamperei am Bau, sondern weit unappetitlichere Details der Grund. Was 2009 in dem gigantischen Wasserreservoir vor sich hindümpeln könnte, stinkt schon jetzt zum Himmel.

          Die aufgestauten Fluten des Jangtse werden ab 2003 in Müllgruben, über verseuchte Böden und unzählige Friedhöfe schwappen; von den bereits heute in den oberen Flusslauf eingeleiteten Abwässern und Abfällen ganz zu schweigen. Abhilfe könnte nur eine jahrelange Entgiftung der ganzen Region bringen. Genau das aber droht die ohnehin exorbitanten Kosten weiter in die Höhe schießen zu lassen. Die Buchhalter in Peking schreckt eine drohende Kostenexplosion.

          Planer kalkulierten bereits mit Stromverkauf

          "Wenn die Untersuchungen ergeben, dass die Dekontamination der zu flutenden Region noch nicht abgeschlossen ist, müssen wir die Flutung verschieben“, sagt der stellvertretende Direktor der China Development Corporation, Yang Ping. „Das würde teurer für uns.“ Denn für die letzte Bauphase des auf sechs Jahre veranschlagten Projekts kalkulieren die Planer bereits mit den Einnahmen aus dem Stromverkauf.

          2009 soll der künstliche See mit einer Länge von mehr als 600 Kilometern rund 200 Meter tief sein - seine Wasser sollten spätestens dann alle Bedenken hinweggespült haben. Die Debatte über den Sinn des ehrgeizigen Projekts dauert seit den frühen 90er Jahren an. Damals begannen die Planungen unter Federführung des ehemaligen Regierungschefs Li Peng.

          Trinkwasserreservoir über Gräbern und öffentlichen Toiletten?

          Doch ob der für 2003 vorgesehene Flutungsbeginn ohne weiteres eingehalten werden kann, wird immer mehr zu einer Frage des guten Geschmacks - schließlich sollen einmal Millionen Menschen mit Trinkwasser aus dem Staudamm versorgt werden. 178 Müllgruben, 300.000 Quadratmeter öffentliche Toiletten, 1.500 Schlachthöfe und 41.000 Gräber zählte ein Bericht des nahen Chongqinger Zentrums für die Kontrolle von Infektionskrankheiten in der betroffenen Region. Dazu kommen noch acht große Kriegsgräber aus dem Zweiten Weltkrieg.

          Die dort bestatteten ungezählten Soldaten sind nach einem Bericht der Zeitung „Southern Weekly“ am Milzbrand-Erreger zugrunde gegangen. Vor diesem Hintergrund wirken die 4,4 Milliarden Kubikmeter Abwässer, 6,7 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle und zehn Millionen Tonnen Industriemüll, die der Jangtse jährlich schlucken muss, beinahe harmlos.

          Fabrikabwässer im Oberlauf des JangtseYangtse

          Eine Studie verweist zudem auf rund hundert Papier-, Chemie- und Glasfabriken, die ungeklärte Abwässer in den Oberlauf leiteten. Teilweise seien die Wasserproben 15 Mal stärker verschmutzt als erlaubt. Eine kanadische Öko-Organisation warnte deshalb schon im vergangenen Jahr vor einer gigantischen Jauchegrube in Zentral-China.

          Wer in Peking vor solchen Zahlen die Augen nicht verschließt, weiß: Es kommt einer Herkulesaufgabe gleich, denn Zeitplan einzuhalten. Und sei es aus Angst um die Kraftwerke. „Wenn Abfälle in dem Reservoir zurückbleiben, könnte das den normalen Betrieb der Wasserkraftwerke beeinflussen“, warnte ein Mitarbeiter der staatlichen Umweltschutzbehörde.

          Erfolg unklar

          Yang hingegen ist optimistisch, dass der Zeitplan eingehalten werden und die Reinigung auch nach Beginn der Flutung bis zu ihrem vorläufigen Wasserstand von 135 Metern fortgesetzt werden kann. Eine andere Frage ist, ob die im vergangenen Jahr mit umgerechnet 482 Millionen Dollar (rund 550 Millionen Euro) finanzierten Säuberungen den gewünschten Erfolg zeitigen.

          Peking klotzt und plant am Reißbrett bis 2010 146 Kläranlagen und 161 Müllverarbeitungsanlagen am Ufer. Bei Ortsterminen sind die Behörden auf die Zusammenarbeit mit den Einwohnern angewiesen, die ihre Müllgruben am besten kennen. Von den mehr als 1,3 Millionen umzusiedelnden Menschen wurden jedoch viele schon voreilig aus dem Flutungsgebiet gebracht. Ihre Müllgruben und Friedhöfe sind geblieben.

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