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Umfrage : Diamonds are a girl's best friend

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Heimchen am Herd - Nein Danke Bild: dpa

Laut einer Emnid-Studie wollen die meisten Frauen finanziell unabhängig sein. Der Balanceakt zwischen Familie und Beruf fällt vielen aber nicht leicht.

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          „Diamonds are a girl's best friend“, trällerte einst Marilyn Monroe. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten repräsentativen Emnid-Meinungsstudie stimmen ihr bei dieser materiellen Sichtweise heute mehr Frauen zu als je zuvor.

          Es geht ihr nicht um die große Karriere und nicht um das große Geld - aber auf milde Gaben ihres Mannes will die Frau von heute auch nicht mehr angewiesen sein. 94 Prozent der Frauen in Deutschland bezeichnen die finanzielle Unabhängigkeit als wichtiges Lebensziel, nur 88 Prozent sagen dies dagegen über den Wunsch nach Kindern.

          Balance zwischen Familie und Beruf

          Zwar seien klassische Lebensentwürfe mit Familie und Kind weiterhin stark vertreten, erklärte der für die Studie „Frauen 2002“
          verantwortliche Emnid-Geschäftsführer Hartmut Scheffler. Doch angesichts hoher Scheidungsraten und einer steigenden weiblichen Lebenserwartung, sage fast jede Frau zwischen 20 und 60 Jahren mittlerweile: „Ich kann mich nicht mehr abhängig machen.“ Das spreche für eine klare „Nuancenverschiebung“ hin zu mehr Eigenständigkeit.

          Theoretisch stuft sich laut Emnid nur noch jede zehnte Deutsche als „Vollblut-Familienfrau“ ein - also als Heimchen am Herd. 52 Prozent der Frauen suchten stattdessen die Balance zwischen Beruf und Privatleben. Aber fast jede Dritte glaubt gleichzeitig, dass sich Karriere und Kinder in Deutschland nach wie vor nicht kombinieren lassen - und will das auch gar nicht. „Im Zweifelsfall“, sagt Meinungsforscher Scheffler, „entscheidet sich die Mehrheit dann eher für Familie und Partnerschaft.“

          Familienfeindliche Arbeitswelt

          "Frauen übernehmen eben immer noch automatisch die Verantwortung, wenn es darum geht, Familien und Beruf auszutarieren“, sagt Marina Rupp vom Familienforschungsinstitut der Universität Bamberg. Nicht selten stünden sich die Mütter dabei mit ihren eigenen Weltbildern im Weg. Sobald es um die Frage der Kindererziehung gehe, fühlten sich die Frauen „verpflichtet aus dem Job auszusteigen und bereit zu stehen“. An der Wirklichkeit in Deutschland habe sich letztlich weniger geändert als an den Wünschen der Frauen.

          Während der Deutsche Familienverband an Politik und Gesellschaft appelliert, die Betreuungsangebote für Kinder zu verbessern und den Frauen nach einer Erziehungsphase den Wiedereinstieg in die „tendenziell familienfeindlichen Arbeitswelt“ zu erleichtern, sieht Familienforscherin Rupp auch die deutschen Männer in der Pflicht: „Je mehr Männer auch mal eine Pause einlegen, desto weniger werden Job und Karriere ein rein weibliches Problem sein.“ Damit würden die Väter ihren Frauen „sehr viel erleichtern“.

          Die Sorgen des starken Geschlechts

          Diese Perspektive scheint indes so manchen Vater zu überfordern. Die Gewerkschaft ver.di verkündete jedenfalls am Mittwoch in Hessen die Einrichtung eines Sorgentelefons für Männer. Es ist für diejenigen Vertreter des „starken Geschlechts“ gedacht, die
          Beistand suchen beim Versuch, Beruf und Partnerschaft, Familie und Freizeit auf die Reihe zu kriegen. Gut ein Fünftel der deutschen Männer wolle sehr wohl aktivere Väter sein, sagt Projektleiter Walter Lochmann. Doch es gebe dabei oft Probleme mit dem Umfeld: Im schlimmsten Fall werde der aktive Vater als „unmännlich abgestempelt und ausgegrenzt“.

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