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Ukraine und Belarus : Die Natur leidet mit

  • -Aktualisiert am

Die Karpaten: In den riesigen Wäldern betreut die Zoologische Gesellschaft Frankfurt Naturschutzprojekte. Bild: Frankfurt Zoological Society

Auch die größte Population von Bären, Wölfen und Luchsen in Europa ist von den Kampfhandlungen in der Ukraine betroffen. In Belarus sieht es aus politischen Gründen nicht viel besser aus für den Natur- und Artenschutz.

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          Flussauen, Moore, Wälder: Aus der Luft erinnert das Polesie-Tiefland auf beiden Seiten der Grenze zwischen der Ukraine und Belarus zuweilen verblüffend an die Amazonas-Region. Am Boden zeigen seltene Arten wie Schelladler, Kampfläufer, Kiebitze und Uferschnepfen, dass in dieser Gegend eine große Artenvielfalt herrscht. Durch dieses Naturparadies stießen Ende Februar russische Truppen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew vor. Auch die Natur leidet unter dem Einsatz der Militärfahrzeuge, sogar in den fernab liegenden Karpaten, die zu einem großen Teil ebenfalls in der Ukraine liegen – und als Hotspots für sonst selten gewordene Arten wie Nerze, Luchse, Wölfe und Bären gelten.

          „Als ich vom Angriff russischer Truppen auf die Ukraine erfuhr, war ich völlig schockiert“, erinnert sich Michael Brombacher. Der Ökologe leitet das Europa-Referat der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), die nicht nur in den Savannen Afrikas und im Amazonas-Gebiet, sondern auch in Europa Schutzprojekte betreut. ­Seine größten Vorhaben treibt Brombacher in den Karpaten und in der Polesie in der Ukraine voran. Beide Gebiete sind von den Kampfhandlungen betroffen, direkt und indirekt: In der Region um den havarierten Kernreaktor Tschernobyl drangen russische Truppen durch die Polesie auf Kiew vor, sie griffen im Nordosten, Osten und Süden an, fast überall im Land gab es Luftangriffe. Mehrere Millionen Menschen flohen, 60.000 Personen erreichten die Siedlungen der Schutzgebiete im ukrainischen Teil der Karpaten.

          Viele dieser Binnenflüchtlinge konnten in Verwaltungsgebäuden und anderen Einrichtungen übernachten. Die Naturschutzarbeit war ohnehin am ersten Tag des Angriffs eingestellt worden. Nur fehlte es den Menschen dort an fast allem. Deshalb organisierte die ZGF mit ihrer rumänischen Partnerorganisation Fundația Conservation Carpathia (FCC) schon in den ersten Tagen einen Hilfstransport, der 3,5 Tonnen dringend benötigtes Material zu den Schutzsuchenden brachte: Schlaf­säcke, Matratzen, Lebensmittel. „Bei Handwerkern in der Ukraine haben wir auch Betten gekauft“, sagt Brombacher. Flüchtlingshilfe statt Naturschutz.

          Der Naturschutz hat einen relativ hohen Stellenwert in der Ukraine

          Allerdings soll auch der Naturschutz weitergehen. Schon Ende April wurden in den Karpaten wieder Bäume vermessen. Aus den Werten lässt sich etwa berechnen, welche Mengen des Klimagases Kohlen­dioxid die Wälder langfristig in ihrem Holz speichern und so den Klimawandel bremsen. In dieser Hinsicht sind die Karpaten wichtig, dort sind zehn Millionen Hektar von Wald bedeckt, eine Fläche von der Größe Islands. Sie ist Heimat für die größte Population von Bären, Wölfen und Luchsen in Europa. Der Gebirgswald ist in der Ukraine recht gut geschützt. „Dort waren zumindest bislang Einschläge in den langsam wachsenden Wäldern in Lagen über 1000 Metern verboten“, sagt Brombacher.

          Ohnehin hat der Naturschutz einen relativ hohen Stellenwert in dem Land. Kaum ein Präsident hat es bisher versäumt, in der Ukraine einen weiteren Nationalpark einzurichten. Der bisher letzte dieser Parks wurde im Januar 2022 in der Polesie gegründet. Diese Vorhaben wurden von der deutschen Bundesregierung unterstützt, in der Ukraine setzte die ZGF die Vorhaben gemeinsam mit einheimischen Partnern um. In den Karpaten wurden Ranger ausgebildet, es wurden Fahrzeuge mit geringem Spritverbrauch für Patrouillen angeschafft und Kamerafallen aufgebaut, die etwa den Bestand der in der Polesie lebenden Luchse ermitteln sollten.

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