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Ukraine : Flugschau-Katastrophe: Zahl der Toten steigt auf 83

  • Aktualisiert am

Die abgestürzte Su-27 explodierte am Boden Bild: AP Photo/APTN

Unter den Toten beim Flugschau-Unglück in der Ukraine sind 19 Kinder, teilten die Behörden in Kiew mit.

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          Die Ursache des Flugzeugabsturzes bei einer Luftfahrtschau in der Ukraine sind nach wie vor unklar. Fernsehbilder und Aussagen von Mitarbeitern des Flugzeugherstellers Suchoi deuten auf einen Triebwerkschaden in. Bei dem Absturz in der westukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg) sind am Samstag nach offiziellen Angaben mindestens 83 Menschen getötet worden, darunter 19 Kinder. Es gab 116 Verletzte. 23 Patienten befinden sich in kritischen Zustand. Das Unglück ist das schwerste bei einer Flugschau und erinnert in seiner Art an das Unglück im pfälzischen Ramstein 1988 mit 70 Toten.

          Fernsehbilder zeigten, wie der Kampfjet Suchoi Su-27 beim Tiefflug über die Piste des Flughafens Skniliw außer Kontrolle geriet und auf den Boden zustürzte. Als die Maschine daraufhin ins Trudeln geriet, retteten sich die beiden Piloten in letzter Sekunde mit dem Schleudersitz. Die beiden Piloten erlitten Wirbelsäulen-Verletzungen. Nach Angaben aus Militärkreisen galten die beiden Obristen als erfahrene und versierte Kampfflieger. Sie erklärten dem ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma, sie hätten die Tragödie nicht verhindern können, teilte eine Sprecherin des Präsidenten mit.

          Brennendes Kerosin

          Das führerlose Kampfflugzeug schlug mit den Tragflächenspitzen mehrere Räder über das Flugfeld, ehe es in die Menge stürzte und explodierte. Auf Fernsehbildern war zu erkennen, wie sich eine brennende Wolke von Kerosin über die Zuschauer ergoss.

          Unter den Verletzten sind viele Kinder
          Unter den Verletzten sind viele Kinder : Bild: AP Photo/NTV via APTN

          Die Flugschau war zum 60. Jahrestag der Gründung des 14. Korps der ukrainischen Luftwaffe organisiert worden. Lwiw feierte an diesem Samstag zudem den 58. Jahrestag der Befreiung durch die Rote Armee.

          War Triebwerkschaden schuld?

          Die ukrainische Regierung setzte umgehend einen Ausschuss zur Ermittlung der Unglücksursache ein. Ersten Anzeichen zufolge könne der Absturz durch den Ausfall eines der beiden Triebwerke ausgelöst worden sein, teilte das Verteidigungsministerium laut dem Internetdienst „gazeta.ru“ mit. Ein namentlich nicht genannter leitender Mitarbeiter der Suchoi-Werke hob in einem Gespräch mit der Agentur Interfax die „schweren technischen Missstände“ in der ukrainischen Luftwaffe hervor. Der Mann nannte einen Stillstand beider Motoren der Suchoi Su-27 als die wahrscheinlichste Ursache für das Unglück. Die Ukraine habe nicht genug Geld, um die komplizierte Technik der Kampfjets angemessen zu warten, erklärte er. Die langen Standzeiten der Flugzeuge kämen erschwerend hinzu. „Flugzeuge stehen monatelang auf dem Boden herum, und dies führt zu Kondensat-Bildung (in den Treibstofftanks), zur Oxidierung der Kontakte und zur Korrosion der Aggregate und Systeme,“ sagte der Suchoi-Mitarbeiter.

          Kutschma brach seinen Urlaub auf der Krimhalbinsel ab und begab sich zum Unglücksort. Sein russischer Kollege Wladimir Putin bekundete seine Anteilnahme, wie ein Kremlsprecher der Nachrichtenagentur Interfax sagte. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übermittelte Kutschma in einem Kondolenzschreiben sein Beileid. Auch Bundespräsident Johannes Rau sprach dem ukrainischen Präsidenten sein Mitgefühl aus. Ursache und Ausmaß der Katastrophe seien erschütternd, schrieb Rau in einem Beileidstelegramm.

          Erinnerungen an Ramstein

          Das Unglück vom Samstag erinnerte stark an die Flugschau-Katastrophe von Ramstein bei Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz. Damals, am 18. August 1988, war einer der Jets, eine Aermacchi MB399 italienischen Militär-Kunstflug-Staffel „Frecce Tricolori", nach einer Kollision mit zwei anderen Maschinen in der Luft in die Zuschauer-Menge abgestürzt und in einem Feuerball explodiert. Zahlreiche Menschen wurden sofort getötet. 450 Menschen trugen zum Teil schwerste Verletzungen davon, viele von ihnen leiden noch heute unter den Folgen. Das Unglück von Ramstein forderte insgesamt 70 Menschenleben.

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