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Überfordert mit der DSGVO : Müssen Kindergartenfotos geschwärzt werden?

  • Aktualisiert am

Bitte alle mal weggucken: Darf man die Kinder auf Erinnerungsfotos erkennen? Bild: dpa

Aus Angst vor einem Verstoß gegen die DSGVO schwärzten Erzieherinnen in einem Dormagner Kindergarten die Gesichter der Kleinen auf Erinnerungsfotos. Die Leitung ist auf der Suche nach einer anderen Lösung.

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          Bunt sind sie und mit Liebe gemacht, prall gefüllte Alben mit Fotos aus der Kindergartenzeit. Eigentlich. In einem Dormagener Kindergarten wollte man zwar auf diese beliebten Erinnerungskladden nicht verzichten. Andererseits hatten die Erzieherinnen auch Angst, gegen die neuen und strengeren Datenschutzregeln zu verstoßen. Deshalb zückten sie den Edding und schwärzten die meisten Kindergesichter auf den Fotos.

          Die „Neuß-Grevenbroicher Zeitung“ (NGZ) hatte berichtet, viele Eltern hätten sich über die geschwärzten Gesichter der spielenden Kindern geärgert und beschwert. Lediglich das jeweils eigene Kind sei auf den Fotos zu erkennen. Grund sei die neue Datenschutzgrundverordnung, zitiert die „NGZ“ den Pfarrer der Gemeinde St. Michael Dormagen-Süd, zu der die Kita gehört. Man habe „den sicheren Weg“ gewählt, um Klagen vorzubeugen.

          „Es ist juristisch ein hochsensibles Thema“, sagte die Leiterin der katholischen Kita dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Ich habe nur die Weisung des Trägers befolgt.“ Der Vorsitzende der Konferenz die Diözesan-Datenschutzbeauftragten, Andreas Mündelein erklärte: „Die Einrichtung hätte sich vorab von den Eltern eine Einwilligungsbescheinigung geben lassen können, um die Bilder für das Jahrbuch zu nutzen.“

          Eine Einwilligung bei der Anmeldung reicht wohl nicht

          Schön findet auch Pfarrer Peter Stelten die geschwärzten Mappen nicht, wie der Geistliche am Freitag dpa erklärte. Man suche deshalb schon nach einer anderen Lösung: „Wir erarbeiten gerade ein Regelwerk, dass wir nächstes Jahr schöne Mappen haben, die den Datenschutzbestimmungen standhalten und dem Bedürfnis der Eltern nach schönen Erinnerungsritualen entgegenkommen. Da werden keine geschwärzten Gesichter erscheinen.“

          Dazu müsse es aber eben ein Einwilligungsverfahren der Eltern geben. „Wie das genau aussehen wird, das weiß ich im Moment noch nicht.“ Stelten warb um Verständnis für den Kindergarten: Dort habe man angesichts der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nur auf Nummer sicher gehen wollen und deshalb die Gesichter der jeweils anderen Kinder auf den Fotos geschwärzt. Das Vorgehen hatte am Donnerstag bundesweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

          Welchen Anforderungen die Einwilligungen entsprechen müssten, sei noch unklar, sagte Stelten: „Drei Juristen, sechs Meinungen! Das macht uns im Moment richtig Probleme: Was gilt jetzt und was nicht?“ So reiche es möglicherweise nicht aus, bei der Anmeldung eines Kindes eine generelle Erlaubnis für die Weitergabe von Fotos einzuholen. Denn dazu verträten einige Juristen die Auffassung, die Eltern stünden in dieser Situation zu sehr unter Druck, weil sie unbedingt den Kindergartenplatz bekommen wollten. Stelten wies darauf hin, dass auch der Umgang mit Daten wie Adressen von Gemeindemitgliedern oder Messdienern mittlerweile hochkompliziert sei.

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