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Über Schottland : Zwei Boeing 747 von Lufthansa und British Airways beinahe kollidiert

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg über den Atlantik: Eine Boeing 747-400 in der Luft. Bild: picture alliance / Andreas Keuch

Ein Flugzeug von British Airways ist beinahe mit einer Maschine der Lufthansa zusammengestoßen, weil die Piloten eine Kollisionswarnung des Fluglotsen missverstanden und aufeinander Kurs nahmen. Erst als ein Pilot die andere Maschine vor sich sah, wich er aus.

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          Im Luftraum über Schottland ist ein Zusammenstoß zweier Jumbo-Jets auf 10000 Metern Höhe knapp verhindert worden. Das geht aus einem Bericht hervor, den das UK Airprox Board (Ukab) veröffentlicht hat. Der Vorfall ereignete sich am 23. Juni rund 50 Kilometer nördlich der Stadt Glasgow, wurde aber erst jetzt bekannt. Die beiden vierstrahligen Großraumflugzeuge vom Typ Boeing 747 flogen fast parallel zueinander, bewegten sich dabei aber leicht aufeinander zu, während die Besatzungen sich auf die Überquerung des Atlantiks vorbereiteten. Ein Fluglotse, der die nahende Kollision zu verhindern suchte, befahl der Maschine links auf dem Radar, nach links zu gieren, die zweite Maschine sollte nach rechts abdrehen. Trotz der Anweisung aber bewegten sich beide Flugzeuge in die jeweils entgegengesetzte Richtung und flogen weiter aufeinander zu.

          „Anscheinend haben beide Mannschaften die Anweisung der jeweils anderen befolgt“, heißt es im Ukab-Bericht, der hier als PDF heruntergeladen werden kann. „Allerdings ist nur schwer feststellbar, warum dies geschah.“ Das Gremium zeigte sich erstaunt darüber, „dass alle vier Piloten die Anweisungen missverstanden oder missinterpretiert haben, obwohl mindestens eine Crew sie korrekt wiedergegeben hat“. Als der Fluglotse den Befehl zum Ausweichmanöver gab, waren beide Flugzeuge noch 16 Kilometer voneinander entfernt. Eine Minute später betrug der Abstand nur noch knapp fünf Kilometer, während die Flugzeuge, die sich für gewöhnlich mit einer Reisegeschwindigkeit von etwa 910 Kilometern pro Stunde fortbewegen, weiter aufeinander zusteuerten. Der Höhenunterschied sank zeitweise auf weniger als 30 Meter, weil beide nach einer Anweisung der Flugsicherung, die vom Ukab scharf kritisiert wurde, auf der gleichen Flugfläche (340) unterwegs waren. Erst als ein Pilot das andere Flugzeug vor sich sah, zog er die Boeing nach oben.

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          „Alle modernen Luftfahrzeuge sind heute mit einem Kollisionswarnsystem ausgestattet, das Piloten vor einem Zusammenstoß warnt“, sagt Jörg Handwerg von der Pilotenvereinigung Cockpit. „Der Pilot muss aber auf diese Warnung reagieren.“ Das UK Airprox Board vermutet, dass die Crews durch die Vorbereitung auf den Transatlantikflug abgelenkt waren, weil sie zu dieser Zeit ihre Überflugfreigaben bekommen hätten. „Da die Piloten zu diesem Zeitpunkt lediglich Routine-Informationen erwarteten, waren sie von der Gefahrenlage überrascht und haben instinktiv korrekt geantwortet, ohne den entsprechenden Kurs einzuleiten“, schließt der Bericht aufgrund der Aussage eines Piloten. Auch die Verwechslung der Flugzeugkennung im Sprechfunk wird von den Experten ausgeschlossen.

          Anm. d. Red. vom 22. Oktober: Das UK Airprox Board, das „Near Misses“ im britischen Luftraum untersucht, teilte nicht mit, welche Fluglinien und Flugzeugtypen am Vorfall beteiligt waren. Nach Angaben des „Aviation Herald“ handelte es sich um bei der linken Maschine um eine Boeing 747-400 der British Airways (G-BNLM), die von London-Heathrow nach Vancouver unterwegs war, und bei der rechten Maschine um das neuere Modell 747-800 (D-ABYC) der Lufthansa auf der Strecke von Frankfurt nach Washington. Die Boeing 747-400 der British Airways kann bis zu 337 Passagiere befördern. In der 747-800 der Lufthansa gibt es Plätze für bis zu 363 Personen.

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