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Roms Unterwelt : Aqua Appia gegen Linie C

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Immer wieder kommt es bei den Bauarbeiten an der U-Bahn-Linie C zu Verzögerungen. Bild: Roberto Caccuri/Contrasto/laif

Roms Wasserversorgung war schon vor über 2000 Jahren eine architektonische Meisterleistung. Doch das älteste Aquädukt bereitet den Einwohnern der Ewigen Stadt gerade wenig Freude. Schuld daran ist der Bau einer U-Bahn-Linie.

          Geradezu allergisch reagieren die Bewohner Roms mittlerweile auf den nicht enden wollenden Bau der U-Bahn-Linie C. Seit zehn Jahren wird gebuddelt und gebaut, aber erst 21 von 30 Haltestellen sind fertig. Die Trasse wird zwar so tief ins Erdreich gelegt, dass die Reste der alten Römer ungestört darüber liegen bleiben sollten. Besonders alte Funde oder von vornherein unterirdisch angelegte Bauwerke aber liegen eben auch tiefer. Und so stießen die Bauleute Ende 2016 zwischen Kolosseum und Lateran 17,5 Meter unter dem Straßenniveau auf das älteste Aquädukt der Stadtgeschichte.

          Dieser Tage durften Neugierige den Fund erstmals besichtigen. Ein 32 Quadratmeter großes Loch gibt den Blick frei auf eine etwa zwei Meter hohe Mauer mit äußerst sanftem Gefälle in Richtung Stadtmitte. Sie besteht aus fünf Lagen grob geschlagenen und mit Zement vermauerten Tuffsteins. Darauf treffen sich je zwei kleinere fein geschlagene Tuffsteine, die in V-Form aneinanderstoßen und auf der gesamten Strecke überdacht waren. Früher war der so gebildete Kanal gewiss verputzt, um das Wasser sicher tragen zu können.

          Der Umstand, dass der Kanal unterirdisch gebaut wurde, war der erste Hinweis darauf, dass es sich mutmaßlich um das aus der Literatur bekannte Aquädukt aus der Zeit der Kriege gegen die Stämme aus Samnium von 343 bis 290 vor Christus südlich von Rom handeln musste. Damals war die Stadt oft bedroht, musste ihre Mauern schließen, brauchte aber von draußen Wasser, das man sicher nur unterirdisch herbeiführen konnte.

          Wasserversorgung für die Ewige Stadt

          Vom römischen Schriftsteller und Senator Sextus Julius Frontinus weiß man, dass 312 vor Christus zur Versorgung der Stadt ein 16 Kilometer langer Kanal gebaut werden musste, der an der Porta Maggiore Rom erreichte. Der Autor lebte zwar 300 Jahre später, er starb wohl 103 nach Christus. Aber er gilt als zuverlässiger Fachmann für Roms Wasserversorgung; denn in den letzten Jahren seines Lebens war er der Oberaufseher der Aquädukte Roms gewesen. Unabhängig von ihm wissen die Archäologen zudem, dass der Fund mit dem historisch bekannten Verlauf der Aqua Appia übereinstimmt.

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          Einer der beiden Bauherren war der Zensor Appius Claudius Caecus. Er gab nicht nur diesem Aquädukt seinen Namen, sondern auch jener ältesten Senatorenstraße, der Via Appia, deren Bau ebenfalls 312 vor Christus begonnen worden sein soll. Die Aqua Appia wurde zur ersten römischen Trinkwasserleitung, die nahe beim Circo Massimo endete und täglich etwa 73.000 Kubikmeter in die Stadt brachte. Das letzte Mal wurde sie unter Kaiser Augustus zur Millenniumswende repariert, als in Rom etwa eine Million Menschen mit Wasser versorgt werden musste. Zur frühen Kaiserzeit war sie aber nur noch ein Aquädukt von mehreren und für den Bedarf der Stadt bald zu wenig ertragreich. So wurde die Aqua Appia wenig später nicht mehr als Frischwasser-, sondern nur noch als Abfallkanal benutzt, worauf gefundene Speisereste hindeuten. Derzeit werden die Mauern des Aquädukts auf einigen Metern Länge geborgen, um ins Museum gebracht zu werden. Andere Teile sollen für die Nutzer der U-Bahn sichtbar liegen bleiben.

           

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