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New Yorker Polizei : Dein Freund und Schläger

Nicht jeder in New York scheint mit der Polizei so zufrieden zu sein wie dieser Herr Bild: Twitter

Image-Kampagnen im Internet können schiefgehen, das weiß jetzt auch die Polizei von New York. Sie bat Bürger, über Twitter nette Fotos von grinsenden Ordnungshütern zu verbreiten. Doch es kam anders.

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          Es gehört zu den Eigenheiten der modernen Kommunikation im Internet, dass sie sich nur schwer lenken lässt. Das kann für jeden, der seine eigene Marke im Netz pflegen will, ganz großartig sein. So richtig viral kann Marketing schließlich nur im Netz werden. Wer aber etwas für sein Image tun will, sollte immer bedenken, dass die Sache auch ganz schrecklich aus dem Ruder laufen kann. Denn ob die Strategie aufgeht oder nicht, darüber entscheidet allein der Schwarm - und der ist bekanntlich unberechenbar.

          Andreas Nefzger

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          So kann ein Hashtag schnell zum Bashtag werden, man denke nur an McDonald’s. Die Burger-Kette wollte 2012 auf Twitter über den Hashtag #McDStories herzerwärmende Geschichten zufriedener Kunden sammeln, provozierte damit aber Tweets von Leuten, die nach eigenen Angaben lieber ihren Durchfall essen würden, als zu McDonald’s zu gehen.

          Solch lehrreicher Beispiele zum Trotz wagte sich am Dienstag die Polizei von New York an eine Twitter-Kampagne in eigener Sache. Über den Hashtag #myNYPD sollten Bürger Fotos mit New Yorker Ordnungshütern hochladen

          Was man sich davon versprach? Grinsende Bürger, die sich in Sicherheit fühlen; starke Männer, die Katzen von Bäumen retten; Mädchen die Botschaften versenden wie „I love NYPD“. Solche Sachen eben.

          Freilich kam es anders. Die große Mehrheit der verbreiteten Bilder zeigte keine Freunde und auch keine Helfer, sondern, wie es die Sender der Botschaften wohl ausdrücken würden: die hässliche Fratze des Polizeistaats.

          Und wie das so ist im Internet: Ist das Ding erst einmal raus, lässt es sich nicht mehr einfangen. Der Hashtag stieg zu den meist diskutierten Themen auf Twitter in den Vereinigten Staaten auf, innerhalb eines Tages wurde das Schlagwort mehr als 78.000 Mal verwendet, große Zeitungen und Zeitschriften wie die „Washington Post“ und das „New York Magazine“ nahmen sich des Themas an. Die „Washington Post“ schrieb von einem „Troll-Fest epischer Ausmaße“. Dumm gelaufen.

          Die New Yorker Polizei verlor auf ihrem Twitter-Profil @NYPDNews übrigens kein Wort darüber, dass ihre Aktion nicht die erhoffte Wirkung erzielte. Sie zeigte nur Fotos, auf denen gelächelt wurde.

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