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Tunesische Mode : Ein Mosaik der mediterranen Kulturen

  • -Aktualisiert am

„Gainsbourg loved Mechouia“: Mit seiner Frau dichtet Sofiane Ben Chaabane Künstlern und Intellektuellen allerlei tunesische Vorlieben an. Bild: Katharina Pfannkuch

Die tunesische Mode steht beispielhaft für die Chancen in einem Land der Umbrüche – und für dessen Probleme. Ein Besuch in Tunis.

          Hemingway liebte Couscous, Andy Warhol ebenfalls. Frida Kahlo bevorzugte Hummus, und Simone de Beauvoir hatte eine Schwäche für Baklava. Diese Vorlieben großer Intellektueller und Künstler für tunesische Kulinarik dürften zwar in keinem Geschichtsbuch verbürgt sein, aber als Stickereien und Prints sind sie das Markenzeichen von Lyoum, einem Modelabel mit Sitz in Tunis.

          2011 gründeten die Französin Claire Ben Chaabane und ihr tunesischer Mann Sofiane Ben Chaabane ihre Firma. Deren tunesisch-arabischer Name bedeutet übersetzt „heute“ und ist Programm: Die Designs von Lyoum sind zeitgemäß, global und zugleich voller Referenzen an die tunesische Kultur.

          Natürliche Materialien und Farben dominieren in dem hellen Showroom mit den weiß getünchten Wänden und der großen Fensterfront in La Marsa, einem Vorort von Tunis. Wer Neonfarben und Glitzerpailletten sucht, ist hier falsch. Zum Interview erscheint Sofiane Ben Chaabane selbstverständlich in einem seiner eigenen Entwürfe: „Gainsbourg loved Mechouia“ steht auf seinem weißen Sweatshirt aus grobgewebter Baumwolle.

          Inspiriert vom 100-jährigen Jubiläum der Tunis-Reise von August Macke, Paul Klee und Louis Mouillet, überlegten er und seine Frau 2014, was die Maler in dem kleinen Mittelmeerland jenseits von Motiven und Farbenpracht entdeckten - und was sie wohl gerne aßen. „Die Küche eines Landes eröffnet schließlich dessen Kultur“, erklärt der 36-Jährige.

          Musiklegenden im Fokus

          Von den Spekulationen über Macke und Co war der Weg zu Gedankenspielen über andere Künstler und Intellektuelle nicht weit. Und so kam Hemingway zu seinem Couscous, Klimt zu Kebab und das Designer-Paar zu seinem Markenzeichen. „They Loved Tunisian Food“ nannten sie ihre erste Kollektion für Erwachsene, die ihnen den textilen Durchbruch verschaffte. Schon nach zwei Wochen war die erste Charge ausverkauft. Seit die Entwürfe online zu haben sind, wächst der Kundenstamm auch in Europa.

          Claire lässt sich entschuldigen, sie steckt mitten in den letzten Vorbereitungen der Frühlingskollektion. „Couscous Pop“ heißt sie und soll schon in wenigen Tagen in den Boutiquen hängen. Diesmal stehen Musiklegenden im Fokus: John Lennon etwa, Kurt Cobain, aber auch die Ägypterin Umm Kulthum. Und noch etwas stellt Sofiane gleich zu Beginn klar: „Wir sind keine gelernten Modedesigner.“

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          Das Paar lernte sich während des Studiums an einer Pariser Grande Ecole kennen, später arbeiteten beide im Marketing: er bei Saatchi & Saatchi, sie beim französischen Textilgiganten Vivarte.

          2011 erlebten sie die Revolution in seiner Heimat Tunesien aus der Ferne mit und zögerten nicht lange: „Wir wollten einen Beitrag zum Neuanfang leisten“, erzählt Ben Chaabane. Der Umzug nach Tunis war beschlossene Sache.

          Umbrüche als Inspiration

          Nach so langer Zeit in Frankreich sei es für ihn eher ein Aufbruch ins Ungewisse gewesen als eine Rückkehr, genau wie für seine Frau. „Die arabischen Umbrüche waren ja eine globale Erfahrung und Inspiration.“ Tatsächlich war 2011 fast die ganze Welt per Smartphone live dabei, als Präsident Ben Ali aus dem Amt gejagt wurde.

          Die beiden brachen ihre Zelte in Paris ab, gingen mit ihren zwei Kindern nach Tunis und gründeten dort ihre Firma. Wenn Ben Chaabane das erzählt, klingt es ganz selbstverständlich, ausgerechnet im postrevolutionären, politisch und wirtschaftlich fragilen Tunesien einen beruflichen Neuanfang zu wagen. Und das auch noch in einer Branche, in der man weder viel Erfahrung noch Kontakte vor Ort hat.

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