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Tumor, Hirnblutung, Virus? : Rätseln über Knuts Gehirnerkrankung

  • -Aktualisiert am

Knut vor drei Jahren in seinem Gehege Bild: dapd

Knut soll an einer Gehirnerkrankung gelitten haben. Mehr geben die Berliner Veterinärpathologen noch nicht preis. Vermutlich war die Krankheit schwerwiegend und schnell zu erkennen.

          Er dreht sich desorientiert im Kreis, dann taumelt er zuckend rückwärts und stürzt ins Wasser: Das Video von den letzten Momenten im Leben von Knut hat schon früh die Frage aufkommen lassen, ob der Eisbär unter einer neurologischen Störung litt. Wissenschaftler des Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin bestätigen diesen Verdacht jetzt: Bei der Sektion seien „deutliche Veränderungen des Gehirns“ festgestellt worden, teilte der Berliner Zoo mit. Diese könnten als Grund für den plötzlichen Tod des Tieres angesehen werden. Andere Organveränderungen seien bislang nicht festgestellt worden.

          Zwar wollen die Tierpathologen erst am Freitag ein abschließendes Ergebnis vorstellen. Experten sind sich aber schon jetzt einig, dass die Sektion markante, schwerwiegende und eindeutige Befunde erbracht haben muss – sonst wäre es nicht möglich gewesen, sich so früh auf eine Gehirnerkrankung festzulegen. Die Sektion hatte am Montag um elf Uhr begonnen; am Dienstagnachmittag gab der Zoo bereits bekannt, dass eine Gehirnerkrankung vorgelegen habe.

          Tollwut lässt sich schnell erkennen

          „In den meisten Fällen ist es frühestens 48 Stunden nach der Entnahme des Gehirns möglich, eine solche Aussage zu treffen – und das auch nur, wenn es sich um eine charakteristische Veränderung handelt“, sagt Peter Wohlsein, Veterinärpathologe an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Auf den ersten Blick erkennbar seien beispielsweise größere Tumoren und schwerste Blutungen im Gehirn.

          Nach kurzer Bearbeitung des Gewebes lassen sich auch manche Infektionskrankheiten diagnostizieren – zum Beispiel Staupe oder Tollwut. Die Viren, die diese Krankheiten auslösen, bilden sogenannte Einschlusskörperchen, kleine Kugeln innerhalb von Nervenzellen, die man unter dem Mikroskop erkennen kann. Dafür muss zunächst die Schädelkalotte des Tieres aufgesägt, das Gehirn entnommen und in Formalin fixiert werden. „Normalerweise legt man es mehrere Tage in Formalin, aber bei einem so populären Fall würde man wahrscheinlich schon nach 24 Stunden einen Teil herausschneiden“, sagt Wohlsein.

          Gewebescheiben in Paraffin

          Das fixierte Gehirn wird in daumennagelgroße Proben zerteilt, die anschließend mit heißem Paraffin durchtränkt werden. Ist das Paraffin erkaltet, lässt sich das Gewebe in feine Scheibchen schneiden. Diese Schnitte können auf ein Glasplättchen aufgebracht, gefärbt und unter dem Mikroskop betrachtet werden; ab diesem Zeitpunkt kann man etwa die winzigen Einschlusskörperchen erkennen, die eindeutig auf bestimmte Virusinfektionen hinweisen.

          „Daneben sehen auch bestimmte Speicherkrankheiten charakteristisch aus und sind daher früh zu erkennen“, sagt Wohlsein. Der Veterinärpathologe nennt als Beispiel die Lipofuszinose, die bei Hunden vorkommt. Dabei lagert sich der bräunliche Farbstoff Lipofuszin massenhaft in Nervenzellen ein. „Speicherkrankheiten kommen häufig bei Tieren vor, die von Inzucht betroffen sind, und Inzucht ist ja bei Zootieren nicht selten“, sagt Wohlsein.

          „Ungewöhnlich, nicht normal“

          Neben den genannten Gehirnerkrankungen können auch andere zu einem schweren Kollaps führen wie in Knuts Fall. Auch Infektionen mit Pilzen, Bakterien und Parasiten, Autoimmunerkrankungen oder Gefäßleiden können das Gehirn schwer schädigen. Sie müssen allerdings meistens genauer abgeklärt werden, etwa durch molekularbiologische Methoden. Schlaganfälle seien bei Tieren eher selten, sagt Wohlsein.

          Das IZW in Berlin hält sich weiter bedeckt. „Ungewöhnlich, nicht normal“, sei der Gehirnbefund gewesen, sagt Pressesprecher Steven Seet. Man habe bereits Aufnahmen mit einem Computertomographen angefertigt, die vielleicht veröffentlicht werden sollen. Ob die Bereitschaft, Aufnahmen zu zeigen, ebenfalls auf ein mit bloßem Auge erkennbares, dramatisches Krankheitsgeschehen, etwa einen Tumor, hindeutet – darüber kann man derzeit nur mutmaßen. Christina Hucklenbroich

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