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Türkische Universitäten : Mit dem Laserschwert für ein säkulares Bildungssystem

  • Aktualisiert am

Eine türkische Studentin vor einer Universität in Istanbul Bild: Reuters

Jede türkische Universität soll eine eigene Moschee bekommen. Das gefällt nicht allen Studenten, viele stellen sich sogar quer – mit viel Humor.

          1 Min.

          Während der Ruf des Muezzin über den Campus hallt, gongt es im Buddha-Tempel. Und ein Gebäude weiter ertönt die Filmmusik von „Star Wars“. Dieses skurrile Szenario ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern beruht auf den Forderungen türkischer Studenten.

          Als Reaktion auf den Plan, eine Moschee auf dem Gelände der Technischen Universität Istanbul zu errichten, starteten Studenten in der Türkei gleich zwei Online-Petitionen. Neben dem mehr oder weniger ernsten Anliegen der einen Petition, buddhistische Tempel auf dem Gelände der Universitäten zu bauen, fordern die Initiatoren der zweiten Petition Jedi-Tempel, bekannt aus George Lucas „Star Wars“-Filmen. Das berichtete „Newsweek“.

          Mit Humor gegen die höchste religiöse Instanz

          „Ich kann meine Religion nicht praktizieren, weil der nächste Buddha-Tempel 2000 Kilometer entfernt liegt. Während meiner Mittagspause kann ich da nicht hin“, schreibt ein Unterzeichner namens Utku Gürçağ Borataç. Neben Borataç haben bereits rund 20.000 weitere Personen die erste Petition unterzeichnet. Die Zahl der Buddhisten in der Türkei ist im Verzeichnis der Religionsgemeinschaften nicht einmal aufgeführt.

          Noch deutlicher wird der Humor der türkischen Studenten in ihrer Forderung nach einem Jedi-Tempel. In den „Star Wars“-Filmen weisen Jedi-Meister in den Tempeln Nachwuchslichtschwertkämpfer in die Techniken des Jeditums ein. Passenderweise haben die Initiatoren ihren Eintrag mit einem Screenshot aus „Star Wars: Epiosde 2: Angriff der Klonkrieger“ versehen. Zurzeit unterstützen mehr als 5500 Personen das Anliegen.

          Mehr Islam im Bildungssystem

          Der Plan, in jeder der 80 staatlichen Universitäten eine Moschee zu bauen, geht auf die Diyanet zurück. Die Diyanet ist die höchste Instanz für islamische Angelegenheiten in der Türkei. „In unserem Land gibt es 20 Millionen junge Leute, und wir wollen jeden von ihnen erreichen“, sagte Görmez, Chef der Diyanet, bei der Vorstellung des Vorhabens im November 2014.

          Es ist nicht der einzige Versuch, den Islam in das türkische Bildungssystem zu integrieren. Die Zahl der sogenannten Imam-Hatip-Schulen ist stetig gewachsen, seit die konservative, islamtreue AKP an der Macht ist. Allein 2014 wuchs die Zahl der religiös geprägten Schulen um 415 auf 2544. Auch deswegen werfen Kritiker der Regierung vor, die Säkularisierung des Staates rückgängig machen zu wollen.

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