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Campingurlaub : Ferien wie die Küchenschabe

My mobile home is my castle – finden die Kinder. Mama sieht es etwas anders. Bild: Hummels

Mobile Home, Kunststoffstühle, Atlantik, Pokémons: Katrin Hummel macht das erste Mal mit ihrer Familie Urlaub auf dem Campingplatz - ihren Söhnen zuliebe.

          7 Min.

          Mama, warum fahren wir da eigentlich hin?“, fragt unser Vierzehnjähriger. „Wegen euch. Damit ihr da Gleichaltrige findet, mit denen ihr was unternehmen könnt. Das ist ein Kompromiss“, erkläre ich. Wir sitzen im Auto und machen zum ersten Mal, seit wir Kinder haben, Campingurlaub. „Gibt’s da freies W-Lan?“, fragt der Sechzehnjährige, ohne seine riesigen grünen Kopfhörer abzusetzen oder von seinem Handy aufzublicken. „Nein“, sage ich zufrieden. „Das kostet was.“ Simultanes Stöhnen von der Rückbank. Mein Mann und ich wechseln einen Blick, der bedeutet: Diesmal haben wir alles, aber auch wirklich alles, richtig gemacht bei der Wahl des Urlaubsortes.

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bisher haben wir meist Ferienhäuser gemietet, manchmal auch Rundreisen mit dem Auto gemacht und dann in Hotels übernachtet. Je älter die Kinder wurden, desto unzufriedener waren sie damit: Mal war gar niemand zum Spielen da, mal keine Kinder, mit denen sie eine Sprache gemeinsam hatten, und mal war kein Meer in der Nähe, oder die Wellen waren nicht hoch genug.

          Nun aber sollte alles anders werden. Wir würden die Quadratur des Kreises vollziehen, und unsere Kinder würden es uns auf Knien danken: Es würde massenweise Gleichaltrige auf unserem Campingplatz geben, der französische Atlantik wäre in Laufweite und ein gigantischer Pool mit vier Rutschen auf unserem Gelände. Das hatte die Mutter eines Klassenkameraden unseres jüngsten Sohnes in Aussicht gestellt, die in diesem Sommer mit Mann und drei Kindern schon das zweite Mal genau dorthin reisen würde.

          Zivilisatorischer Rückschritt

          Zwar hatte ich das letzte Mal als Studentin auf einem Campingplatz übernachtet, und das auch nur mit mäßiger Begeisterung, doch hatte ich nach dem euphorischen Reisebericht der anderen Mutter („Endlich waren mal alle drei Kinder zufrieden, und wir hatten Zeit für uns“) alle Warnungen in den Wind geschlagen. Und die hatte es gegeben: „Eure Kinder sind falsch erzogen, wenn sie nur auf dem Campingplatz glücklich sind“, hatte ein Kollege gesagt. „Ich würde alles machen, aber niemals Campingplatz. Der Campingplatz ist ein zivilisatorischer Rückschritt um etwa 50.000 Jahre. Früher haben zivilisatorisch niedrigstehende Kulturen in Zelten gewohnt.“ Ich hatte so würdevoll, wie es ging, entgegnet: „Wir wohnen ja auch in einem Mobile Home. Zwei Schlafzimmer, Küche, Bad.“

          Davor stehen wir jetzt, mit neongrünen Plastikarmbändern am rechten Handgelenk. Die haben wir an der Rezeption bekommen, verbunden mit dem Auftrag, sie „niemals“ abzulegen. Wir sind ein bisschen zurückgezuckt in dem Moment. Zwei junge hübsche Französinnen haben aber nun die Aufgabe, uns unser neues Zuhause vorzuführen. Mit einem strahlenden Lächeln schließt die eine die Tür auf, die andere führt uns mit leuchtenden Augen hinein und macht eine raumgreifende Geste: „Wohnzimmer und Küche!“ Wir stehen in einem knapp zwölf Quadratmeter großen Raum. Dann öffnet sie eine weitere Tür: „Erstes Schlafzimmer“, und noch eine, darin ist das zweite. Beide sind gerade eben so groß, dass um die Betten herum dreißig Zentimeter Platz ist. Unnötig, zu sagen, dass das Bad ähnliche Ausmaße hat. Die gesamte Ausstattung und Einrichtung besteht aus Kunststoff und Kunstleder und ist fast sauber.

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