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Tuğçe-Prozess : „So sauer habe ich Sanel M. noch nie erlebt“

  • -Aktualisiert am

Vor dem Prozess: der Angeklagte Sanel M. im Gericht. Bild: dpa

Freunde des Angeklagten Sanel M. haben im teils absurd anmutenden Prozess um den Tod von Tuğçe Albayrak ausgesagt, dass sie versuchten, ihren Freund im Zaum zu halten. Manche verstrickten sich allerdings in Widersprüche.

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          Im Prozess um die getötete Studentin Tuğçe Albayrak haben am Freitag zumindest die Aussagen von zwei der vier geladenen Zeugen halbwegs nachvollziehbar geklungen – eine Quote, die in diesem an Absurditäten nicht armen Verfahren vor dem Landgericht Darmstadt schon positiv hervorzuheben ist. Ein 18 Jahre alter enger Freund des Angeklagten Sanel M. äußerte, dieser sei in den Augenblicken der Eskalation auf einem Offenbacher McDonald’s-Parkplatz „richtig ausgerastet“. Er selbst habe mehrfach versucht, M. zurückzuhalten, letztlich vergeblich. Von dem Schlag oder der Ohrfeige (je nach Darstellung), die M. Albayrak verpasste, sei auch er, der zwischen den beiden stand, getroffen worden. M.s Bewegung mit der rechten Hand zum Gesicht von Albayrak sei ihm „nicht so stark vorgekommen“.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Vor dem tätlichen Angriff sei Albayrak „mit schnellen Schritten“ auf M. zugegangen. In diesem Moment habe sie zum Angeklagten gesagt: „Komm doch her, Du kleiner Hurensohn.“ Der Zeuge sagte, er habe M. schon mehrfach sauer erlebt, aber noch nie so sauer wie in jener Nacht im vergangenen November. Als mögliche Erklärung für die Wut des Angeklagten nannte er „Probleme“, die dessen Mutter vor ein paar Jahren gehabt habe. „Wenn jemand etwas über seine Mutter sagt“, äußerte der Zeuge mit Blick auf seinen Freund, „dann tut ihm das mehr weh, als wenn man ihn selbst beleidigt.“

          Die Glaubwürdigkeit des Zeugen litt erst, als er die Frage, ob es im Beisein eines Anwaltes des Angeklagten eine Absprache der Freunde M.s vor der Vernehmung durch die Polizei gegeben habe, zögerlich beantwortete. Der Zeuge sagte, dabei sei nicht über die Sache, sondern nur über das Befinden des da schon inhaftierten Freundes gesprochen worden.

          Ein anderer Zeuge stellte das Gespräch hingegen als durchaus intensiver dar. Die Frage, inwieweit die Erinnerung durch den Abgleich unterschiedlicher Wahrnehmungen beeinflusst sein könnten, hatte auch bei den Freundinnen der Verstorbenen schon eine gewichtige Rolle gespielt. Der Prozess wurde am Freitag von Zuschauern verfolgt, die aus ihren Sympathien und Antipathien für die eine oder andere Seite kein Hehl machten. In einer Prozesspause soll einer der Brüder der Verstorbenen, der als Nebenkläger am Prozess teilnimmt, zum ersten Zeugen „Hurensohn“ gesagt haben. Ein späterer Zeuge, ebenfalls ein Freund des Angeklagten, sagte, er fühle sich bedroht. Ein Anwalt der Nebenklägerseite wiederum nannte das Auftreten der Freunde M.s bedrohlich.

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