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Rom : Fontana di Trevi sprudelt wieder

  • -Aktualisiert am

Schön auch ohne Anita Ekberg: Römer am Dienstagabend am Trevi-Brunnen. Bild: dpa

Nach anderthalb Jahren Arbeit erstrahlt der Trevi-Brunnen wieder im hellen Glanz des Travertin-Gesteins. Finanziert wurde die Restaurierung von einem Geschäftsmann – wie zuletzt mehrere Sehenswürdigkeiten Roms.

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          Seit Dienstagabend kann der steinerne Meeresgott Oceanus wieder stolz in die Massen von Touristen schauen. Nach 17 Monaten Restaurierung erstrahlt sein Trevi-Brunnen in Rom wieder im hellen Glanz des Travertin-Gesteins und zieht die Besucher in den Bann, die den Endpunkt eines der ältesten Aquädukte der Stadt bestaunen. Konsul Marcus Agrippa, ein Schwiegersohn des Kaisers Augustus, hatte im Jahr 19 vor Christus die Wasserleitung Aqua Virgo von den Sabiner Bergen bald 30 Kilometer weit in die Hauptstadt führen lassen, auch um seine Thermen beim nahen Pantheon zu versorgen. Seither fließt mehr als 2000 Jahre lang das frische Bergwasser und erreicht das Trevi-Quartier. Seinen Namen hat es davon, dass hier drei Straßen aufeinanderstoßen.

          Nach mehreren Vorgängerprojekten schuf von 1732 an der bis dahin unbekannte Architekt Nicola Salvi im Auftrag von Papst Clemens XII. die heutige Anlage; übrigens zum Ärger der Grafen von Poli, deren Palazzo im Rücken der Brunnenlandschaft mit einem gehorsamen und einem sich aufbäumenden Pferd ohne weitere Berücksichtigung seiner Palastarchitektur einbezogen wurde; ein optisch viel zu großer Brunnen für den kleinen Treffpunkt der drei Gassen.

          Das aber tut dem Wasserspektakel keinen Abbruch. Vielmehr ist die Fontana di Trevi schon bald drei Jahrhunderte lang ein Magnet der Ewigen Stadt und auch immer wieder Filmkulisse, so in Fellinis Schwarz-Weiß-Streifen „La Dolce Vita“ von 1960, in dem die Anfang dieses Jahres verstorbene schwedische Schauspielerin Anita Ekberg mit Abendkleid in den Brunnen steigt. Auch an diese Szene erinnerte Pietro Beccari, als er den wie neu erstrahlenden Brunnen wieder in Betrieb nahm. Der in Parma geborene Marketing-Fachmann leitet seit 2012 das Modeunternehmen Fendi, das zum französischen Luxus-Großkonzern LVMH gehört, und damit viel von dem verlor, was Fendi einst mit Rom verband.

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          Das aber will Beccari ändern. Mit einer Spende von 2,5 Millionen Euro zur Rekonstruktion des Brunnens habe das 1925 in Rom als Hersteller für Pelze und Leder gegründete Unternehmen zeigen wollen, dass sein „Herz noch immer in Rom schlägt“, sagte Beccari, der kürzlich auch das neue Logo „Fendi – Roma“ schuf. So wichtig erscheint Rom für Fendis Ruf zu sein, dass das Unternehmen zudem noch weitere römische Brunnen unter seine Patronage nahm: so den Mose del Ninfeo auf dem Pincio, die moderne Fontana della Peschiera in Prati und die Fontana dell’Acqua Paolo auf dem Gianicolo, die dem jüngsten Sorrentino-Rom-Film „Grande Bellezza“ die Anfangsszene bietet.

          Mit Rom kann jede italienische Mode-Firma punkten. So tut es auch der Schmuck- und Uhrenhersteller Bulgari, der freilich auch längst in LVMH aufging, aber daran erinnern kann, dass genau da die ersten Bulgari-Geschäfte gegründet wurden und bis heute bestehen, wo das Unternehmen jetzt die Restaurierung der Spanischen Treppe finanziert. Der Schuhunternehmer Diego della Valle gab vor einigen Monaten schon 25 Millionen zur Instandsetzung des Kolosseums. Damit erfüllt sich der Chef von Tods einen Jugendtraum. Als kleiner Schumacher habe er einst gehofft, Rom etwas Gutes tun zu können, sagte er einmal. Schon erstrahlen wieder große Teile des Amphitheaters des flavischen Kaiserhauses und römischen Wahrzeichens in hellem Marmorglanz.

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