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Beziehungen : Gehen oder bleiben?

„Um die 30 ist der Druck für Frauen höher“

Gehen oder bleiben ist in diesem Alter vor allem eine typisch weibliche Frage. „Es ist ein bescheuertes Alter, um sich zu trennen“, sagt eine, die es gerade hinter sich hat. „Ich will nicht second-round sein“, meint eine andere, die damit hadert und Angst hat, nun in einer Zeit, da alle um sie herum heiraten und Kinder kriegen, eben auf die zweite Runde warten zu müssen - wenn viele Männer geschieden sind, das heißt wieder frei. Einerseits: total neurotisch. Andererseits: verständlich. Die Entscheidung zu gehen bedeutet auch, möglicherweise für lange Zeit auf eine eigene Familie zu verzichten. „Da bei Frauen die Fertilität von 20 Jahren an mit zunehmendem Alter abnimmt und viele im Bewusstsein haben, dass um die 30 herum der passende Partner gefunden sein sollte, wenn man Kinder plant, ist der Druck für Frauen höher“, sagt der Psychologe Guy Bodenmann.

Dessen sind sich wiederum auch die Männer bewusst. Silvia Gerske, 31, zum Beispiel, lebte ein paar Jahre lang mit ihrem Freund in Kalifornien. Dann wollte sie zurück nach Deutschland gehen, er entschied sich, in Kalifornien zu bleiben. Die geografische Distanz führte auch zur emotionalen. Und dann zur Trennung. Neulich lernte sie einen Mann in ihrem Alter kennen. „Der sagte, ich sei ihm zu alt. Er wisse, wie es mit Frauen in diesem Alter sei, er kenne den Druck. Leider ist das ja sogar die traurige Wahrheit“, sagt Gerske. „Männer können auch noch mit Mitte 40 mit der Familienplanung beginnen.“

Im Schnitt heirateten Frauen 1991 fünf Jahre eher

Das mag in einer Zeit, in der die Chancengleichheit für ein gutes Leben bei Männern und Frauen als gegeben gilt, im ersten Moment ein bisschen arg nach Fünfziger-Jahre-Verhältnissen und sozialer Abhängigkeit klingen. Auf den zweiten Blick ist die Frage „Gehen oder bleiben?“ aber symptomatisch für ein zunehmend selbstbestimmtes Leben von Frauen. Betrug das durchschnittliche Heiratsalter lediger Frauen laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2014 schon 31 Jahre, lag es 1991 noch bei 26 Jahren. Je mehr Zeit bleibt, das Leben nach den eigenen Vorstellungen auszurichten, desto größer ist auch der Spielraum zum Hadern. Ein Luxus. Und ein Fluch.

Denn klar: Die Freiheit, sich selbst entscheiden zu können, mit wem man sein Leben wie verbringen will, ob zu zweit, allein mit einem Kind oder gar mit einem anderen Paar und einem gemeinsamen Kind, Stichwort Co-Parenting, war noch nie größer. Auch Single zu sein hat seine guten Seiten. Laut einer Studie der Universität von Kalifornien aus diesem Jahr sind Singles im Durchschnitt sogar glücklicher als verheiratete Menschen. Sie führen demnach ein erfüllteres Sozialleben mit besseren Entfaltungsmöglichkeiten. Mag stimmen, klingt aus der Sicht von Frauen, die sich einen anderen Lebensentwurf vorstellen, trotzdem zu sehr nach Beyonces „Single Ladies“, nach Cocktails mit bunten Schirmchen.

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