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Beziehungen : Gehen oder bleiben?

Zu der Pulsuhr-Geschichte lassen sich in der Beziehung von Laura Kunze und ihrem Freund genauso viele Gegenbeispiele finden, die für das Bleiben sprechen. Gehen oder bleiben, es ist ein ständiges Einerseits, Andererseits. „Man überlegt sich, ob man mit dem aktuellen Partner eine verbindliche, auf Dauer angelegte Beziehung eingehen möchte und ob man allenfalls zu einer Ehe oder zu Kindern bereit wäre“, sagt der Psychologe und Paarforscher Guy Bodenmann von der Universität Zürich über diese Zeit, die heute typischerweise mit dem 30. Geburtstag beginnt. „Diese Fragen gehen implizit mit einem Test des Partners einher. Man überprüft sorgfältiger und kritischer, ob er sich für diese Perspektiven eignet, oder ob man die aktuelle Beziehung beenden und sich nochmals nach einem neuen, attraktiveren Partner umsehen soll.“

Gehen oder bleiben - das fragt sich auch Johanna Ahlers, 32. Sie lebt seit sieben Jahren mit ihrem Freund zusammen, einem gut aussehenden, beruflich erfolgreichen Mann, dem Ahlers' Freunde nur wünschenswerte Eigenschaften attestieren: Humor, Herzlichkeit, Empathie. Auf der anderen Seite erzählt Johanna Ahlers von seiner kaum erträglichen Familie im Hintergrund, seinen zuweilen gehässigen Kommentaren. In der Buchhandlung stand sie neulich schon am Regal für Scheidungsratgeber. Dabei geht es nur um eine mögliche Trennung. Gehen oder bleiben?

Und dann plötzlich der Heiratsantrag

Mit dieser Frage haderte Laura Kunze nicht nur im Zuge der Pulsuhr-Geschichte. Ihren Freund hatte sie zwei Jahre zuvor auf Ibiza kennengelernt. Die beiden kamen zusammen, führten eine Fernbeziehung zwischen Wien und München. Probleme ließen sich unter der Woche ganz gut ausblenden. Dann kam die Sache mit der Pulsuhr, es folgten die paar Wochen Funkstille. Irgendwann bekam Laura Kunze von ihrem Freund einen Brief, dann eine SMS, dann rief er an. Nach wenigen Monaten waren sie wieder zusammen. Sie stand in der Zeit kurz vor ihrem Abschluss und hatte ein Angebot in Wien, fachlich ihr Traum-Job. Dann kam sein Heiratsantrag. „Natürlich war das auch ein Signal, zu ihm zu ziehen und nicht in Wien zu bleiben. Er musste agieren, damit ich reagiere“, sagt Laura Kunze heute, an einem Abend bei einem Münchner Vietnamesen. Sie belädt ihren Löffel mit Gemüsecurry. „Aber ich glaube schon, dass es von Herzen kam.“

Im Rückblick gab es in der Zeit vor dem Antrag ein knappes Jahr lang an der Beziehung nichts auszusetzen. Nach dem großen Streit mit der Pulsuhr verstanden die beiden sich bestens. „Noch beim Antrag sagte ich ihm, er müsse mir versprechen, dass er die Krise ernstgenommen hat und so etwas nicht noch einmal passieren würde. Er sagte, das sei klar. Und trotzdem, mein Inneres hat mir ein Störsignal gesendet.“

Laura Kunze hörte nicht darauf, sondern suchte nach einer Job-Alternative in München. Als sich etwas ergab, stand ihr Traum-Job gegen einen ganz guten Job und die Beziehung in München. „Ich habe tatsächlich gehadert“, sagt sie. „Aber zugleich dachte ich auch, dass ich keinen anderen Freund finden würde, der mir gefällt und zu mir passt.“

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