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Transocéanica-Bus : Vom Atlantik zum Pazifik in 102 Stunden

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Irgendwann ist immer das erste Mal: Busfahrer Daniel Mancilla Palacios am Strand von Rio. Bild: dpa

Sie gilt als längste Linienbusstrecke der Welt: 6200 Kilometer, von Rio de Janeiro bis Lima. Atlantik–Pazifik, quer durch Südamerika. In Rio ist nun der erste Bus gestartet, überschattet von leichten Startproblemen.

          Daniel Mancilla Palacios passt hier nicht so recht hin. Kurzerhand hat er den zweistöckigen Bus an der Copacabana gestoppt. „Ich fahre jetzt 34 Jahre, aber hier war ich noch nie.“ Im weißen Hemd und mit schwarzer Krawatte steht er schwitzend neben Frauen im Bikini am Strand, hinter ihm das Meer und der Zuckerhut.

          Erstmals ist er, der mit dem Bus schon ganz Südamerika befahren hat, hier in Rio de Janeiro. Es ist die Premierenfahrt der wohl längsten Buslinie der Welt, 6200 Kilometer von Rio am Atlantik bis in Perus Hauptstadt Lima am Pazifik. Die Strandbesucher sind erstaunt, als sie hören, dass es bis nach Lima geht, Selfies mit dem Busfahrer werden gemacht. Dann kommt die Polizei. Kurzzeitig droht richtig großer Ärger, so ein Bus-Stopp an der Avenida Atlântica sei streng verboten.

          Die Polizei begleitet den Bus per Eskorte schließlich wieder auf seine reguläre Strecke Richtung São Paulo. Bei der Ausfahrt aus Rio wird dann fast noch das Busdach abgesäbelt, aber Daniel Mancilla Palacios kann den Bus rechtzeitig vor dem zu niedrigen Tunnel wenden.

          Der 61 Jahre alte Peruaner war schon bei der Premierenfahrt von Lima nach Caracas dabei, mit 5600 Kilometern auch kein Katzensprung. „In Venezuela ist es mit der Polizei am schlimmsten, die wollen immer Geld“, berichtet er. Bevor es am Samstagmorgen am riesigen Terminal Novo Rio los geht, isst Mancilla Palacios noch eine Teigtasche mit Schinken und Käse. Wie viele Kilometer er schon gefahren ist in seinem Arbeitsleben für die Busgesellschaft Ormeño? Er kommt auf 8,2 Millionen Kilometer – rund 20.000 Kilometer fährt er pro Monat.

          Holpriger Start

          Seit langem wollte die Gesellschaft schon die neue Strecke bedienen, nach ihren Angaben die längste Linie der Welt. Seit einigen Jahren existiert die Transocéanica, eine durchgehend asphaltierte Strecke durch die Sojaregionen Brasiliens, das Amazonasgebiet und hoch über die Anden. „Der höchste Punkt der Strecke liegt in Peru auf 4630 Metern“, sagt Mancilla Palacios. Bisher gab es bereits die Linie São Paulo – Lima, nun ist sie nach vielen schwierigen Verhandlungen bis Rio verlängert worden. Aber der Start verläuft recht holprig.

          Da das grüne Licht kurzfristig kam, konnte Ormeño noch kein eigenes Büro am Terminal in Rio eröffnen und die Fahrt ankündigen. So fährt der Bus mit Ausnahme eines deutschen Kamerateams, das für den Sender Arte eine fünfteilige Dokumentation über die Fahrt dreht, leer bis São Paulo, wo die ersten 18 Passagiere einsteigen. „Wir verbinden zwei Wunder der Welt miteinander“, sagt Oscar Vásquez, örtlicher Repräsentant der Busgesellschaft. „Den Cristo und die Inka-Stätte Machu Picchu bei Cusco.“ Zweimal die Woche, samstags und mittwochs, wird die Strecke von Rio bedient, von Lima donnerstags und sonntags.

          Nach São Paulo lauten die Stationen Campo Grande, Cuiaba, Porto Velho, nach der Grenze folgen Puerto Maldonado, Cusco, Nasca. Eine Fahrt bis Lima kostet umgerechnet 185 Euro, sie dauert rund 102 Stunden, über vier Tage. Auf der Premierenfahrt sind vier Fahrer dabei, der Normalfall sind zwei, maximal drei Fahrer. Sie fahren vier Stunden und ruhen sich dann in einer Schlafkoje aus. Der Bus hat 44 normale und 12 Schlafsitze. Pro Tag soll es neben Tankstopps nur zwei Essens- und Toilettenpausen geben.

          Auch Perus Generalkonsul Rolando Ruiz Rosas ist zum Start in Rio gekommen. „Ich bin die Strecke im Juli selbst mit dem Auto gefahren, mit dem deutschen Generalkonsul Harald Klein“, erzählt er. Sie nahmen sich Zeit, um sich unterwegs einige Sachen anzuschauen, und waren daher elf Tage unterwegs.

          Allerdings haben sich viele Hoffnungen, die mit der Transocéanica verbunden waren, bisher nicht erfüllt. So sollten Zehntausende neue Arbeitsplätze durch die Erschließung entstehen, aber die Strecke ist wenig frequentiert, die Hinterlandregionen weiter kaum bevölkert.

          Derzeit wird in Südamerika darüber diskutiert, die Landverbindungen zu stärken, gerade auch, um Güter schneller nach Asien transportieren zu können. So beraten Brasilien, Peru und Bolivien - mit China als Hauptfinanzier - über ein Jahrhundertprojekt in Sachen Eisenbahn. Eine Bahnstrecke vom Atlantik zum Pazifik. Das ist noch Zukunftsmusik - vorerst ist die Buslinie die Alternative zum teureren Flug. Aber eine sehr Zeitraubende. Doch Daniel Mancilla Palacios kann dank der neuen Linie seiner Familie zu Hause nun Bilder von Rios Copacabana zeigen.

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