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Gaststätte „Rheinischer Hof“ : Wir danken für die Treue

  • -Aktualisiert am

Bedburg liegt irgendwo neben Köln, manchmal kommen die Studenten von dort, um in Bedburg Fußball zu spielen. Eine Kleinstadt mit 25.000 Einwohnern, mit Tankstellen, Baumärkten und Discountern, eine Stadt, von deren Art es zahlreiche gibt in Nordrhein-Westfalen.

Nicht fern von Bedburg öffnet sich im Boden ein 31 Quadratkilometer großes Loch, in dem schweres Gerät schwarzes Gold abbaut, der Tagebau Garzweiler, der viele Dörfer um Bedburg das Leben kostete, Haus für Haus wurden sie abgebaut oder verlassen, es gibt schönere Gegenden in Deutschland. Aber der Tagebau gab den Bedburgern Arbeit und gibt sie ihnen noch. Bis 2045, dann ist Schluss, und das Loch soll mit Wasser aus dem Rhein gefüllt werden, 40 Jahre lang bis 2085. Vielleicht kommen dann Touristen, ist alles egal für den „Rheinischen Hof“.

Ein angesehener Mann im Dorf

Dessen Geschichte begann im Jahr 1926, in dem Lothar Büntgens Großvater Toni eine Gaststätte an der Neusser Straße 2 übernahm. Sie trug damals den Namen „Zum Grünen Kranze“, Toni nannte sie um und machte ein Restaurant mit Fremdenzimmern draus. Er war ein angesehener Mann im Dorf, was an seinem leutseligen Charakter lag sowie daran, dass er gutes Essen servierte und ein begnadeter Zapfer war. Toni Büntgen starb 1943 in einer Bombennacht.

Die Neusser Straße ist eine zweispurig befahrene Hauptstraße Bedburgs, die aus dem Ort hinausführt und hinein. Die Gaststätte schmiegt sich rechter Hand an ein Wohnhaus, während linker Hand die Wand frei ist. Die Gaststätte besitzt drei Stockwerke und ist in einem Gelb gestrichen, das verblasst.

Im unteren Stockwerk befindet sich der Gastraum, im mittleren die Zimmer der Wirtsfamilie und Fremdenzimmer, von denen es im oberen weitere gibt. Die Eingangstür ist aus Holz, so dick, dass man damit über Meere segeln könnte. Sobald man die Eingangstür durchschritten hat, erreicht man einen kleinen Flur, an dessen Ende sich der Weg dreiteilt. Links geht es in die Küche, in der Mitte führen Treppen zu den Wohn- und Gasträumen hinauf, rechts in den großen Gastraum.

„War nett damals“

Betritt man den Gastraum, wechselt der geflieste Boden unter den Füßen zu grauem Teppich, der die Schritte stumm aufnimmt. Es sind Schritte in die Vergangenheit. Zur Straße hin, entlang den Fenstern, öffnen sich vier Nischen, allesamt mit viereckigen Tischen bestückt. Im Raum stehen weitere Tische, 120 Plätze insgesamt.

Sterben dauert, wenn man sich vom Stammgast verabschieden muss – und vom Stammtisch.

1978 hat Lothar Büntgen die Gaststätte neu eingerichtet. Stühle und Tische gekauft bei Jakobs Möbelgeschäft um die Ecke, 55 Prozent Rabatt, das Stühle- und Tischlager in Köln wollte nur 48 geben.

War nett damals, sagt Büntgen, heute sind sie doch alle Katastrophen, Porta und wie sie heißen, sehen Sie, die verkaufen ihr Essen für 4,50 Euro, wie soll ich das machen?

Lieber schmeißt er alles in den Müll

Büntgen hat seit 1978 in der Gaststätte nichts mehr verändert. Die Möbel sind dunkel, Lehne und Sitz der Stühle mit beigem Polster bezogen. An den Wänden hängen Urkunden und Teller, an der Garderobe seit mehreren Tagen drei Krawatten. Niemand weiß, woher sie kommen und was sie wollen.

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