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Tourismus in Nordkorea : Im matten Glanz der Diamantenberge

  • -Aktualisiert am

Kim Jong-il erstrahlt hell in der Nacht im Touristenressort Bild: REUTERS

Golfen in Nordkorea? Was wie eine Utopie erscheint, wird zur Wirklichkeit. Der Hyundai-Konzern baut in Kumgang den ersten Golfplatz im touristischen Niemandsland Nordkorea. Doch trotz der Annäherung zwischen Nord und Süd ist klar, wer das Sagen hat.

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          Der „Diamond Country Club“ verspricht einen besonderen Nervenkitzel: Golfspielen in Nordkorea, unter den Augen von Soldaten, umgeben von Minen und Elektrozäunen. Links die schroffe Silhouette der Kumgang-Berge, rechts ein ehemaliger U-Boot-Stützpunkt. Eine bizarre Szenerie. Doch Park Hyun-chul von Emerson Pacific, dem Bauherrn dieses exotischen Vorhabens, sieht nur das frische Grün, die weiten Hügel und die Leistung seiner Landschaftsgärtner. „Es ist wirklich ruhig und friedlich hier.“

          Die wohlhabenden Südkoreaner, die, assistiert von 80 nordkoreanischen Caddies, vom nächsten Jahr an ihre Bälle über den Parcours schlagen werden, kostet die Klub-Mitgliedschaft fast 20.000 Euro, wenig im Vergleich zu den Preisen daheim. In Nordkorea, muß Park bekennen, spielten „wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse doch relativ wenige Golf“. Er zweifelt nicht am Erfolg des ersten ausländischen Golfplatzes im touristischen Niemandsland Nordkorea. Ungerührt von Raketen- und Atombombentests, wird der zweite schon geplant.

          Bei Einreise hagelt es Verbote

          Kumgangsan, die sagenumwobenen Diamantenberge, liegen etwa 20 Kilometer hinter der scharf bewachten Grenze, die Korea in zwei Teile trennt. Hier erschließt der südkoreanische Hyundai-Konzern ein Gebiet zwischen Küste und Felsmassiv für Touristen, die aus Nostalgie oder Neugier erstmals nordkoreanischen Boden betreten. Die Kumgang-Berge sind mythische Orte - und sie sind der einzige Berührungspunkt zwischen Nord und Süd, das erste Loch in der Mauer. Fast 1,4 Millionen Touristen haben seit 1998 die Reise mit Hyundai angetreten, um einen von allen Seiten begrenzten Blick in das rätselhafte Reich des Diktators Kim Jong-il zu werfen - und sich dabei in einem Luxus-Freizeit-Park zu entspannen, wo es nicht einmal an einem Duty-free-Shop mangelt.

          Die Diamentenberge liegen 20 Kilometer hinter der nordkoreanischen Grenze
          Die Diamentenberge liegen 20 Kilometer hinter der nordkoreanischen Grenze : Bild: REUTERS

          Für viele Millionen Dollar hat Hyundai Asan dem Machthaber in Pjöngjang das Land auf 50 Jahre abgerungen. Doch es gibt keinen Zweifel, wer hier das Sagen hat. Bei der Einreise hagelt es Verbote: keine Fotos durchs Busfenster, keine Gespräche über Politik. Mobiltelefone, Laptops, Teleobjektive werden eingesammelt. Es gibt sie erst wieder bei der Ausreise zurück. Jeden Tag zieht die Buskarawane über die Demarkationslinie, vorbei an Spalier stehenden Soldaten und einer nie genutzten Eisenbahntrasse, durch eine karge Mondlandschaft voller Felsen und Krater. Hin und wieder Ochsenkarren, Frauen gebückt bei der Feldarbeit, Kinder, die einen Fluß durchwaten. In Sichtweite, auf den Hügelkuppen, Panzer, deren Rohre unmißverständlich zur Straße gerichtet sind.

          Buchungen gingen wegen Atomtest zurück

          Doch Jang Whan-bin, der für Finanzen und Investoren zuständige Vizepräsident von Hyundai Asan, will dies nicht als symbolische Offensive und schon gar nicht im Zusammenhang mit dem jüngsten Atomtest verstanden wissen - genausowenig wie das Kriegsschiff, das gerade weithin sichtbar in der Bucht liegt. Die Panzer, sagt er, waren schon früher da, aber versteckt, und das Schiff habe wegen stürmischen Wetters im Hafen Zuflucht genommen. Den Betreibern des Freizeitparks ist die Anspannung anzumerken. In den ersten Tagen nach dem 9. Oktober, als Pjöngjang seinen Atomwaffentest verkündete, war die Zahl der Buchungen um mehr als die Hälfte zurückgegangen.

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