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Tod im Zoo Berlin : Knut und die Knutianer

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Mutterlos, gemobbt, im Käfig: Knuts Leben wurde zur Projektionsfläche für die Gefühle vieler Menschen. Nachdem die Todesursache nun bekannt ist, sieht sich der Zoo Berlin weiter Vorwürfen ausgesetzt.

          5 Min.

          Elf Tage hat es gedauert, bis das Ergebnis der Obduktion von Knuts Körper der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden konnte. Am 19. März, einem Samstag, starb der Eisbär nach einem Sturz ins Wasserbecken seines Geheges im Berliner Zoo vor den Augen vieler Besucher. Am darauffolgenden Montagmorgen schnitten die Pathologen im Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin den 300 Kilo schweren Körper auf. Anschließend suchten sie in seinen Geweben nach Viren und Bakterien. Am Freitag nun gaben die Pathologen des IZW das Ergebnis, ihre Diagnose bekannt.

          Demnach litt Knut schon länger an einer Virus-Infektion. Diese führte über mehrere Wochen zu entzündlichen Zerstörungen im Gehirn des Bären. Nach dem Zusammenbruch und dem Sturz ins Wasser sei er ertrunken. Auch das Rückenmark sei in der Folge der Entzündung bereits krankhaft geschädigt gewesen, sagte IZW-Präsident Heribert Hofer am Freitag. Der Erreger ist noch nicht identifiziert. Die Wissenschaftler können nicht ausschließen, dass auch die drei Eisbärinnen, mit denen Knut in einem Gehege zusammenlebte, infiziert sein könnten. Die weiteren Untersuchungen des Tierkörpers in dem Institut könnten sich noch über Monate hinziehen. Hinweise auf übermäßigen Stress als mögliche Krankheitsursache gab es nicht.

          Wie lange Knut vor seinem Tod schon schwer krank gewesen ist und Symptome empfunden hat, kann indes heute niemand mehr genau sagen. Wildtiere, auch wenn sie im Zoo leben, verstecken jede Schwäche sorgfältig – eine Strategie, die sie in Jahrmillionen der Evolution erworben haben, damit sie nicht in der Hierarchie ihrer Gruppe absteigen und von Fressfeinden als leichte Opfer erkannt werden. Deshalb traf Knuts Tod die Welt wie ein Schlag aus heiterem Himmel. Allein innerhalb der ersten Woche musste Heiner Klös, Bären-Kurator im Zoo Berlin, 350 Interviews geben. Er klingt ein wenig erschöpft, wenn er versucht zu deuten, woher die starken Gefühle kommen, mit denen er und der Zoo es nun zu tun haben. „Trauer ist etwas, was man verarbeiten muss, ganz klar“, sagt der Verhaltensbiologe. „Ich kann es völlig verstehen, dass die Menschen jetzt emotional reagieren. Und solche Emotionen müssen eben ein Ventil finden.“

          Bei der Pressekonferenz im Berliner Zoo zum Tod von Eisbär Knut wurde auch dieses Gipsmodel seines Schädels gezeigt

          Im „Tagesspiegel“ erschien eine Todesanzeige für Knut

          Das Ventil, das für die Trauer um Knut gefunden wurde, ist die Suche nach Schuldigen. Schon unmittelbar nach der Todesnachricht sah sich der Zoo Vorwürfen ausgesetzt, Knut sei in seinem Gehege von den drei Eisbärinnen Tosca, Nancy und Katjuscha gemobbt worden. Noch konkreter sind die Vorwürfe einer internationalen Gruppe von Zoobesuchern, die am vergangenen Samstag eine Todesanzeige für Knut im „Tagesspiegel“ schalteten. „Wir klagen die Zooleitung an, dich nur verwahrt zu haben“, heißt es im Text der Anzeige. Der Bär habe sich bedrängt gefühlt, sei angespannt gewesen, habe nur wenig Spielzeug gehabt. „Wir haben dich nicht beschützen können. Wir sind ohne Trost“, endet die Anzeige, deren 21 Unterzeichner, 18 Frauen und drei Männer, aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und den Vereinigten Staaten stammen. Man habe sich vor Knuts Gehege kennengelernt, sagt Anneliese Klumbies aus Hamburg, die zu den Unterzeichnern gehört. Schon im Januar habe die Gruppe eine Petition an die Zooleitung geschickt, um bessere Lebensbedingungen für Knut zu erreichen.

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