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Titanic-Untergang : Der Mond ist schuld - vielleicht

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Warum sank die Titanic? Diese Frage beschäftigt Forscher bis heute. Bild: dapd

Fehlende Fernrohre, sprödes Material - Forscher haben bisher viele Erklärungen für den Untergang der Titanic gefunden. Neue Theorien versuchen, das Unglück wissenschaftlich zu erklären.

          Von wegen Mythos oder unerklärliches Schicksal. Der Grund, warum die Titanic sank, ist jedem bekannt und könnte eindeutiger nicht sein: Das Schiff war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, ihm kam schlicht ein Eisberg in die Quere. Dennoch fasziniert der Untergang des damals größten und luxuriösesten Schiffes der Welt seit jeher nicht nur Verschwörungstheoretiker und Nostalgiker, sondern auch ernstzunehmende Wissenschaftler. Seit Jahrzehnten versuchen Forscher die entscheidenden Stunden und Minuten vor und nach dem tödlichen Zusammentreffen von Eisberg und Schiff zu rekonstruieren.

          Neue Theorien, pünktlich zum 100. Jahrestag der Tragödie, wollen nun beweisen, dass eine seltene astronomische Konstellation und ein optischer Effekt das Unglück am 14. April 1912 zumindest mitverursachten. An diesem Tag, gegen 23.40 Uhr, etwa 300Seemeilen südöstlich von Neufundland, kollidierte in einer mondlosen Nacht die als unsinkbar deklarierte Titanic mit einem Eisberg und riss fast drei Stunden nach dem Zusammenstoß mehr als 1500 Passagiere und Besatzungsmitglieder mit in die Tiefe des Ozeans.

          n den vergangenen 100 Jahren haben Forscher viele Erklärungen gefunden. Der Kapitän entschied, trotz Eisberg-Warnungen wesentlich zu schnell zu fahren. Fernrohre, die es den diensthabenden Matrosen vielleicht möglich gemacht hätten, die eisige Gefahr frühzeitig aus ihrem Ausguck zu erkennen, waren weggeschlossen. Und kürzlich fanden Metallurgen heraus, dass Rumpfnieten aus zu sprödem Material mit Schuld am Untergang hätten.

          Außerordentlich starke Gezeiten

          Aber warum waren an diesem Tag überhaupt Eisberge auf der Schiffsroute der Titanic unterwegs? Forscher von der Texas State Universität haben eine Erklärung dafür gefunden. Donald Olson und Russell Doescher, beide Professoren für Astrophysik, wollten wissen, wie die eisigen Giganten im April 1912 so weit nach Süden driften konnten. Dabei stießen sie auf Aufzeichnungen des Ozean-Kartographen Fergus Wood, der im Januar 1912 eine ungewöhnliche Nähe des Mondes zur Erde feststellte. Am 4. Januar war der Mond der Erde so nahe gekommen wie seit rund 1400 Jahren nicht mehr. Zudem standen Sonne, Erde und Mond genau in einer Linie.

          „Die Konstellation hat die Gezeitenkraft maximiert“, sagt Donald Olson. Denn Grönland-Eisberge der Größe des Titanic-Eisbergs, die im Winter von den Gletschern abbrechen, bleiben normalerweise in den flachen Gewässern vor Neufundland oder Labrador stecken. Viele kommen erst wieder frei, wenn sie abschmelzen oder zerbrechen. Aber im Frühjahr 1912, so die Theorie, die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Sky & Telescope“ publiziert wird, sollen außerordentlich starke Gezeiten riesige Stücke über die Untiefen gehoben haben. Deshalb konnten mehr und viel größere Eisberge als gewöhnlich viel weiter nach Süden treiben, mitten durch die Route der Titanic. Am Ende hatte der Erste Offizier nur 37 Sekunden Zeit zu handeln, als er den riesigen Eisberg bemerkte.

          Warum wurde der Eisberg nicht früher gesichtet? Die wertvollen Ferngläser für die an diesem Tag diensthabenden Matrosen im Ausguck waren irgendwo an Deck eingeschlossen - und niemand wusste, wo. In Untersuchungsausschüssen ging es später um die Frage, ob Ferngläser geholfen hätten, den Eisberg früher zu entdecken. Einer der beiden Matrosen bejahte nicht nur diese, sondern auch die Frage, ob Ferngläser den Unterschied zwischen „Sicherheit und Katastrophe“ ausgemacht hätten.

          Zwei Luftschichten, zwei Horizonte

          Diese Einschätzung wird nun aber von einer neuen Theorie ins Wanken gebracht. In ihrer Aussage vor dem Untersuchungsausschuss erzählten die beiden Matrosen, dass am Unglückstag nach 23 Uhr so etwas wie Dunst aufzog. Dieser Dunst passt gut zu einem optischen Phänomen: „Eine sogenannte Super-Refraktion könnte den Eisberg nahezu unsichtbar gemacht haben“, schreibt der britische Titanic-Fachmann Tim Maltin in seinem neuen Buch „101 Dinge, die Sie über die Titanic zu wissen glaubten - aber nicht wussten“. Maltin stützt sich in seiner Theorie vor allem auf Logbücher anderer Schiffe, die an dem Tag in der Nähe waren und Seltsames berichteten.

          In jener Nacht fuhr die Titanic vom warmen Golfstrom in die eiskalte Labrador-Strömung. Die Luft wurde unten immer kälter, darüber lag warme Luft, Inversion heißt dieser Effekt. Luftschichten brechen das Licht. Deswegen erschien über dem wirklichen Horizont ein zweiter Horizont. Die Schicht dazwischen kann diesig wirken - ein optischer Effekt, das Gegenteil einer Fata Morgana. Wenn in der Nacht also wirklich Super-Refraktion herrschte, konnten die Matrosen im Ausguck den Eisberg nicht sehen. Der optische Effekt soll außerdem den sich in der Nähe befindenen Frachter Californian behindert haben, die Titanic zu finden.

          Vielleicht war es - jenseits all der wissenschaftlich gestützten Theorien - aber auch einfach keine gute Idee, das Schiff Titanic zu nennen. Denn 14 Jahre zuvor war ein kurzer Roman über ein Schiff namens Titan erschienen, das größte und luxuriöseste Schiff der Welt, das als unsinkbar galt und 3000 Passagiere aufnehmen konnte. In der Erzählung rammte die Titan zwischen Amerika und England einen Eisberg und sank. „Futility“ hieß das Buch: Sinnlosigkeit.

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