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Tierseuchen : Künast fordert schärfere Kontrolle von BSE-Labors

  • Aktualisiert am

Braucht Sorgfalt: BSE-Test einer Hirnprobe Bild: dpa

Lange war es still an der BSE-Front. Doch immer mehr wird deutlich, dass sich das Thema trotz aller Aufregung im Frühjahr vergangenen Jahres alles andere als erledigt hat.

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          Die Deutschen essen längst wieder mehr Rindfleisch. Nicht wenige vertrauen dabei darauf, dass nach der BSE-Krise strenge Tests garantieren sollen, dass die Verbraucher kein bedenkliches Fleisch mehr auf den Teller bekommen. Eine akute Gefahr besteht derzeit nicht, betont Vebraucherministerin Renate Künast (Grüne), doch angesichts von Tausenden nachlässiger beziehungsweise unkorrekter Tests taucht die Frage auf: wie lange noch?

          Immerhin kursiert auch gut ein Jahr nach der BSE-Krise hier zu Lande noch Risikomaterial. Fast 150 aktuelle Fälle sind derzeit in Deutschland registriert. Künast forderte daher angesichts der in Rheinland-Pfalz und Bayern bekannt gewordenen Nachlässigkeiten schärfere Kontrollen für die privaten Testlabors, die die Überprüfungen auf Rinderwahnsinn derzeit durchführen. „Offensichtlich braucht es Druck“, sagte die Ministerin am Dienstag. Die Überprüfung der Labors sei allerdings Sache der Länder, sie sei nicht weisungsbefugt. Deshalb will die Ministerin den politischen Druck erhöhen.

          BSE-Tests nur noch in staatlichen Labors

          Einen weitergehenden Vorschlag machte der Leiter des deutschen BSE-Referenzzentrums, Martin Groschup. Er plädiert dafür, künftig nur noch amtliche Labors mit den BSE-Test zu betrauen. Angesichts des harten Wettbewerbs zwischen den privaten Laboratorien, der über die Schnelligkeit und den Preis gehe, könne die Qualität der Überprüfungen leiden. Ein Vorschlag, den offenbar auch Künast für sinnvoll hält. Der zeitliche und finanzielle Druck laste auf staatlichen Labors deutlich weniger als auf den privaten Testeinrichtungen, die - so Künast - „mit einer Menge durchlaufender Tests wirklich Geld verdienen“. Die Anzahl der zu bewältigenden Überprüfungen ist allerdings gewaltig. Seit Beginn der BSE-Krise Ende November 2000 sind fast drei Millionen Schlachttiere auf Rinderwahn hin untersucht worden.

          Ausgelöst worden war die Diskussion durch das Bekanntwerden von 40.000 mangelhaften Tests in Bayern sowie 13.000 unklaren Prüfungen in Rheinland-Pfalz, das drei privaten Labors die Zulassung entzog. Die Verbraucher Initiative sprach von einer „unvorstellbaren Schlampigkeit“ und forderte ebenfalls, so rasch wie möglich amtliche Laborkapazitäten auszubauen, um durch qualitativ hochwertige Tests die Sicherheit für die Verbraucher sicherzustellen.

          Neue Verunsicherung der Verbraucher droht

          Diese werden demnächst möglicherweise mit Verunsicherung reagieren, glaubt EU-Landwirtschaftspolitiker Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, der bereits erneute negative Folgen für den europäischen Fleischmarkt befürchtet. Die EU-Kommission werde auf die fehlerhaften BSE-Tests in Deutschland wohl nicht reagieren, sagte er im Inforadio Berlin-Brandenburg. „Das regelt der Markt in diesem Fall in negativem Sinne selber.“ Die Verbraucher seien wieder verunsichert, und es werde Druck auf den Markt geben.

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