https://www.faz.net/-gum-s012

Tierseuche : Vogelgrippe-Virus genetisch leicht verändert

  • Aktualisiert am

Vogelgrippe-Virus H5N1 unter dem Mikroskop Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die besonders rasche Ausbreitung der Vogelgrippe in der Türkei hat nach neuen Erkenntnisse offenbar ihren Grund in einer besseren Anpassung des Virus an den Menschen. Hinweise auf eine Ansteckung unter Menschen gibt es angeblich dennoch nicht.

          1 Min.

          Wissenschaftler haben bei der Analyse des Vogelgrippevirus' H5N1 in der Türkei eine Veränderung in einem Gen entdeckt. Sie sei in einem von zwei Proben zweier erkrankten Menschen festgestellt worden, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Mutation erlaube es dem Virus, sich leichter an eine menschliche Zelle zu binden als an die eines Vogels. Es sei aber noch zu früh zu sagen, ob es sich um eine wichtige Mutation handele.

          Es könne ein kleiner Schritt des Virus' sein, sich an den Menschen anzupassen, erklärte der WHO-Virologe Mike Perdue. Noch sei aber nicht klar, ob es sich um eine isolierte Erscheinung handele oder ob sie schon weiter verbreitet sei. „Wir müssen abwarten und sehen, wie die restlichen Viren aus der Türkei aussehen“, sagte Perdue.

          Rätsel der raschen Ausbreitung

          Die Wissenschaftler versuchen derzeit herauszubekommen, warum sich in dem Land in vergleichsweise kurzer Zeit so viele Menschen angesteckt haben. Die Zahl der bestätigten Vogelgrippe-Infektionen liegt derzeit bei 18. Alle Erkrankten sollen engen Kontakt mit infiziertem Geflügel gehabt haben.

          Perdue sagte, die WHO sei nicht beunruhigt über die Genveränderung. Diese sei bereits 2003 bei Proben im südlichen China festgestellt worden, ohne das dies einen Einfluß auf den Verlauf der Krankheit, das Verhalten des Virus' oder den Verlauf der Infektion beim Menschen gehabt habe. „Wenn wir es in mehr als 50 Prozent der Proben fänden, würde das darauf hindeuten, daß das Virus wirklich versucht, sich an die Menschen anzupassen und das wäre problematisch“, sagte der WHO-Experte.

          Weiterhin keine Ansteckung unter Menschen

          Doch selbst wenn die Mutation in mehreren Proben aufträte, hieße das noch nicht, daß die Veränderung ausreichend groß sei, damit das Virus von Mensch zu Mensch überspringen könnte. Die Grippe-Pandemie von 1918, an der Millionen Menschen starben, begann, nachdem sich das Virus langsam mehrfach genetisch verändert hatte. Grippeviren sind sprunghaft und Mutationen lassen sich häufig beobachten. Viele haben keine Bedeutung oder lassen sich nur in wenigen Proben nachweisen.

          Doch beobachten die Fachleute die Entwicklung des H5N1-Virus' sehr aufmerksam, um bedeutende Veränderung so rasch als möglich zu bemerken. Zwar kann nichts gegen die Mutationen unternommen werden, doch ihr Aufspüren gilt als der beste Weg, um eine mögliche Grippe-Pandemie zu antizipieren.

          Weitere Themen

          Die Pandemie im Überblick

          Zahlen zum Coronavirus : Die Pandemie im Überblick

          Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus werden gelockert – aber in welche Länder darf man nun wieder reisen? Und was gilt in den verschiedenen Bundesländern? Karten und Diagramme geben einen Überblick.

          Topmeldungen

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.