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Nach Video von Tierschützern : Schlachthof im Kreis Böblingen muss vorerst schließen

  • Aktualisiert am

Schlachthof Gärtringen im Kreis Böblingen Bild: dpa

Filmmaterial von Aktivisten soll beweisen, dass sich der Schlachtbetrieb nicht an geltendes Tierschutzrecht hält. Der Landrat wirft dem Unternehmen zudem vor, bereits 2018 erteilte Auflagen nicht umgesetzt zu haben.

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          Nach dem Bekanntwerden von mutmaßlichen Missständen in einem Schlachthof in Gärtringen im Kreis Böblingen (Baden-Württemberg) hat das Landratsamt den weiteren Betrieb vorübergehend untersagt. Die Verfügung werde erst wieder aufgehoben, wenn der Betreiber ein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt habe. Darin solle erklärt werden, wie der Tierschutz sichergestellt werde, teilte das Landratsamt mit.

          Der Betrieb ist schon länger im Visier des Amtes gewesen: „Das Fass läuft halt irgendwann über“, sagte Landrat Roland Bernhard am Freitag. Bereits seit 2018 seien dem Betreiber Auflagen im baulichen Bereich und Anordnungen für die Beschäftigten während des Schlachtbetriebs gemacht worden. Ein großer Teil davon sei nicht umgesetzt worden. Und nachdem der Verein Soko Tierschutz dann am Montag Filmmaterial veröffentlichte, das Tierquälerei belegen soll, untersagte das Landratsamt nun vorläufig den weiteren Schlachtbetrieb.

          Schlachtbetrieb weist Vorwürfe von sich

          Bernhard sagte, tierschutzrechtliche Bestimmungen müssten eingehalten werden. Die vorläufige Schließung sei kein Schnellschuss. Die Verfügung werde erst wieder aufgehoben, wenn der Betreiber ein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt habe. Darin solle erklärt werden, wie der Tierschutz sichergestellt werde. Der Tierschutzverein wirft dem Schlachthof unter anderem den Einsatz von Schlägen, Tritten und Elektroschockern sowie eine unprofessionelle Betäubung vor. Das Landratsamt kündigte an, das Filmmaterial auszuwerten, wenn es ihm vorliege. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall bereits.

          Der Vorwurf des Landrats gegenüber dem Schlachthofbetreiber beläuft sich indes auf Unglaubwürdigkeit. Er habe Versprechungen nicht eingehalten. Der Schlachthofbetreiber teilte dagegen mit, die Anordnung zur vorläufigen Schließung erfolge ohne Not oder eine aktuelle Notwendigkeit bezüglich des Tierschutzes. Kurzfristige Maßnahmen wie Schulung des Personals, die Verringerung der Bandgeschwindigkeit oder die Anpassung der Betäubungsfalle für Schweine seien bereits eingeleitet und umgesetzt. Außerdem solle ein Kameraüberwachungssystem und eine neue Betäubungsanlage für Schlachtschweine installiert werden, die alle gesetzlichen Vorgaben erfülle.

          Die Landestierschutzbeauftragte, Julia Stubenbord, begrüßte die vorläufige Schließung des Schlachthofs. Ebenso der tierschutzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Jonas Weber. Dies sei der richtige Schritt, aber so weit hätte es erst gar nicht kommen dürfen. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) müsse sich fragen lassen, wie die Kontrollmechanismen des Landes derart versagen konnten. „Den Fall darf man nicht einfach zu den Akten legen, er offenbart Schwächen, die wir nicht tolerieren können“, sagte Weber.

          Landrat Bernhard will sich mit Metzgern, Bauern und dem Schlachthofbetreiber an einen Tisch setzen, um einen Neustart zu ermöglichen. Die Glaubwürdigkeit müsse zurückgewonnen werden. Anfang 2018 war bereits ein Schlachthof im baden-württembergischen Tauberbischofsheim wegen Tierschutzverstößen komplett geschlossen worden.

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