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Tierpräparatoren-WM : Wie hat er die Flossen so dünn hinbekommen?

Juroren begutachten Kandidaten und vergeben Weltmeisterpunkte Bild: F.A.Z. - Andreas Müller

Sagt bloß nicht „ausstopfen“, reklamieren die Experten. In Salzburg kämpfen Tierpräparatoren um den Titel des Weltmeisters. Verweiblichte Adler und mannshohe Minotauren haben dabei keine Chance.

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          Neben dem Steppeniltis, der über einen gefrorenen Flusslauf springt, rekeln sich zwei Leoparden auf ihrem Perserteppich, streiten drei Elstern im Schnee um säuerlich riechendes Vogelfutter, knabbert eine Maus neckisch an einem Apfel und blinzelt ein junger Fuchs der Fliege entgegen, die sich auf seiner Schnauze niederlässt – fast möchte man meinen, er hielte wirklich nur Siesta, ohne nach dem Feldhasen zu gieren, der dort hinten im Moos sitzt.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Im Leben trennten sie Kontinente und Klimazonen, Nahrungspyramiden und Nachtaktivität – nun sind die Tiere hier in der Salzburg-Arena versammelt und schon von Todes wegen frei von Futterneid und Paarungstrieb. Hierher, in den größten Kuppelbau Europas mit Leimholzdecke, wohin zu anderen Zeiten Volksmusikanten zum munteren Reigen laden, führt sie die Weltmeisterschaft derjenigen, die ihnen zum postmortalen Leben verholfen haben: der Tierpräparatoren. Vorbei ist die Zeit, da Reh-, Hirsch- und Keilerköpfe müde von der Wand grüßten, das Fell schlaff, die Glasaugen trübe. Hier in Salzburg würde sich keiner der 150 Teilnehmer aus gut zwanzig Ländern gefallen lassen, dass er nur „ausstopfe“ – man „präpariert“, so lebensnah wie möglich, fressende Tiere, das Maul halb geöffnet, balzende, spielende, röhrende Tiere.

          Innige Beziehung zwischen Präparator und Präparat

          Und schwimmende. Schon schimmert der Schnee auf den Salzburger Hausbergen glutrot in der Abendsonne, schon sind fast alle Podestplätze in der Halle besetzt von den Spitzmäusen, Falken und ihren Kameraden – da bringt der Fischpräparator Matthias Fahrni aus Aegerten bei Bern seine fünf Zentimeter kleine Groppe im Flussbett an den Start. In der Garderobe der Arena, die jetzt als provisorische Werkstatt dient, streift sich der Mittvierziger mit den kurzen braunen Haaren und den tiefen Augenringen gelbe Plastikhandschuhe über.

          Letzte Feinarbeiten: der Chemnitzer Tierpräparator Holger Rathaj
          Letzte Feinarbeiten: der Chemnitzer Tierpräparator Holger Rathaj : Bild: dpa

          Behutsam entfernt er die Plexiglashaube, die seinen bräunlichgrauen Hoffnungsträger mit den hauchdünnen Flossen abschirmt vor der Welt mit ihren ruckartigen Bewegungen, der Windstöße, der neugierigen Taster. „Eine kleine Berührung, dann ist sie futsch“, sagt Fahrni im bedächtigen Tonfall seiner Schweizer Heimat und poliert ein letztes Mal die Haube, während hinter ihm ein langhaariger Russe, ungleich wilder, mit einer Airbrush-Pistole das Hautpräparat eines Hais aus dem Schwarzen Meer artgemäß einfärbt.

          Innig ist die Beziehung zwischen Präparator und Präparat. Zwei Monate hat Fahrni an seiner Groppe gearbeitet, seit er den Forellen zuvorkam und sie aus einem Bergbach fischte, hat unter Vakuum flüssigen Kunststoff in den winzigen Kopf gepumpt, auf dass dieser nicht schrumpfe, hat die Haut Stück für Stück übertragen auf einen eigens geschliffenen Formkörper, Schuppe für Schuppe, mit den feinsten Skalpellen – „aus der Humanmedizin, alles andere wäre zu grob“. Und dann bemalt, denn alle natürlichen Farbstoffe der Fischhaut gehen verloren. „Angler würden über meinen Köderfisch nur lachen“, sagt Fahrni, als er seine Groppe gemessenen Schrittes in die Arena trägt, auf dass sie ihm den Weltmeistertitel in der Kategorie „Fische Ganzpräparate“ bringe. „Dabei schwimmen uns solche Fische in den Bächen um die Beine herum.“

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