https://www.faz.net/-gum-6yhs7

Tierpark Limbach-Oberfrohna : Keine Ohren und doch kein Trost

  • -Aktualisiert am

Bitte nicht drücken: die neue Handvoll Keinohrhase Bild: Andreas Tannert

Es sollte den Tierpark berühmt machen. Dann kam ein Kameramann und trat das Kaninchen ohne Ohren tot. Nun zeigt sich, dass es noch mehr Kaninchen mit Handycap gibt.

          Die meinen es alle gut mit ihm, sagt Uwe Dempewolf, aber er will keinen Ersatz. Schon vier Kaninchenzüchter riefen bei dem Leiter des Tierparks von Limbach-Oberfrohna an: Sie hätten auch ein ohrenloses Kaninchen und würden es ihm gern vermachen. Dempewolf aber lehnt alle Angebote ab. „Wir wollen kein Ersatztier in den Stall setzen“, sagt er. Er hätte schon gern ein bisschen Aufmerksamkeit auf seinen Tierpark gelenkt, aber nicht um jeden Preis.

          Der Tierpark ist recht klein: Auf zweieinhalb Hektar leben 250 Tiere von 70 unterschiedlichen Arten. Dempewolf wurde in dieser Woche berühmt, weil das Kaninchen, mit dem er eigentlich berühmt werden wollte, kurz vor seinem Durchbruch als nationaler Tierstar von einem Kameramann totgetreten wurde. Es sollte das erste lebendige Keinohrkaninchen werden, wie in dem Film von Til Schweiger. Es sollte sogar Til heißen. Dann filmte der Kameramann im Stall und trat beim Rückwärtsgehen auf das Tier. So jedenfalls ist es Uwe Dempewolf berichtet worden, er war selbst gerade unterwegs, als es unter die Schuhe des Kameramanns geriet. Der will sich erst einmal nicht in der Öffentlichkeit äußern: Zu groß ist ihm die Aufregung um den toten Til geworden.

          Keinohrkaninchen keine Seltenheit

          Tatsächlich ist das Kaninchen schon das zweite Tier aus Sachsen, das mit seinem Handycap berühmt wird: Erst schaffte es das schielende Leipziger Opossum Heidi in die internationale Presse, nun wird das Kaninchen Til postum zum Liebling. Wenn Uwe Dempewolf wollte, dann könnte er die Öffentlichkeit noch etwas länger bespaßen. Er will aber nicht. Offensichtlich sind Keinohrhasen nicht so selten wie er dachte

          Vermutlich wurden die Ohren von der Mutter abgebissen, weil der Kleine zu kräftig war für die Geburt

          Allein die örtliche Regionalzeitung „Freie Presse“ machte in dieser Woche zwei Züchter ausfindig. Einer von ihnen briet sein Keinohrkaninchen nach einer Kleintierschau leider schon in der Pfanne. Ein anderer, Werner Kunstmann, wunderte sich vor ein paar Tagen, „was da für einer über die Wiese hoppelte“. Wahrscheinlich habe die Mutter die Ohren abgebissen. Drei Junge seien sehr wenig für Kaninchen, sagt Kunstmann, sie wurden wohl zu kräftig im Mutterbauch und waren dann schlicht zu dick für der Geburt. Um dem Kleinen zu helfen, habe die Mutter an den Ohren gebissen. So jedenfalls erklärt er sich das Handycap seines Tieres.

          Journalisten wollen es sehen

          Kunstmann kennt sich aus mit Kaninchen, sein Sohn wurde im vergangenen Jahr zum besten Züchter Deutschlands gekürt. Er überzeugte die Jury damals mit einem weißen Schlappohrkaninchen. In seiner Kaninchenzüchterkarriere ist aber auch Kunstmann noch nie ein Tier ohne Ohren unter- und auch nicht unter die Schuhe gekommen.

          Als Wurst oder Braten soll der „Blaue Wiener“, wie die Rasse heißt, vorerst nicht enden. Vielleicht werde er auch verkauft. 40 bis 50 Euro koste so ein Rassekaninchen normalerweise. Doch ob er diesen Preis auch für sein Keinohrkaninchen bekommt? Kunstmann weiß es nicht. Der Tierpark in Limbach-Oberfrohna jedenfalls möchte es nicht haben, nur Journalisten rufen ständig bei ihm an: Sie wollen berichten, sie wollen es sehen. Vielleicht wollen das bald noch mehr. Kunstmann wiegelt ab, er will erst einmal mit der Familie reden: Vielleicht möchten die Enkel das Tier behalten.

          Einen Termin aber hat das Keinohrkaninchen schon. An Ostern wird es zum ersten Mal ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt: Dann können es die Kinder im örtlichen Kindergarten angucken und streicheln.

          Weitere Themen

          Elf Patienten aus Krankenhaus entlassen Video-Seite öffnen

          Nach Busunfall auf Madeira : Elf Patienten aus Krankenhaus entlassen

          Nach dem Busunglück auf Madeira sind elf der Unfallopfer aus dem Krankenhaus entlassen worden. 16 weitere Personen würden weiter behandelt, ihr Zustand sei aber stabil und verbessere sich. Noch sei nicht abzusehen, wann die verletzten Touristen zurück nach Deutschland transportiert werden können.

          Jesus in Bensheim Video-Seite öffnen

          Traditionelle Passionsspiele : Jesus in Bensheim

          In der hessischen Stadt südlich von Frankfurt spielen Einwohner das Leiden Christi nach - eine Tradition, die vor Jahrzehnten im Gepäck italienischer Einwanderer in die Stadt kam. Auch in diesem Jahr fanden wieder Hunderte Zuschauer den Weg in die Stadt.

          Topmeldungen

          Karfreitag in Nordirland : Ein Tag der Trauer

          Dass es in Nordirland seit mehr als zwanzig Jahren weitgehend friedlich geblieben ist, gehört zu den großen Leistungen der Politik. Doch mit dem Mord an einer Frau in Londonderry ist die Gefahr für den Frieden wieder einmal deutlich geworden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.