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Tiermast : Mindestens elf Bundesländer von Hormon-Skandal betroffen

  • Aktualisiert am

Mit Hormonfutter gemästet? Schwein auf einem Tiertransporter Bild: ddp

Schwere Vorwürfe gegen belgische Behörden, der Bauernverband fordert harsche Strafen. Der Skandal um Hormon-verseuchte Futtermittel nimmt ungeahnte Ausmaße an.

          Von dem Skandal um hormonverseuchtes Futtermittel sind mehr Bundesländer betroffen, als bisher bekannt war. Insgesamt seien Betriebe in mindestens elf Bundesländern mit Futtermittel aus den Niederlanden beliefert worden, das mit dem Wachstumshormon MPA verunreinigt war, teilte eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums am Dienstag in Berlin mit. Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne) forderte EU-weit schärfere Kontrollen. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL) will eine harte Bestrafung der Schuldigen. Verbraucherschützer rieten zur Zurückhaltung bei Fleisch und Limonade.

          Neben den bisher bekannten Ländern NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern wurde verunreinigtes Futtermittel laut Verbraucherschutzministerium auch nach Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hamburg geliefert. Dies gehe aus der Lieferliste des belgischen Unternehmens hervor, das als Quelle des verseuchten Futters gilt. Die Ministeriumssprecherin schloss nicht aus, dass auch weitere Bundesländer betroffen sind.

          1.300 Betriebe beliefert?

          Insgesamt waren im Juni und Juli 8.500 Tonnen hormonbelastetes Futter nach Deutschland geliefert worden, der Großteil davon nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die Länder überprüfen derzeit die Lieferwege. Bundesweit wurden bereits Dutzende Betriebe gesperrt. Angeblich wurden 1.300 Betriebe beliefert.

          Gefahrenquelle Futtermittel

          Höhn sagte zu ihrer Forderung nach EU-weiten Kontrollen, gerade in Belgien herrschten im Lebens- und Futtermittelbereich zum Teil „mafiöse Strukturen“. Das habe bereits der Skandal um mit Dioxin verunreinigtes Futtermittel vor drei Jahren gezeigt. Zugleich unterstützte sie die Forderung von Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) nach einer Positivliste für Futtermittel, mit der alle für die Futtermittelherstellung zugelassenen Stoffe festgelegt werden. Außerdem müsse das erst für 2006 geplante Verbot der noch zugelassenen vier Antibiotika, die in der Tiermast eingesetzt werden, umgehend in Kraft gesetzt werden.

          Fleischverbrauch einschränken

          Die Verbraucher-Zentrale NRW riet derweil Verbrauchern, den Genuss von Fleisch und Erfrischungsgetränken vorsorglich einzuschränken. Nach Angaben der Verbraucherschützer gibt es über die Wirkungsweise des Hormons MPA, das auch in Glucosesirup gefunden wurde, und dessen Konzentration in Lebensmitteln keine gesicherten Erkenntnisse. Gesundheitsexperten hatten allerdings erklärt, es bestehe keine akute Gefährdung.

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