https://www.faz.net/-gum-9shjj

Dürre und Zyklon : Dutzende Elefanten in Zimbabwe verhungern elendig

Zu wenig Wasser: Elefanten im Hwange National Park Bild: REUTERS

Seit September sind im Hwange-Nationalpark in Zimbabwe mindestens 55 Elefanten zu Tode gekommen. Die gesamte Region leidet zur Zeit unter Dürre. Die Tiere müssen qualvoll verendet sein.

          2 Min.

          Seit September sind in Zimbabwe mindestens 55 Elefanten zu Tode gekommen. „Sie verendeten in der Nähe von Wasserlöchern im Hwange-Nationalpark“, teilte Tinashe Farawo mit, Sprecher der Nationalparkbehörde Zimparks. „Die Lage ist schlimm – die Tiere sind verhungert.“ Die Tatsache, dass die Kadaver in der Nähe der Wasserstellen gefunden wurden, deute darauf hin, dass die Kolosse in ihrer Verzweiflung zuvor lange Wege zurückgelegt hatten.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Der Hwange-Nationalpark zwischen Bulawayo und den Victoriafällen im Westen des Landes ist eine Touristenattraktion. Er umfasst rund 15.000 Quadratkilometer, wurde 1928 von den Briten als Schutzgebiet gegründet und 1961 zum Nationalpark erklärt. Mehr als 400 Vogel- und 100 Säugetierarten sind hier beheimatet, auch die „Big Five“: Büffel, Leopard, Löwe, Elefant und Spitzmaulnashorn.

          Die gesamte Region leidet zur Zeit unter Dürre. Zuvor hatte zu allem Unglück in Zimbabwe, Moçambique und Malawi auch noch der Zyklon Idai gewütet. Laut Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen fehlt 3,5 Millionen Menschen in Zimbabwe der Zugang zu ausreichend Nahrungsmitteln, bis zum Jahresende könnte die Zahl auf 5,5 Millionen steigen.

          Elefanten verlassen die sicheren Gebiete

          Elefanten gehören zu den ersten, die unter dem Mangel leiden. Täglich saufen sie bis zu 140 Liter Wasser, fressen 150 Kilogramm Gras und Sträucher, benötigen fürs Wohlbefinden im Ruhezustand fast 50.000 Kilokalorien. In Schutzgebieten ist der Druck besonders groß. In Hwange, das nach Auskunft Farawos maximal 15.000 Elefanten verträgt, sollen 50.000 Elefanten leben – damit wäre jeder siebte in Freiheit lebende Savannenelefant in dem Nationalpark zu Hause.

          Während in der Vergangenheit vor allem in ostafrikanischen Ländern wie Tansania und Kenia die Bestände durch Wilderei massiv reduziert wurden, leiden Länder wie Botswana und Zimbabwe unter einer massiven Elefanten-Überbevölkerung. In Zimbabwe sollen 83.000 Elefanten leben, in Botswana 130.000. Die Regierung in Botswanas Hauptstadt Gaborone hat deshalb vor kurzem die Jagd wieder zugelassen. Das wird die Probleme aber kaum lösen. Die rund drei Meter hohen und sechs Tonen schweren Tiere können nicht über weite Strecken umgesiedelt werden, und in den Nationalparks haben sie keine natürlichen Feinde. Ausgerechnet in jenen Schutzgebieten, in denen die Wilderei erfolgreich bekämpft wird, leiden die Tiere besonders unter dem Mangel.

          Immer mehr Elefanten verlassen deshalb die sicheren Gebiete und machen sich über Maisfelder in der Nachbarschaft her. Dadurch, so Farawo, seien in den vergangen fünf Jahren mindesten 7000 Hektar Ackerland zerstört und 200 Personen getötet worden. Seit Jahren klagen Regierungen des südlichen Afrikas über das Verbot des Elfenbeinhandels. Die Regierung in Harare schätzt, dass in ihren Tresoren Elfenbein im Wert von rund 300 Millionen Dollar lagert – Geld, das sie gut für den Erhalt der Nationalparks gebrauchen könnte.

          Weitere Themen

          Prozess gegen iranische Schleuserbande

          Landgericht Düsseldorf : Prozess gegen iranische Schleuserbande

          Der Kopf einer iranischen Schleuserbande steht zurzeit vor dem Düsseldorfer Landgericht. Sie sollen maßgeschneiderte Pakete verkauft haben – von der Visa-Beschaffung über Flughafen-Transfer bis zur Beratung für das Asylverfahren.

          Topmeldungen

          Angela Merkel mit Markus Söder und Michael Müller (im Vordergrund)

          Neue Corona-Beschlüsse : Der zweite Lockdown, der keiner ist

          Dieses Mal folgen die Länder dem harten Kurs der Kanzlerin. Auch wer das ablehnt, kann nicht wollen, was ohne Beschränkungen droht: ein Kontrollverlust, der über das Gesundheitswesen hinausgeht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.