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Kampf gegen die Ölpest : Woher kommt das Öl an Brasiliens Stränden?

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Ein Arbeiter an einem Strand im Bundesstaat Sergipe sammelt Ölklumpen auf. Bild: EPA

An den nordöstlichen Küsten Brasiliens sammeln sich seit Wochen Erdölrückstände. Experten sprechen von der bisher schlimmsten Umweltkatastrophe in der Region. Zur Ursache gibt es nur wenige Hinweise.

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          Strandspaziergänge an den Palmenstränden im Nordosten Brasiliens hinterlassen seit einigen Wochen nicht nur einen schönen Eindruck – sondern vielerorts auch schwarze Flecken an den Füßen. Klebrige Erdölrückstände erreichen seit September die Strände in der touristisch bedeutendsten Region des Landes. Mehr als 130 Strände in neun Bundesstaaten sind auf einer Länge von mehr als 2000 Kilometern betroffen. An ihnen haben sich Rückstände abgelagert – von kleinen Tropfen bis hin zu großen Lachen. Experten sprechen von der bisher schlimmsten Umweltkatastrophe an Brasiliens Nordküste und befürchten irreparable Schäden an Korallenriffen und der Meeresfauna.

          Am stärksten betroffen ist der Bundesstaat Sergipe, wo auch kleinere Ölteppiche im Meer trieben. In den vergangenen Tagen waren auch die ersten Strände des Bundesstaates Bahia betroffen, wo sich einige bedeutende Touristenressorts befinden. Am Mittwoch gab der brasilianische Umweltminister bekannt, dass die Marine und die Umweltbehörde seit Anfang September bereits mehr als 133 Tonnen Rückstände eingesammelt hätten.

          Zu den Ursachen der Ölpest gibt es bislang nur wenige Hinweise. Anfängliche Vermutungen, das Öl könne aus der illegalen Säuberung eines Schiffstanks vor der Küste stammen, wurden verworfen. Dafür sei die ausgetretene Menge zu groß. Eine Untersuchung durch den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras und die brasilianische Umweltbehörde hat zudem ergeben, dass das Erdöl offenbar nicht aus Brasilien stammt. Erdöl von dieser Zusammensetzung werde weder in Brasilien produziert noch gehandelt, hieß es seitens Petrobras. „Es ist ein sehr merkwürdiges Phänomen, und es gibt keine Zeichen, dass es sich verringert“, sagte Petrobras-Chef Castello Branco. „Dies ist ein sehr beunruhigendes Desaster“.

          Regierung schließt kriminellen Hintergrund nicht aus

          Laut der Tageszeitung „Folha de São Paulo“, die sich auf ein unveröffentlichtes Gutachten von Petrobras beruft, soll das Öl aus Venezuela stammen. Die brasilianische Regierung machte Andeutungen in diese Richtung, Präsident Jair Bolsonaro vermied es bisher aber, das Land beim Namen zu nennen. Wie das Öl vor die brasilianische Küste gelangte, ist unklar. Es wird vermutet, dass es beim Transport des Öls von Venezuela nach Asien zu einem Schiffsunglück oder einer Panne beim Umladen des Rohöls auf ein anderes Schiff auf hoher See gekommen sein könnte. Die brasilianische Regierung schließt auch einen kriminellen Hintergrund, sprich eine mutwillig provozierte Umweltkatastrophe, nicht aus. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Im betreffenden Zeitraum kreuzten mehr als hundert Ölfrachter das Gebiet. Die Regierung muss sich vorwerfen lassen, sehr zögerlich reagiert zu haben.

          Die Sorge von Umweltschützern ist groß, denn der Nordosten Brasilien gilt als wichtiges Brutgebiet für seltene Meeresschildkröten. Mindestens 15 Meeresschildkröten, ein Vogel sowie ein Delfin wurden mit Spuren von Rohöl wurden bereits entdeckt. Acht der betroffenen Tiere verendeten. Die Ölrückstände verhindern zudem den Zugang der Jungtiere zum Meer, die just in diesen Wochen zu schlüpfen beginnen. Auch verschiedene Walarten vermehren sich im Atlantik vor Brasilien. Noch nicht absehbar ist der Schaden für die Tourismusindustrie der Region. Der Tourismus dürfte durch die Ölpest massiv beeinträchtigt werden. Die Hotellerie beklagt bereits erste Absagen, Gastronomen konstatieren das Fernbleiben von Gästen, und das kurz vor dem Beginn der Hochsaison. Auch die Kleinfischerei kämpft mit den Folgen der Ölpest.

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