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Beluga in der Seine : Frankreichs Moby-Dick ist tot

Der Belugawal, der sich in die Seine verirrt hatte, wird von Tiermedizinern versorgt. Bild: AFP

„Das Leiden war offensichtlich“: Der ausgehungerte Belugawal, der sich in die Seine verirrt hat, musste eingeschläfert werden. Zuvor hatten Tierschützer und -ärzte alles versucht, um das Tier noch zu retten.

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          Am Ende war er zu geschwächt. Der Belugawal, der sich vor einer knappen Woche in einer Seine-Schleuse in Nordwestfrankreich verirrt hatte, musste am Mittwoch trotz Rettungsaktion eingeschläfert werden. Wegen mangelnder Nahrungsaufnahme völlig abgemagert, habe er nicht mehr genug Kraft gehabt, um noch mal ins Wasser gelassen zu werden, begründete die Präfektur des Departements Calvados die Entscheidung. „Das Leiden war für das Tier offensichtlich“, ergänzte die Tierärztin Florence Ollivet-Courtois mit betroffener Miene vor laufender Kamera. Es sei erkrankt in die Seine gekommen.

          Eine aufwendige Rettungsaktion

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Zuvor war das rund vier Meter lange und 800 Kilogramm schwere Männchen in der Nacht auf Mittwoch aus der Schleuse gehoben worden, die mehr als hundert Kilometer von der Mündung der Seine in den Ärmelkanal entfernt liegt. Mehrere Dutzend Feuerwehrleute, Polizisten, Tierärzte, Taucher und Rettungsschwimmer waren an der Aktion beteiligt. Sie dauerte sechs Stunden, weil es nicht ganz einfach war, den Beluga in Netze zu locken. Als das gegen 4 Uhr am Morgen endlich gelang, hing er erst für einige Minuten in der Luft und wurde dann auf einen Lastkahn abgesetzt. Anschließend starteten Tierärzte einen Gesundheitscheck. Er weise keine Verdauungsaktivität auf und könne keine Nahrung mehr zu sich nehmen, erklärten die Tierschützer der Organisation Sea Shepherd. Man versuche deshalb, seine Verdauung wieder anzuregen. Versuche, das Tier erst mit toten Heringen und dann mit lebenden Forellen zu füttern, waren zuvor gescheitert.

          Schnell wurde klar, dass es um die Überlebenschancen des Wals nicht gut bestellt war. Dennoch ließen Präfektur, Tierärzte und Tierschützer nichts unversucht und organisierten einen Kühllaster-Transport in die Küstenstadt Ouistreham. Geplant war, den Wal dort in einer Meerwasserschleuse mehrere Tage zu versorgen und bei Genesung wieder ins offene Meer zu entlassen. Doch die letzten Chancen schwanden rasch. Der Zustand habe sich nach der Überfahrt verschlechtert, sagte die Tierärztin Ollivet-Courtois. Am Ende habe der Beluga nur unzureichend atmen können.

          Wale in Binnengewässern sind selten

          Dass sich ein Wal in französische Binnengewässer verirrt, ist trotz vieler Tausend Kilometer Küste nicht ganz alltäglich. Ein Beluga wurde überhaupt erst einmal, im Jahr 1948, vor der Loire-Mündung gesichtet, heißt es von der französischen Beobachtungsstelle für Meerestiere Pelagis. Ein Orca wiederum schwamm erst im Mai in der Seine zwischen Rouen und Le Havre. Auch er war ausgehungert und konnte nicht gerettet werden.

          In Deutschland gibt es Berichte über einen Beluga aus dem 17. Jahrhundert und anschließend erst wieder aus dem Mai 1966. „Weißer Wal im Rhein“ titelte die F.A.Z. damals, nachdem das Tier aus den Niederlanden stromaufwärts bis Duisburg-Wanheim geschwommen war. Viele Schaulustige zog es zum Ufer. Doch schon zwei Tage später hieß es in der Zeitung „Moby Dick ist untergetaucht“: Erst waren Versuche, den Beluga zu fangen, unter Beteiligung von Bundeswehrpionieren gescheitert, dann verlor die Wasserschutzpolizei die Fährte. Im Juni tauchte er noch einmal vor dem Bonner Regierungsviertel auf, ehe er über Rotterdam wieder ins Meer entschwand.

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